Evangelischer Kirchenverband Köln und Region

Der „Perspektive Altenberg“ sind als Projekt der „Regionale 2010“ hohe Landesförderungsmittel sicher - auch evangelische und katholische Gemeinde des Altenberger Doms beteiligen sich



18.07.2008

Zuletzt erfuhr der einstige Klosterbezirk Altenberg vor knapp 25 Jahren eine einschneidende Umgestaltung. Nun stehen weitere Maßnahmen bevor, um das Gelände der ehemaligen Zisterzienserabtei attraktver zu gestalten. „Perspektive Altenberg“ nennt die zuständige Gemeinde Odenthal ihr Projekt. Mit diesem Projekt hat sich die Stadt Odenthal innerhalb der „Regionale 2010“ beworben. Die „Regionale“ ist ein Strukturprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen. Seit 2000 steht alle zwei Jahre eine ausgewählte Region im Fokus. Im Rahmen einer „Regionale“ sollen Qualitäten und Eigenheiten einer Region heraus gearbeitet und Impulse für eine künftige, möglichst „vernetzte“ Entwicklung gegeben werden. Bei der „Regionale 2010“ steht die Region Köln/Bonn im Fokus. Seit Juni 2008 steht fest: Die „Perspektive Altenberg“ kann mit einem beträchtlichen Landeszuschuss realisiert werden. Wie von der kommunalen Gemeinde Odenthal erhofft, verlieh ein „Regionale“-Gremium dem Projekt Altenberg den „A-Stempel“ - das bedeutet: höchste Förderstufe. Der Landeszuschuss wird bis zu siebzig Prozent der Gesamtkosten betragen. Zwei Wochen vor dieser Entscheidung hatte der Pfarrbezirk Altenberger Dom der Evangelischen Kirchengemeinde Altenberg/Schildgen in ihrem Martin-Luther-Haus zu einem Informationsgespräch über das Projekt eingeladen. Nach dem Sonntagsgottesdienst folgten knapp dreißig Gäste, mehrheitlich Gemeindeglieder, den Ausführungen von Jürgen Gnest.

Durch das Projekt soll unter anderem der historische Zugang zum Altenberger Dom durch das Barock-Tor im Westen wieder belebt werden.
Ziel: die Entwicklung einer "nachhaltigen, auch touristischen Perspektive"
Gnest ist Mitglied der Evangelischen Kirchengemeinde Altenberg/Schildgen und Vorsitzender der CDU-Fraktion im Gemeinderat Odenthal; die Fraktion hatte ihn in die Projekt-Jury entsandt. Er gab einen Überblick über den Stand der Dinge: Im Rahmen der „Regionale 2010“ sollen gut vierzig Projekte durchgeführt werden. Das Altenberger Projekt habe sich seit Juni 2005 in Versammlungen und Workshops entwickelt. Auch mit „intensiver Beteiligung“ von Akteuren und Einrichtungen vor Ort, darunter die den Dom simultan nutzenden Kirchengemeinden: die evangelische und die katholische. Das Ziel von „Perspektive Altenberg“ laute, für den kulturhistorisch wie geistlich-spirituell bedeutsamen Ort „inmitten der wertvollen Kulturlandschaft entlang der Dhünn“ eine nachhaltige, auch touristische Perspektive zu entwickeln.

Eine Menge Planungsziele
Bereits im August 2005 fand auf Einladung der Gemeinde Odenthal, der „Regionale 2010“ und der Stiftung Deutscher Architekten ein Sommerseminar statt. Gnest bezeichnete es als Gedankenaustausch, allerdings „völlig fiktiv“. Das Ergebnis war die Grundvorstellung einer räumlichen Entwicklung Altenbergs. Auf diesem in der Folge weiter entwickelten Leitgedanken basierte der städtebaulich-freiraumplanerische Wettbewerb zur „Perspektive Altenberg“, der im September 2007 ausgelobt wurde. Die teilnehmenden Architekten hatten in ihrem Gesamtkonzept eine ganze Menge an Planungszielen zu berücksichtigten. Dazu gehörten unter anderem: Den Dom als geistliche und räumliche Mitte Altenbergs frei sichtbar werden zu lassen, sowie die ehemals offenen Sichtachsen auf den Dom wieder herzustellen. Weitere Ziele: eine städtebauliche und landschaftsarchitektonische Aufwertung des Domplatzes, des Wirtschaftsbereichs und des Klostergartens, die "In-Wert-Setzung" des ehemaligen Haupteingangs im Westen über die Dhünn-Brücke und durch das historische Barocktor. Weiterhin formulierte Ziele waren die Neuordnung der Stellflächen und verkehrlichen Erschließung, die Aufwertung und der Ausbau des Dhünn-Wegs sowie die räumliche Vernetzung mit der Burg Berge und den Fischteichen jenseits der Klostermauer.

