Henriette Reker, Elisabeth Grumfeld (von links) und Rolf Steinhäuser (rechts) bei der Weihnachtsfeier, dazwischen Mitarbeiter der Bahnhofsmission.



Weihnachten im Bahnhof – eine ökumenische Aktion aller Kirchen

„In anderen Bahnhöfen gibt es das schon lange – warum nicht in Köln?“ fragte sich Elisabeth Grumfeld vom Katholikenausschuss, als sie vor einiger Zeit auf Weihnachtsfeiern in Bahnhöfen angesprochen wurde. Natürlich soll es das auch in Köln geben und so sprach sie alle möglichen Institutionen beider Kirchen an, ob man so etwas nicht auch in Köln organisieren könnte. Ob Pfadfinder, Bahnhofsmission, Katholikenausschuss, katholische und evangelische Kirche und viele mehr, alle waren sofort dabei. „Es gab wirklich nur positive Resonanz, so dass wir heute ein schönes und passendes Programm zusammengestellt haben“, berichtete Elisabeth Grumfeld stolz. Kurzfristig hatte sich sogar in Person von Oberbürgermeisterin Henriette Reker hoher Besuch von der Stadt Köln angekündigt.

In Passage C wurde es weihnachtlich.

Ein kleines e-Piano, eine Gitarre und eine Stuhlreihe gegenüber – das war die Grundausstattung, die für die kleine Weihnachtsfeier notwendig war. „Wir wollen alle erreichen, ob Reisende, Stadtbummler oder einsame Menschen, um mit Ihnen etwas Weihnachten zu feiern“, so Elisabeth Grumfeld. Weihbischof Rolf Steinhäuser war vom Dom mal eben herüber spaziert. „Das ist jetzt genau die richtige Zeit, um die Leute zu erreichen“, freute er sich über den großen Zuspruch. Viele Mitarbeiter der Bahnhofsmission waren da, um kleinere Präsente, die ausnahmslos gespendet wurden, an die Gäste zu verteilen. Alle waren ehrenamtlich engagiert, ob Dirk Richartz an der Musik oder die Pfadfindergruppe, die sich um die Technik kümmerte. Und alle waren mit Engagement bei der Sache, so dass die weihnachtliche Stimmung schnell auch die Gäste erfasste.

Grußwort und Weihnachtslieder zum Start

Elisabeth Grumfeld begrüßte die Gäste, die unterschiedlicher nicht sein konnten. „Heute sind wir alle hier, um ein besonderes Fest zu feiern. Ich freue mich, dass so viele Leute hier gekommen sind.“ Mit „Oh du fröhliche“ wurde ein bekanntes Weihnachtslied angestimmt, aus dem Stand sangen die Gäste mit, Passanten blieben erstaunt stehen und schlossen sich gerne an. Ein Lied über das, was sich Menschen zu Weihnachten wünschen, machte nachdenklich. „Ich wünsche mir von Herzen nur Zeit“ sagten verschiedene Personen in dem Lied, egal ob ganz alt oder ganz jung. Gerade im gehetzten Bahnhofsleben schien das ein passender Wunsch zu sein.

Rolf Steinhäuser: Weihnachten ist gefürchtet und herbeigesehnt

Weihbischof Steinhäuser beleuchtete Weihnachten von verschiedenen Seiten. „Viele fürchten das Fest, viele sehnen es herbei. Bei diesem Fest werden Glück und Krankheit besonders bewusst.“ Sehr schmerzhaft sei das Weihnachtsfest für viele, die ihre Einsamkeit an diesem Tag besonders spüren. Doch Weihnachten sei auch Hoffnung, um das zu verdeutlichen, hatte er eine Weihnachtsgeschichte von Marie Luise Kaschnitz mitgebracht. Die Geschichte erzählte von einem Jungen, der nie von Weihnachten gehört hatte und seiner Mutter, die versuchte, ihrem Kind das Fest zu erklären. „Das ist so langweilig, da stehen alle um einen Baum herum und singen. Nur ist der Baum geschmückt, ganz oben ist ein leuchtender Stern.“ Sie griff in eine Schublade und gab ihrem Sohn einen leuchtenden Stern. „Den kannst du in den Müllschlucker werfen.“ Der Sohn machte das und schaute dem Stern endlos lange hinterher. So weit weg dieser auch war, „der Stern leuchtet ja immer noch“, stellte der Junge fest. Genau dieses Leuchten sah Weihbischof Steinhäuser als symbolisch für Weihnachten an. „Das Leuchten und das Kind sind Symbole der Hoffnung.“

Henriette Reker: Grußwort und Weihnachtsgeschichte

Oberbürgermeisterin Henriette Reker freute sich ganz besonders, dass diese Veranstaltung hier zustande gekommen ist. „Ich bin gerne zu Ihnen gekommen und danke für die tolle Organisation.“ Zum Weihnachtsfest wünscht sich die Oberbürgermeisterin Frieden, Mitmenschlichkeit und Gemeinsamkeit. „Wir wollen alle friedlich miteinander auskommen und miteinander leben.“ Sie betont ihre Verbindung zu beiden Kirchen: „Von Haus aus bin ich Protestantin, als ehemalige Nonnenschülerin bin ich aber auch der katholischen Kirche sehr verbunden.“ Anschließend verlas sie gefühlvoll die traditionelle Weihnachtsgeschichte – und hatte gleich ein Jobangebot in der Tasche: „Wir stellen Sie ein,“ rief ihr der lachende Weihbischof Steinhäuser spontan zu.

Worte und Lieder zu Weihnachten

Das bekannte „Äpfel Nuss und Marzipan“ ließ die Gäste mittanzen und mitsingen. Zwischen den Liedern gab es immer wieder witzige und nachdenkliche Beiträge. So listete Kirsten Scheffen von der Bahnhofsmission mögliche Durchsagen auf, so wie die eines Schaffners: „Wir haben eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte ist, alle Triebwerke sind ausgefallen, die Gute ist, wir sind kein Flugzeug.“ Heinz Meichsner Heinz sang zur Gitarre und trug sehr anschaulich „Fallala Finanzamt“ vor, die Geschichte einer armen Frau, die ein Geldgeschenk vom Christkind bekam, von dem noch die Steuer abgezogen wurde.

Nach einer kurzen Pause wiederholte sich das Programm der ersten Stunde, da nicht alle Gäste zwei Stunden verweilen konnten oder wollten. Elisabeth Grumfeld war sehr zufrieden: „Das ist eine gemeinsame Aktion aller Kirchen und aller Verbände, das werden wir wiederholen – und dann hat es ja hier in Köln sowieso schon Tradition.“ Mit einem Segen von Weihbischof Steinhäuser wurden die Gäste in den Heiligen Abend entlassen.

Text: Dr. Klemens Surmann
Foto(s): Dr. Klemens Surmann