Susanne Beuth als Nachfolgerin von Rolf Domning eingeführt Manfred Rekowski führte die Klettenberger Pfarrerin in ihr Amt als Superintendentin des Kirchenkreises Köln-Mitte ein



Susanne Beuth als Nachfolgerin von Rolf Domning eingeführt Manfred Rekowski führte die Klettenberger Pfarrerin in ihr Amt als Superintendentin des Kirchenkreises Köln-Mitte ein

Kirchenkreis Köln-Nord: Einige Höhepunkte des Jahres 2019

Stabwechsel im Kirchenkreis Köln-Mitte.  Nach 19 Jahren als Superintendent des Kirchenkreises und elf Jahren als Stadtsuperintendent wurde Rolf Domning mit  in einem Gottesdienst in der Kartäuserkirche in den Ruhestand verabschiedet. Zur Entpflichtung des scheidenden Pfarrers war Präses Manfred Rekowski aus Düsseldorf gekommen.

Als Predigttext hatte Domning Epheser 6, 10 – 17, für seinen letzten Gottesdienst als Stadtsuperintendent ausgesucht. Darin geht es um die so genannte „geistliche Waffenrüstung“. „Manchen ist dieser Text im Grundtenor sicher zu negativ“, begann Domning. Aber der Autor des Epheserbriefes habe in einer Zeit gelebt, in der der Gebrauch von martialischen Begriffen üblich war. Und der Habitus des Verfassers sei defensiv ausgerichtet. „Angetan mit dem Panzer der Gerechtigkeit, den Helm des Heils angezogen und das Schwert des Geistes in der Hand führend, nämlich das Wort Gottes, das ist das Besondere. Und vor allem ‚beschuht an den Füßen, bereit für das Evangelium des Friedens‘.“

Domning warf einen Blick zurück auf seinen beruflichen Lebensweg, der mit einem Vikariat in Düren begann. Dazu hatte er sich bewusst entschieden, weil der dortige Superintendent und spätere Präses Peter Beier durch seinen Einsatz gegen die Stationierung von Pershing-II-Raketen von sich reden gemacht hatte. Beier hat Domning später ordiniert und in seine erste Pfarrstelle in Eschweiler eingeführt.

Im Rückblick erinnerte Domning auch an seine Zeit mit Pfarrer Hans Mörtter an der Lutherkirche in der Kölner Südstadt. Damals richteten sie ein Kirchenasyl ein, was ein Verfahren der Staatsanwaltschaft nach sich zog, das aber niedergeschlagen wurde. „Ja“, fuhr Domning fort, „das ist so ein Grundgefühl, das sich in den letzten Jahren verstärkt hat. Sich wappnen zu müssen ganz im Sinne der Beschreibung der geistlichen Waffenrüstung. Es ist schon klar, dass wir uns nicht in einen frommen Winkel zurückziehen können.

Sich einbringen in den politischen Diskurs, Position zu beziehen, das gehört auch für uns als Christinnen und Christen zu unseren Aufgaben.“ Ein Beispiel hierfür war für den Stadtsuperintendenten der Einsatz der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Köln gegen Ausgrenzung und Rassismus beim Kölner Parteitag der AfD. Domning steht inzwischen auf einer „schwarzen Liste“ von „Nürnberg 2.0“. Dort finden sich Personen, die sich, so die Sicht der Verfasser, an der „Islamisierung“ und „Umvolkung“ Deutschlands beteiligen. Hierauf sagte Domning, dass es gelte, ein klares Bekenntnis abzulegen gegen rechte Tendenzen, natürlich auch gegen Antisemitismus. „Es kommt vor allem darauf an, gemeinsam für die Sache Jesu, für Nächsten- und Feindesliebe, für eine offene Gesellschaft und freie Religionsausübung einzutreten und sich nicht beirren und nicht einschüchtern zu lassen.“

Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, nannte die Predigt Domnings einen Rückblick auf den beruflichen Lebensweg und gleichzeitig eine Zeitansage. Er würdigte seine Menschenfreundlichkeit gepaart mit rheinischer Gelassenheit. Der scheidende Stadtsuperintendent sei einer der Mitgründer der evangelischen Prots-Sitzung und habe beim Kirchentag in Köln das „Zentrum Liebe“ geleitet. Die evangelische Kirche in Köln sei bunt und vielfältig. Sie berge viele ökumenische Chancen, aber auch viele Herausforderungen. „Der Herr wird seinen Engel mit dir senden und Gnade zu deiner Reise geben“, schloss Rekowski, bevor er Domning in einer feierlichen Zeremonie entpflichtete.