Nicht alle Anforderungen sind realisierbar
Aus dem Wettbewerb, an dem letztlich 16 Büros teilnahmen, ging das Berliner Atelier Loidl als Sieger hervor. Laut Jury-Urteil wertet deren Modell unter anderem den barocken Torbogen als Zugang auf. Es macht den Dhünnuferweg zur Haupterschließungsstraße und zeigt eine großzügige Gestaltung des Platzes zwischen Dom und den alten Wirtschaftsgebäuden. Im März 2008 schloss sich der Gemeinrat Odenthal mehrheitlich dem Jury-Votum an. Entsprechend dem Ratsbeschluss bildet der Loidl-Entwurf die Grundlage für die weiteren Planungen. „Loidl hat die Anforderungen am besten umgesetzt“, begründete Ratsherr Gnest die Entscheidung. „Auch wenn viele Dinge nicht realisierbar sind. Vieles ist noch nicht ausgreift. Dies geben die Architekten auch zu.“ Ungeklärt sei etwa die Frage der Zufahrten. Ebenso der Höhenunterschied zwischen Dom und Kapelle. „Der Siegerentwurf kann also gar nicht Eins zu Eins realisiert werden“, teilte Gnest mit.

Wie touristisch soll der Altenberegr Dom werden?
Nach Ansicht von etlichen Anwesenden soll er das auch nicht. Viele übten Kritik. Manche bezweifelten gar die Notwendigkeit der Millionen-Investition. So vermisste ein Zuhörer ausreichend Sitzgelegenheiten im Außenbereich. Ein anderer fühlte sich im Vorfeld zu wenig eingebunden in das Projekt, das „die Odenthaler Bürger mit finanzieren“. Nach Sichtung der Pläne habe er den Eindruck, dass in Altenberg durch Entnahme von Bäumen und sonstigem Grün eine „kahle Wüste“ entsteht. „Und das viel Geld für Ästhetik ausgegeben wird, nicht für Notstände.“ Ein Gemeindeglied bemängelte, dass in diesem Zusammenhang über Altenberg vorwiegend als Touristenort diskutiert wird. „Aber den Altenberger Dom sehe ich zunächst als unsere Gemeindekirche, in der Gottes Botschaft verkündet wird. Zunächst sollte es um die Kirchgänger, die Gemeinden gehen, nicht die Touristen.“ Es sei ganz wichtig, dass man allen Interessierten den Kirchgang erleichtere und schmackhaft mache. Alle müssten leicht an den Domeingang gelangen können. „Sie ist zunächst Kirche der beiden Gemeinden am Dom, dann erst ein touristischer Ort, ein schönes Baudenkmal.“

"Einen ´Aufmarschplatz´ vor dem Dom brauchen wir nicht!"
„Ich verstehe nicht, dass dieser Entwurf den ersten Preis bekommen hat und auf ihm alles fußen soll“, bekundete ein weiteres Gemeindeglied seinen Unmut. Das Problem der Zuwege sei nahezu überhaupt nicht behandelt, also auch nicht in der Kostenaufstellung berücksichtigt. „Einen ´Aufmarschplatz´ vor dem Dom brauchen wir nicht. Und das Parken vor dem Altenberger Hof und im Fußgängerbereich ist eine Katastrophe.“ Gut finde er den Zugang durch das Barocktor. Ansonsten halte er einige der präsentierten Ansichten für „Phantombilder“. Unter anderem suggerierten sie einen freien Blick von der Terrasse neben der Orangerie auf den Dom. Den könne es aber gar nicht geben. Es sei denn, man reiße das katholische Pfarrhaus ab – „und das ist höchst unwahrscheinlich“.

