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Dorothee Schaper (M.) hatte die Organisation der Party zusammen mit den Studienleiterinnen Lea Braun (l.) und Lena Felde (r.) übernommen. 

Musik, Kunst und Infos im „ZWISCHEN.ZEIT.RAUM“: Kreativität in der MAK

Pfarrerin und MAK-Studienleiterin Dorothee Schaper erinnerte daran, wie alles begann. Es begab sich im Jahr 2012, als die Melanchthon-Akademie 50 Jahre alt wurde. „Damals haben wir uns gefragt: Wie inklusiv sind wir eigentlich?“ Bei der Suche nach Antworten wurde schnell deutlich, dass ein Aufzug her müsse, damit Gehbeeinträchtigte auch die oberen Geschosse erreichen könnten. „Der Aufzug war mit 300.000 Euro zu teuer.“ Man habe weiter überlegt, das Projekt sei gewachsen, erstmal vor allem in den Köpfen und dann auf dem Papier. Ende vergangenen Jahres hat die Verbandsvertretung ohne Gegenstimme den Campus Kartause beschlossen. Und damit den Abriss des Gebäudes am Kartäuserwall, in dem neben der Melanchthon-Akademie die Evangelische Familienbildungsstätte, das Evangelische Jugendreferat, das Schulreferat und das Pfarramt für Berufskollegs untergebracht waren. Alle Institutionen haben Interims-Standort gefunden.

Die Akademie hatte nun zur Abschiedsfeier eingeladen. Das Motto lautete „ZWISCHEN.ZEIT.RAUM“. „Die archäologische Erschließung des Geländes hat begonnen, die Bäume im Garten sind schon und werden noch gefällt, der Umzug der Melanchthon-Akademie ins Interim ist vollzogen, die Übergangs- und Bauzeit ist eingeleitet“, fasste Schaper zusammen. Sie hatte die Organisation zusammen mit den Studienleiterinnen Lea Braun und Lena Felde übernommen. „Ein Raum im Dazwischen entsteht. Mit den Gästen verwandelt sich das leere Gebäude in einen Erkundungsraum, eine temporäre Kultur- und Begegnungszone zwischen Zeiten und Welten, zwischen Himmel und Erde. Menschen im Umfeld von Flucht und Migration, Kulturschaffende aus dem Akademieumfeld, Dozierende und Studienleitende der Akademie werden das Haus auf ihre jeweils eigene Art beleben und bespielen.“

Lea Braun erklärte: „Wir wollen das Fragile beatmen.“ Die Details habe man erst kurz vor Vorbereitungsschluss festlegen können. „Wir haben vor vier Minuten noch geplant“, sagte Braun. Immer mehr kreative Menschen hätten sich für die Teilnahme angemeldet. „Was nehmen wir mit? Was bleibt hier?“ Man wolle offene Räume schaffen. „Hoffentlich haben Sie einen Filzstift dabei. Dann können Sie sich auf einer der Wände verewigen. Auf Zeit.“ Dorothee Schaper interpretierte die Zwischenräume bei der Eröffnung wörtlich: „Wir stehen hier im Foyer genau zwischen dem ehemaligen Jugendpfarramt und der Melanchthon-Akademie. Zwischen dem Haus der Evangelischen Kirche und unserem Interim am Sachsenring.“ Die Studienleitern stand auf der Treppe zur ersten Etage und wie auf das Glasbild in ihrem Rücken und erinnerte an die „großartigen Frauen in den 60er Jahren“. Das Bild stammt wie andere in der Akademie von Elfriede Fulda. „Es trägt den Titel ,Nachdenken über die Zukunft‘. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Kunst jener Jahre nicht hoch genug wertgeschätzt wird“, sagte Schaper. Stadtsuperintendent Bernhard Seiger schätzt Elfriede Fulda sehr wohl: „Wir haben da einen großen Kunstschatz. Die Glasbilder werden fachmännisch ausgebaut und eingelagert. Wir werden sie im Campus Kartause wiederfinden. Wo, ist noch nicht klar. Vielleicht im Souterrain und hinterleuchtet zum Empfang der Gäste.“

Werke für „Dazwischen“ im wahrsten Sinne des Wortes

Und dann konnte es losgehen. Das Angebot reichte von Musikperformances über Info-Angebote bis hin zu zahlreichen Kunstausstellungen – von Aquarellen bis zu Graffitis. Du Pham war mit einem Graffiti vertreten. „Ich bin im Mail-Verteiler der Kölner Freiwilligen Agentur. Die hat auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht. Ich habe mich beworben, und jetzt bin ich hier.“ Mit einem Werk, das schon in wenigen Tagen für immer zerstört sein wird. Ein Werk für „dazwischen“ im wahrsten Sinne des Wortes. Geflüchtete standen in zahlreichen ehemaligen Büros und anderen Räumen im Mittelpunkt. Die Initiativen Sea Eye und Sea Watch informierten über ihre Rettungsaktionen auf dem Mittelmeer. Asyl in der Kirche gab Auskunft über ihre Arbeit und Susanne Rabe-Rahman und Claus-Ulrich Prölß berichteten über ihr Engagement für Geflüchtete. Beeindruckende Blumenbilder zeigt Irmgard Esch. Und immer wieder Musik. Und wenn Stille herrschte, sangen die Gäste im Treppenhaus einfach mal einen Kanon. Da wurde dann nach Antworten auf die Frage gesucht, wo die Blumen sind.

Ein durch und durch positives Fazit zogen die Organisatorinnen Lea Braun, Dorothee Schaper und Lena Felde: „Wir sind voll Freude über die riesige Resonanz von so viel unterschiedlichen Gruppen und Menschen, sowohl auf der mitmachende als auch auf der besuchenden Seite. So viele Menschengeschichten, die sowohl gestern als auch heute im Dazwischen zutage traten, ins Haus eingetragen und auch herausgetragen wurden. Großes Interesse, große Freude im Abschiedsschmerz. Unterschiedlichste Menschen sind sich begegnet. Unsere großen Themenbereiche Kultur, Kunst, Musik, Politik, Theologie, Spiritualität, Persönlichkeitsentwicklung, Nachhaltigkeit und die interessierten Menschen von überall her haben sich für 48 Stunden in unserem Zwischen.Zeit.Raum getroffen und haben im Dazwischen gelauscht, dem was war und dem was kommt und vor allem dem, was gerade ist. Das Haus wird gehen, aber die Erkenntnisse, Geschichten und Begegnungen werden bleiben.“

Haben auch Sie Verbindungen, Geschichten und Kommentare zum Haus am Kartäuserwall?  Senden Sie sie gerne an zwischenraum@melanchthon-akademie.de.

Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann