Das große Fenster der Kölner Synagoge in der Roonstraße



Predigen gegen Antisemitismus

Das Katholische Stadtdekanat Köln und der Evangelische Kirchenverband Köln und Region haben die Kirchengemeinden zu Weihnachten und zum vierten Advent aufgerufen, Stellung zu beziehen gegen Judenhass und Hetze. Bei dem versuchten Anschlag auf die Synagoge von Halle mit zwei zufälligen Todesopfern am 9. Oktober – dem Tag, an dem jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger Jom Kippur feierten – wurde deutlich: der Antisemitismus war nie ganz aus Deutschland verschwunden. Er wurzelt vielmehr tief in der Mitte der Gesellschaft, wie auch jüngste Forschungen belegen.

Ökumenische Verbundenheit

Vor diesem Hintergrund haben das Katholische Stadtdekanat Köln und der Evangelische Kirchenverband Köln und Region beschlossen, ihren Gemeinden in ökumenischer Verbundenheit gemeinsame Gottesdienst- und Predigt-Impulse für den vierten Adventssonntag und die kommenden Weihnachtsfeiertage zur Verfügung zu stellen. Den beiden Kirchen setzen so von Kanzel und Ambo aus ein klares Zeichen gegen jede Form von Antisemitismus, Nazismus, Rassismus, Hetze und Nationalismus.

Gemeinsamer Brief

Stadtdechant Msgr. Robert Kleine und Stadtsuperintendent Bernhard Seiger haben mit einem gemeinsamen Brief alle Pfarrerinnen und Pfarrer, Diakoninnen und Diakonie sowie Prädikantinnen und Prädikanten eingeladen, sich in ihren Einführungen, Predigten und Fürbitten mit dem Thema auseinanderzusetzen. „Es ist für uns unerträglich, dass sich 74 Jahre nach dem Ende der Nazi-Herrschaft und der systematischen Ermordung von rund sechs Millionen Juden jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger auf unseren Straßen und Plätzen nicht sicher fühlen können und Synagogen und Gemeindehäuser von der Polizei bewacht werden müssen“, schreiben die beiden Kölner Kirchenspitzen. „Dagegen wollen wir nicht mehr nur dann unsere Stimme erheben, wenn es wieder zu einem besonders schwerwiegenden Vorfall gekommen ist.“

Erinnerung

Bewusst wird in den Texten an die jüdischen Wurzeln des christlichen Glaubens erinnert. Dazu kommt, dass das Chanukka-Fest als jüdisches Lichterfest nahezu zeitgleich mit Weihnachten – vom 23. bis 30. Dezember – gefeiert wird. „Vor dem Hintergrund des zunehmenden Antisemitismus ist uns dabei besonders wichtig, das Judentum nicht als Vorläufer des Christentums darzustellen, sondern an den niemals gekündigten Bund Gottes mit seinem ersterwählten Volk zu erinnern“, so Kleine und Seiger. Die Initiative setzt daher auch bewusst ein Zeichen der Verbundenheit und Solidarität. Aus beiden Kirchen gab es bereits vor Weihnachten Zusagen, den Impuls in den Gottesdiensten aufzugreifen.

Text: APK
Foto(s): APK