„Noch ist alles möglich“,
versuchte Gnest, solche Einwände zu entkräften. Noch sei nichts entschieden. „Im Moment laufen Gespräche mit den Grundstückseigentümern in Altenberg. Mit dem Erzbistum, der evangelischen Gemeinde und anderen. Ohne dass die einzelnen Beteilgten 'Ja' sagen, wird gar nichts passieren“, schilderte Gnest den Stand der Dinge. Zumindest geht er davon aus, dass es genügend Sitzmöglichkeiten in und um Altenberg geben wird. Weiter steht für ihn fest: „Die Zufahrtsmöglichkeit im Norden über die Lindenallee zum Dom wird nicht wegfallen, ebenso wenig die zum Hotel Altenberger Hof und Küchenhof. Die Frage ist nur, wie nah sie an den Platz heran führen.“ Gleichwohl werde sich nichts ändern an dem Ziel, möglichst viele Autos aus Altenberg rauszuhalten. So sollen Besucher von den beiden außerhalb der Klostermauern gelegenen, auszubauenden Parkplätzen Märchenpark und Süd auf einem Fußweg entlang der Dhünn das Areal zentral durch das Barocktor betreten. Geplant sei ebenso, die Südbrücke abzureißen und damit die Zufahrt in Höhe des Martin-Luther-Hauses zu unterbinden. Laut Gnest stehe im Zentrum jeder Planung der Altenberger Dom. Er bilde das Kernstück - auch, wenn die wirtschaftlichen Pächter natürlich andere Interessen hätten.

Nicht nur für Brautpaare wichtig: Die Zufahrt zum Altenberger Dom muss "unbedingt aufrecht erhalten" werden
Pfarrerin Claudia Posche jedenfalls begrüßt die Planungen. „Ohne diese gäbe es wohl überhaupt keine Diskussion. Und es ist sinnvoll, einen Plan als Grundlage und Ausgangspunkt zu nehmen.“ Wohl im Namen der Mehrheit der Protestanten im Pfarrbezirk forderte sie, die Zufahrt zum Altenberger Dom unbedingt aufrecht zu erhalten. Sei es für Brautpaare, für normale Kirchgänger und Besuchende. Viele von ihnen, so Posches Beobachtung, benötigten eine Gehhilfe. Gerade für Gehschwache seien ebenerdige Zuwege und nahe Sitzgelegenheiten unverzichtbar. „Altenberg hat schon vor über zwanzig Jahren eine große Veränderung erlebt, auch damals gab es viel Widerstand“, erinnerte Posche. Schon damals habe man das Barocktor als zentralen Zugang favorisiert. „Das wurde nur nicht umgesetzt.“ Insgesamt benötige Altenberg eine verträgliche Parkplatzregelung. Ein Dorn im Auge ist nicht allein der Pfarrerin überdies die „furchtbare Mischung von unterschiedlichen Blumenkübeln und diversen Schilderarten“.

"Wir sind uns einig, dass in Altenberg etwas passieren muss"
„Die ´Regionale 2010´ gibt uns die Chance, Geld vom Land zu bekommen. Ansonsten müssten wir noch zwanzig bis dreißig Jahre warten. Denn wir sind uns einig, dass in Altenberg etwas passieren muss“, argumentierte Gnest. Das Land steuere bis zu siebzig Prozent der Gesamtkosten in Höhe von acht Millionen Euro bei. „Wir sollten das Geld in Anspruch nehmen. Sonst geht es woanders hin.“ Dabei sei der „Loidl-Entwurf“ mit „nur“ 6,4 Millionen Euro veranschlagt. Dreißig Prozent davon trage die Gemeinde Odenthal.
„Voraussichtlich kann erst nach September 2009, nach Ende der Grundsteinlegungsfeierlichkeiten in Altenberg, was gemacht werden“, kündigte Gnest an. Nüchtern betrachtet könne man bis 2010 zumindest in der Parkplatzfrage auch praktisch voran gekommen sein. Zunächst wolle man bis zum Herbst dieses Jahres einen überarbeiteten Plan vorlegen. In ihm sollen das Machbare und Wünschenswerte einen Kompromiss eingehen.




Text: Engelbert Broich
Foto(s): Broich

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