Aufgaben
Das Archiv kümmert sich um die Übernahme, Sicherung, Bewertung und Verzeichnung des Schriftgutes des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region, seiner Rechtsvorgänger sowie seiner Ämter und Einrichtungen. Ergänzt wird die Überlieferung durch Nachlässe, Sammlungen und Deposita der Evangelischen Kirchengemeinde Frechen, der Evangelischen Gemeinde Köln, der Kirchenkreise Köln-Nord, Köln-Mitte sowie der Emil und Laura Oelbermann-Stiftung. Eine weitere Aufgabe erstreckt sich auf die archivfachliche Beratung der Ämter und Einrichtungen sowie der evangelischen Kirchenkreise und der Kirchengemeinden in Köln und Region.
Das Archiv des Evangelischen Kirchenverbandes stellt seine Bestände der Öffentlichkeit zur Verfügung, sofern keine gesetzlichen Regelungen dagegensprechen. Wir beraten Sie gerne bei wissenschaftlichen Publikationen, bei Angelegenheiten der Familienforschung und bei privaten Forschungsinteressen.

Rechtsgrundlagen
Gesetzliche Grundlage bildet das Archivgesetz der Evangelischen Kirche der Union in Verbindung mit dem Ausführungsgesetz der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Benutzung
Die Benutzung des Archivs ist gebührenfrei. Archivalien, Bücher und Festschriften können eingesehen werden. Um eine vorherige Anmeldung wird gebeten

Öffnungszeiten

Mo-Do: 9:00-15:00 Uhr
Fr: 9:00-12:00 Uhr

Die Benutzung des Verbandsarchivs ist unter Beachtung dieser Regelungen wieder möglich.

Kontakt
Stefanie Schensar, M.A.
Haus der Evangelischen Kirche
Kartäusergasse 9-11
50678 Köln
Tel: 0221 33 82-222
archiv@kirche-koeln.de

Archivale des Monats

Erinnerung an das Martha-Stift

Das Martha-Stift e.V. ist vielleicht manchen Kölnerinnen und Kölnern noch ein Begriff oder sogar in schwacher Erinnerung. Im Ferkulum 29 stand es. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude, sowie viele andere, durch Bombentreffer vollständig zerstört. Der Verein war nicht mehr in der Lage das Gebäude aufzubauen und der Vorstand beschloss daher das Grundstück an die katholische Kirchengemeinde St. Severin zu verkaufen. Vor dem Krieg diente es als Seniorenheim. Doch das war nicht sein
ursprünglicher Zweck.

Schutz vor mannigfaltigen Verführungen der Großstadt

Vor rund 130 Jahren erschien eine Festschrift zum 25-jährigen Jubiläum des evangelischen Mägdehauses, Martha-Stift. Gegründet wurde es 1864. 1887 wurde ihr der Status einer juristischen Person verliehen. Der Satzung kann man entnehmen, dass es „stellensuchenden und dienstsuchenden Mägden“ einen zeitweiligen Aufenthalt gewährte sowie heranwachsende Mädchen nach zurückgelegter Schulzeit in den praktischen Arbeiten des häuslichen Lebens unterrichtete und damit die Mädchen und jungen Frauen zu einem „selbstständigen Broterwerb“ befähigte. Die Mädchen und jungen Frauen sollten vor den mannigfaltigen Verführungen der Großstadt noch einige Zeit geschützt werden bzw. angeleitet werden diesen zu widerstehen und somit vor „sittlichen Verderben“ bewahrt werden. Für die Betreuung und für den Unterricht waren die Kaiserswerther Diakonissen verantwortlich.

Aufnahmebedingungen

Wie durch die Satzung bereits deutlich gemacht, sprach das Stift zwei Gruppen an. Zum einen war es eine Mädchenbildungsanstalt zur Ausbildung von Dienstmädchen und zum anderen eine Herberge für bereits ausgebildete Dienstmädchen, die Unterstützung bei der Erlangung einer Dienststelle benötigten. Für beide Gruppen gab es unterschiedliche
Aufnahmebedingungen. Die Schülerinnen mussten neben der Einverständniserklärung ihres Erziehungsberechtigten, ein Schulgeld von 160 Mark bezahlen, eine vorgegebene Anzahl an Kleidungs- und Wäschestücken mitbringen sowie eine Konfirmationsbescheinigung vorweisen.

Die arbeitssuchenden Dienstmädchen mussten einen guten Ruf besitzen, das Dienstbuch musste tadellos sein. Sie verpflichteten sich Aufgaben im Stiftshaus wie kochen, bügeln und Wäsche waschen zu übernehmen. Von dieser Bereitschaft war auch die Höhe der Summe, welche sie für die Aufnahme zu entrichten hatten, abhängig. Bspw. sollten Frauen, die sich nicht an der Hausarbeit beteiligen wollten 80 Pfennig bezahlen. Frauen hingegen, die solche Aufgaben übernahmen, mussten nur 20 Pfennig
bezahlen. Allen Bewohnerinnen jedoch stand es offen sich der kostenfreien, beruflichen Vermittlungstätigkeiten der Kaiserswerther Diakonissen zu bedienen.

Das Ende des Vereins

Im Zuge der Industrialisierung und der damit eingehenden neuen Arbeitsmöglichkeiten für Frauen ließen sich immer weniger junge Mädchen zu Dienstmädchen ausbilden. Ein Motiv lag darin, dass junge Frauen nicht mehr „dienen“ wollten. Sie zogen eine Beschäftigung in der Fabrik vor. Im Laufe der Jahre fiel es dem Vorstand immer schwerer neue Sponsoren zu finden sowie auch neue Schülerinnen für sich zu gewinnen, sodass sich der Verein nun der Seniorenbetreuung annahm. Dieses Tätigkeitsfeld wurde bis zur Zerstörung des Hauses im Zweiten Weltkrieg und etwas darüber hinaus beibehalten. Am 18.05.1956 verkündete der Vorsitzende des verbliebenen Kuratoriums, Alfred Vorster, dass der Verein „Martha-Stift e.V.“ aufgelöst werde. Das Restvermögen werde der evangelischen Gemeinde Köln übertragen unter der Bedingung gemeinnützige Projekte damit zu
unterstützen. Dies tat die Gemeinde Köln auch, indem sie mit dem Geld den Wiederaufbau des Clara-Elisenstiftes, welches vorher am Rothgerberbach stand, an neuer Stelle, auf dem Kartäuserwall, finanzierte.

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