Sehr herzlich war das Grußwort von Isabella Farkas von der Synagogen-Gemeinde Köln. Sie lobte Domnings Engagement gegen Antisemitismus. „Sie waren für uns immer ein treuer und verlässlicher Begleiter und haben unbequeme Auseinandersetzung nie gescheut. Wir werden Ihre Geradlinigkeit und Ihren Mut vermissen. Bleiben Sie uns bitte als Freund erhalten. Sie sind bei uns immer willkommen.“

Launig war das Grußwort von Monsignore Robert Kleine. Der Stadtdechant und Doppelkopf-Partner von Domning lobte dessen unermüdlichen Einsatz für die Ökumene und sein Engagement gegen Rechts. Kennen und schätzen gelernt haben sich die beiden kölntypisch bei der Prinzenproklamation im Jahr 2013. Eine Anekdote hatte Kleine auch parat. Bei einer Veranstaltung standen er und Domning zusammen mit Bettina Böttinger auf einer Bühne am Aachener Weiher. Kurz vor dem Auftritt stellten sie sich der Moderatorin mit ihren Amtsbezeichnungen vor. Böttinger kannte die Amtsbezeichnungen wohl nicht so gut. Sie stellte die Herren so vor: „Das ist Stadtdechant Robert Kleine, und das ist Superstadtdechant Rolf Domning.“ Gelächter in der Kartäuserkirche, ebenfalls lachend erklärte Kleine die Situation mit einem Augenzwinkern für seinen „absoluten Tiefpunkt der Ökumene“.

Superintendentin Susanne Beuth

Ökumene ist denn auch das ideale Stichwort für Susanne Beuth. Die Nachfolgerin von Domning im Amt der Superintendentin ist nämlich auch Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Köln (ACK).

Präses Manfred Rekowski führte die Klettenberger Pfarrerin in der Kartäuserkirche in ihr Leitungsamt ein. Die 59-Jährige berichtete in ihrer Predigt von ihrer ersten Bekanntschaft mit der Bibel und wie sie für sich festgestellt habe, dass man auch auch einmal nicht perfekt sein dürfe – Gott würde verzeihen.

„Menschen brauchen Orte. Menschen brauchen Kirchen“, so Beuth, die auch betonte, dass Kirche nur in der Veränderung lebendig bleiben könne. „Gott kann seine Himmelsleiter überall aufstellen, es gibt keine gottverlassenen Orte“, führte sie weiter aus und brachte dies auch in einen Zusammenhang mit den Menschen, die sich auf der Flucht befinden. „Gut, dass die Kirchen da eindeutig sind“, sagte Beuth weiter.

Anschließend thematisierte sie die wachsende Zahl der Kirchenaustritte. „Wir definieren Ziele, aber wir wissen nicht, wie es ausgehen wird,“ fuhr sie fort. Vieles sei auf den Weg gebracht, „Gott hilft uns, Gott kann seine Leiter überall aufstellen, überall kann sich der Himmel öffnen“, stellte sie fest. Der Präses eröffnete seine Ansprache mit einem Schmunzeln, denn er sprach über die manchmal nicht unproblematische Lebendigkeit des Kirchenkreises Köln-Mitte: „Ich weiß nicht, ob man es analog zu den Kindern so formulieren kann, dass ein kleiner Kirchenkreis kleine Sorgen mache und ein großer entsprechend große Sorgen“, sagte er.

„Es gibt wohl keinen pflegeleichten Kirchenkreis“, fügte er hinzu, nachdem er ausgeführt hatte, dass der Kirchenkreis Köln-Mitte zwar ein kleiner, aber doch sehr vielfältiger Kirchenkreis sei. „Ein sorgenfreies Leitungshandeln wird es nicht geben,“ so der Präses. Sorgen würden aber auch helfen, Weitsicht zu entwickeln. „Fürsorge, Vorsorge, Sorgsamkeit, das hat einen guten Klang“, betonte er.

In ihrem neuen Amt müsse sie einen „Strukturwandel gestalten, für den es keine Kopiervorlagen gibt“, sprach Rekowski weiter. Die letzte Verantwortung werde oft bei ihr liegen, doch dies sei auch eine Führungsaufgabe, die man übernehme: „Vertrauen Sie auf Gott.“ Während des Gottesdienstens führte die neue Superintendentin Miriam Haseleu in das Amt der neuen Synodalassessorin und damit stellvertretenden Superintendentin ein.

Die gebürtige Bonnerin arbeitet seit 2015 als Pfarrerin in der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Nippes. Schwerpunkt ihrer Tätigkeit ist die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Sie ist Vorstandsmitglied im Evangelischen Kindertagesstättenverband Köln-Nord. Haseleu gehörte dem Kreissynodalvorstand bislang als zweite stellvertretende Skriba an, diese Aufgabe übernimmt künftig Christoph Rollbühler, der seit 2011 Pfarrer an der Christuskirche ist. Kerstin Meyer, Lehrerin und Presbyterin der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Nippes, bekleidet nun das Amt der 1. Synodalältesten.

Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann