„Viele freuen sich, wenn sie von uns gesehen werden“ – 17. April 2021, Tag der Bahnhofsmission
Michael Hoffmann mit Janika Lücker beim "Ausgehenden Dienst XXL" am Kölner Hauptbahnhof

„Viele freuen sich, wenn sie von uns gesehen werden“ – 17. April 2021, Tag der Bahnhofsmission

Wer im Kölner Hauptbahnhof Hilfe braucht, findet in den Räumen der Bahnhofsmission immer ein offenes Ohr, Information und Beratung, nicht nur heute am 17. April 2021, dem bundesweiten Tag der Bahnhofsmission. Aber nicht alle finden den Weg in die etwas abgelegenen Räume auf Gleis 1E. Darum gibt es seit einem halben Jahr den „Ausgehenden Dienst XXL“.

Ein Licht für dich

Bei dem Pilotprojekt der Bahnhofsmission Köln laufen zwei Ehrenamtliche in ihren leuchtend blauen Westen durch den Bahnhof, über den Bahnhofsvorplatz und den Breslauer Platz. Hier treffen sie auf Menschen, die Fragen stellen, und sprechen diejenigen an, die in sich versunken dasitzen. „Die meisten Passanten machen ja einen großen Bogen drumherum, aber viele freuen sich, wenn sie von uns gesehen und freundlich angesprochen werden“, sagt Michael Hoffmann. Er ist einer von etwa 20 Ehrenamtlichen im Team des Ausgehenden Dienstes. In einem ausrangierten ICE-Getränkewagen transportiert er Infomaterial, Desinfektionstücher, Masken und kleine Kerzen mit der Aufschrift „Ein Licht für Dich“.

„Ihr wisst gar nicht, was das für Leute bedeutet, die kein zu Hause haben.“

Über die Kerze und eine FFP-2-Maske freut sich eine Frau, die schon seit einigen Jahren in Köln auf der Straße lebt: „Ihr macht so gute Arbeit, auch da oben auf Gleis 1, und Ihr wisst gar nicht, was das für Leute bedeutet, die kein zu Hause haben,“ bedankt sie sich bei Janika Lücker. Die ehrenamtliche Mitarbeiterin bildet heute das Zweier-Team des Ausgehenden Dienstes mit Michael Hoffmann. „Was wir hier machen, macht Sinn und Freude und die Leute nehmen das an, das tut uns auf jeden Fall auch gut“, so Lücker. Wie alle Ehrenamtlichen beteiligen sich Lücker und Hoffmann auch an den Diensten in den Räumen der Bahnhofsmission auf Gleis 1. Insgesamt sind es etwa 80 ehrenamtlich Engagierte zwischen 18 und 80 Jahren und vier hauptamtlich Mitarbeitende, die sich bei den Öffnungszeiten jeden Tag von 9 bis 17 Uhr abwechseln. Sie sind ansprechbar, nicht nur für Menschen, die auf der Straße leben, sondern auch für Reisende, die Hilfe brauchen oder sich einfach mal ausruhen möchten.

Auf Herausforderungen werden die Ehrenamtlichen in Fortbildungskursen vorbereitet

Wegen der Abstands- und Hygienevorschriften dürfen sich derzeit nur 4 Gäste gleichzeitig an einzelnen Tischen in der Bahnhofsmission aufhalten. Hält sich jemand nicht an die Regeln, muss er gehen. „Einige leben schon so lange auf der Straße, die können sich an keine Regeln mehr halten“, musste Hoffmann schon einige Male feststellen. Für solche Herausforderungen werden die Ehrenamtlichen in Fortbildungskursen geschult, das hilft auch bei konfliktreichen Situationen im Ausgehenden Dienst. Allerdings sieht Janika Lücker hier einen deutlichen Vorteil gegenüber den Räumlichkeiten auf Gleis 1: „Wir haben hier rund um den Bahnhof so viel Platz und können ja jederzeit ausweichen aus der Situation.“ Wenn jemand aggressiv reagiert, zum Beispiel weil er unter Drogeneinfluss steht, „dann entscheidet man auch lieber mal auf Rückzug und verabschiedet sich aus der Situation, die Freiheit hat man ja eigentlich Gott sei Dank hier draußen.“

Die Bahnhofsmission ist auch im Lockdown jeden Tag geöffnet

Falls jemand weiterführende Hilfe braucht, verweisen die Teams des Ausgehenden Dienstes auf die Bahnhofsmission auf Gleis 1, aber auch auf die diakonische Überlebensstation Gulliver hinter dem Bahnhof oder auf den Drogenkonsumraum des Sozialdienstes Katholischer Männer. Die Bahnhofsmission auf Gleis 1E im Kölner Hauptbahnhof ist auch im Lockdown an jedem Tag von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Sie wird ökumenisch getragen vom Diakonischen Werk Köln und Region und dem Katholischen Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit IN VIA. Weitere Informationen: www.bahnhofsmission-koeln.de

 

Text: Martina Schönhals
Foto(s): Martina Schönhals