„Was Ihr hier macht, hat viel Potenzial!“



„Was Ihr hier macht, hat viel Potenzial!“

„Das ist ja eine gigantische Organisation!“, stellte der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, begeistert bei seinem Besuch der Kinderstadt Mini-Nippes in Köln fest. Stolz trug er sein Teamer-Shirt, das ihm zur Begrüßung überreicht wurde.

Rekowski besucht jeden Sommer besondere Projekte in der Rheinischen Kirche, dazu gehört selbstverständlich auch die Jugendarbeit. „Mich interessiert, welche Motivation Jugendliche haben, sich so zu engagieren“, sagte er im Gespräch mit einigen der insgesamt 40 Teamerinnen und Teamer. Zusammen mit drei Hauptverantwortlichen aus der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Nippes und der ev-angel-isch gGmbH organisieren sie das zweiwöchige Kinder-Ferienangebot auf dem Gelände der Lutherkirche.

Gemeinde stellt Gelände und Räume zur Verfügung
160 Kinder im Alter von neun bis zwölf Jahren, davon 15 aus Flüchtlingsfamilien, nehmen in diesem Jahr jeweils eine Woche an dem Riesen-Planspiel in den ersten beiden Ferienwochen teil. Dabei geht es darum, die alltäglichen Abläufe einer Stadt spielerisch zu erfahren, Verantwortung in einem Gemeinwesen zu erproben und Berufe auszuprobieren. In diesem Jahr stellte die Nippeser Kirchengemeinde ihre Kirche und das Gemeindegelände dafür zur Verfügung.

Wahl zwischen 20 Berufen
Der Ablauf ist jeden Tag derselbe: Nach dem Einchecken geht‘s in die Bürgerversammlung – dort werden die Gruppen eingeteilt. Danach wählen die Kinder im Jobcenter zwischen rund 20 Berufen und Tätigkeiten. Müllabfuhr, Radiosender oder Zeitungsredaktion sind im Angebot. Eine Smoothie-Bar, ein Juwelier und eine Nähstube, eine Bäckerei, ein Sportpark, ein Lebensmittelgeschäft und ein Baumarkt. Auch eine Seelsorgerin gab es schon. Die Kinder können jeden Tag eine andere Aufgabe übernehmen oder auch mehrmals am Tag wechseln.Teamer Felix und der Präses im Gespräch
Die Camp-Währung „Nippi“
Natürlich wird auch Geld verdient. Es gilt die Camp-Währung „Nippi“. Fünf Nippis gibt es für eine halbe Stunde Arbeit. Die können dann in der Freizeit wieder ausgeben werden – allerdings erst, nachdem ordentlich Steuern beim Finanzamt gezahlt wurden. Teamer Johannes beschreibt seine Aufgabe so: „Wir sind da, um die Kinder zu unterstützen und zu begleiten, vor allem am Anfang, wenn sie in ihre Jobs eingearbeitet werden. Dann ziehen wir uns aber langsam zurück und lassen sie gewähren.“

Wenn die Bank ausgeraubt wird
Mini-Nippes hat natürlich auch eine Bank, eine Polizei und eine Bürgermeisterin oder einen Bürgermeister. „Die Kandidaten bereiten gerade ihre Wahlkampfreden vor, denn heute Abend wird in der Bürgerversammlung der Bürgermeister für diese Woche gewählt“, erklärt Katrin Reher, Geschäftsführerin der ev-angel-isch gGmbH und eine der Hauptorganisatorinnen. Während der Versammlung können Probleme angesprochen, Anträge gestellt oder Beschwerden eingereicht werden. Gemeinsam wird demokratisch nach Lösungen gesucht – zum Beispiel, wenn die Polizei zu rabiat vorgeht, die Freizeitangebote verbessert werden müssen oder gar die Bank ausgeraubt wird.

Der Wert des Geldes
„Was bewirkt es denn für die Kinder, die eine Woche in Mini-Nippes dabei waren“, will der Präses von den Teamerinnen und Teamern wissen. Eine der Antworten: „Die Kinder besprechen das zu Hause weiter.“ Beispielsweise sei der Wert des Geldes plötzlich Thema beim Abendessen zu Hause, weil wegen übergroßer Nachfrage der Preis für das Eis in die Höhe geschnellt war.
Konzentriertes Arbeiten in der Schreinerei
„Wir lernen hier ja auch eine Menge“
Rekowski lobt das ehrenamtliche Engagement der Jugendlichen und ihren großen Zeiteinsatz. „Ihr helft dabei, dass Kinder lernen, wie so ein Gemeinwesen funktioniert.“ Er ist überzeugt, „dass das, was Ihr hier macht, viel Potenzial hat“. Dazu passt Johannes' Einschätzung: „Wir lernen hier ja auch eine Menge und machen wertvolle Erfahrungen.“

Jeder Teamer hilft jedem
Ob sie denn auch schon mal von den Teilnehmenden genervt seien, auch das fragt der Präses. Wenn er an seine Konfirmandengruppen denke, die hätten ihn manchmal ganz schön geschafft und es auch mit den von ihm aufgestellten Spielregeln nicht immer so genau genommen. Hanna, zum zweiten Mal bei Mini-Nippes dabei und Teamerin in der Bäckerei: „Wir werden an zwei Wochenenden gut geschult und lernen, als Team zusammenzuarbeiten und mit Konfliktsituationen umzugehen.“ Jeder helfe jedem. „Null Bock ist hier also selten!“, stellte Rekowski abschließend fest.

Text: Susanne Hermanns
Foto(s): Anna Sieggelkow