„Macht die Augen und Ohren auf, zeigt Zivilcourage und bekennt euch zur Menschlichkeit“

„Macht die Augen und Ohren auf, zeigt Zivilcourage und bekennt euch zur Menschlichkeit“

Gedenkstunde Löwenbrunnen, 27. Januar 2021

„Macht die Augen und Ohren auf, zeigt Zivilcourage und bekennt euch zur Menschlichkeit“, ist die eindringliche Bitte Yechiel Brukners, Rabbiner der Synagogen Gemeinde Köln, in der virtuellen Gedenkstunde für die mehr als 1100 deportierten und ermordeten Kinder aus Köln, aber auch für all die anderen Menschen, die durch den Nationalsozialismus unsägliches Leid erfuhren.

Seit 1996 ist der 27. Januar gesetzlich verankert als „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“. Er erinnert an die Befreiung der Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz im Jahr 1945 und mahnt, diese Gräuel niemals zu vergessen und niemals wieder zuzulassen.

Der Löwenbrunnen auf dem Erich-Klibansky-Platz

Und so findet auch an der Kölner Kindergedenkstätte Löwenbrunnen auf dem Erich-Klibansky-Platz jeweils am 27. Januar eine Gedenkstunde statt. In diesem Jahr konnte diese Mahnung, hinzusehen und den Holocaust nicht zu vergessen, aufgrund der Pandemie nicht als Präsenzveranstaltung durchgeführt werden. Stattdessen luden die Veranstalter, die Synagogen-Gemeinde Köln, das Katholische Stadtdekanat Köln, der Evangelischer Kirchenverband Köln und Region sowie das Evangelische Schulreferat Köln in Verbindung mit dem Arbeitskreis „Lern- und Gedenkort Jawne“, nicht nur Schülerinnen und Schüler des Kölner Schiller-Gymnasiums, des Gymnasiums Thusneldastraße und des Collegium Josephinum Bonn dazu ein, Audio- und Videobeiträge zu erstellen.

Stadtsuperintendent Bernhard Seiger

Stadtsuperintendent Bernhard Seiger erinnert in diesem digitalen Gedenken an die jüdische Kultur, die auf eine 1700-jährige Geschichte zurückblickt: „Welch ein Reichtum und welch eine Tragödie, dass all das zerstört wurde.“ Es sei ein bewegender Moment gewesen, als der Sockel des Toraschreins im vergangenen Dezember wieder am ursprünglichen Ort platziert werden konnte – dem heutigen jüdischen Museum, am ehemaligen Standort der Kölner Synagoge.

Wir dürfen den Holocaust nie vergessen

Oberbürgermeisterin Henriette Reker betont, Gedenken und Erinnern seien Zeichen des Friedens. Worte, die tief betroffen machen, findet eine Schülerin der achten Klasse des Deutzer Gymnasiums Thusneldastraße. Sie verfasste ein fiktives Tagebuch eines jüdischen Mädchens und liest daraus vor. Darin der Satz: „Ich bin unnötig und hätte vernichtet werden sollen.“ Auszüge aus dem realen Tagebuch Anne Franks ergänzen die Auseinandersetzung der Gymnasiasten mit dem Thema Nationalsozialismus. Den Begriff des Gedenkens erweitern die Schülerinnen und Schüler des Collegium Josephinum in Bonn um hochaktuelle Gedanken: „Wir dürfen den Holocaust nie vergessen, Erinnern heißt aber auch, sich gegen Rassismus, Extremismus, Terror, Gewalt und Diskriminierung zu stellen.“

Lore Robinson und Rabbiner Yechiel Brukner

Lore Robinson hat den Krieg in Großbritannien überlebt. Die 1924 geborene Jüdin aus Köln wurde durch den Kindertransport des Hilfsvereins der Juden in Deutschland, durch das Engagement von Erich Klibansky, Leiter der Jawne, des jüdischen Gymnasiums in Köln, gerettet. Ihre Geschichte zeichnen Schülerinnen des Schiller-Gymnasiums nach und finden für Lore Robinson, die den Menschen in England unermüdlich von ihrer Vergangenheit erzählte, vier Adjektive: Optimistisch, entschlossen, dankbar und mutig.

Die virtuelle Gedenkstunde endet mit der Bitte von Rabbiner Yechiel Brukner, sich dem gerade wieder etablierenden Antisemitismus mit wachen Sinnen entgegenzustellen und dem Gebet, in dem Stadtdechant Monsignore Robert Kleine daran erinnert, dass Gottes Name „Leben und Frieden für alle Menschen“ bedeutet.

 

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