Geschäftsführer der Antoniter Siedlungsgesellschaft mbH Guido Stephan



„Alle ziehen mit und geben wirklich ihr Bestes!“ – Geschäftsführer Guido Stephan, Antoniter Siedlungsgesellschaft

Guido Stephan ist Geschäftsführer der Antoniter Siedlungsgesellschaft mbH (ASG) im Evangelischen Kirchenverband Köln und Region. Die Gesellschaft ist zu 100 % in evangelischer Trägerschaft und verfügt über mehr als 1.700 Wohnungen in Köln und Umgebung. Unter den Wohnungen gibt es über 700 ausgewiesene Seniorenwohnungen, vier Demenz-Wohngemeinschaften sowie Wohngruppen für ehemals obdachlose Menschen, für Menschen mit Behinderung oder aus schwierigen Verhältnissen, für Mutter-Kind-Gruppen sowie für Frauen mit häuslicher Gewalterfahrung.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ASG- Sozialmanagements (SoMa) bieten den Mieterinnen und Mietern in den Seniorenhäusern individuelle Unterstützung in allen Lebenslagen und sorgen durch vielfältige Gruppenaktivitäten im Quartier für soziale Einbindung, Gesundheit, Spaß, Wohlfühlatmosphäre und nicht zuletzt für ein selbstbestimmtes und selbständiges Leben in der eigenen Wohnung mit möglichst hoher Lebensqualität.

Herr Stephan, wie gehen Sie mit der derzeitigen Situation um und was hat sich bei der ASG durch das Corona-Virus verändert?

Wir haben uns schon frühzeitig mit veränderten Arbeitsabläufen in unserem Unternehmen auseinandergesetzt. Dazu haben wir einen Krisenstab gebildet, dem die Geschäftsführung sowie Teamleiterinnen und Teamleiter aus allen Abteilungen der ASG angehören. Der Krisenstab trifft sich regelmäßig zur Beratung der Lage und trifft unter Berücksichtigung der jeweils aktuellen Entwicklung in der Covid-19-Krise verschiedene Maßnahmen. In erster Linie steht dabei der Schutz unserer Mitarbeitenden und ebenso die Sicherheit unserer Mieterinnen und Mieter.

Ein Großteil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kann von Zuhause aus in Heimarbeit arbeiten. Die technischen Voraussetzungen dafür wurden bereits in den ersten Wochen logistisch schnell geschaffen. Die Geschäftsstelle wurde so besetzt, dass maximal eine Person pro Büroraum anwesend ist. Die Arbeitsfähigkeit ist somit also gegeben.

Sprechstunden für unsere Mieterinnen und Mieter wurden ebenso wie sämtliche Besprechungen mit Dienstleistenden, Kunden oder Geschäftspartnern bis auf Weiteres abgesagt. Vieles kann telefonisch erledigt werden. Wir gewährleisten eine gute Erreichbarkeit – telefonisch und per E-Mail.

Atmosphärisch erlebe ich unter den Kolleginnen und Kollegen sowie Mitarbeitenden seit Beginn der Krise ein gutes Miteinander und ein großes Engagement, den „Laden am Laufen zu halten“. Wir verzeichnen mehr krankheitsbedingte Ausfälle. Das führen wir vor allem auf die Aufforderung der Geschäftsführung nach einer erhöhten Vorsicht zurück.

Bieten Sie als Teil der evangelischen Immobilienwirtschaft besondere Unterstützung für andere?

Wir haben in unserem Unternehmen ein Sozialmanagement (SoMa), welches sich in besonderer Weise um die Mieterinnen und Mieter unserer rund 700 Seniorenwohnungen kümmert. Unser Team steht den Seniorinnen und Senioren für jegliche Fragen zur Verfügung – seien es Hilfen bei behördlichen oder anderen fristgebundenen Angelegenheiten oder beim Einkauf. Über Ehrenamtliche wurde ein Einkaufsservice organisiert. In Notfällen kauft das SoMa-Team auch selbst für ältere Menschen ein.

Noch bevor die gesetzliche Regelung betreffend der Mietstundung erlassen wurde, hatten wir bereits Überlegungen angestellt, unseren Mietern, die durch die Corona-Pandemie in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind, grundsätzlich Stundungen ihrer Miete anzubieten. Nachdem der deutsche Bundestag das Gesetz verabschiedet hat, wonach Mietern für den Zeitraum vom 1. April bis 30. Juni 2020 nicht wegen ausgefallener Mietzahlungen aufgrund der Covid-19-Pandemie gekündigt werden kann, werden wir, sofern der Mieter seine Ratenzahlungsvereinbarungen einhält, auf eine Verzinsung der Stundung verzichten.

Haben Sie als ASG besondere Unterstützung durch andere erfahren? Können Sie der Krise etwas Positives abgewinnen?

Unterstützt werden wir durch die zahlreichen Informationen, die wir insbesondere von allen Verbänden, denen wir angehören, erhalten. Da diese auf das Thema Immobilien und Wohnen fokussiert sind, können wir gut die für uns und unsere Mieterinnen und Mieter, bzw. Kundinnen und Kunden und Dienstleistenden wichtigen Aussagen herausfiltern. Diese veröffentlichen wir auf unserer Website www.antoniter.koeln, aber auch durch Aushänge in den Treppenhäusern. Die Mitarbeitenden werden regelmäßig durch Informations-E-Mails der Geschäftsführung auf den neusten Stand gebracht.

Positiv ist die Erfahrung, dass wir dadurch, dass viele Mitarbeitende im Homeoffice arbeiten können, die Möglichkeit haben, den Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten. Für diejenigen, die ihre Arbeit vor Ort in unserer Geschäftsstelle in der Kölner Südstadt verrichten, ist derzeit die Verkehrssituation erheblich entspannter – das ist ungewöhnlich, aber positiv in einer Großstadt wie Köln.

Wie sehen die derzeitigen Arbeitsbedingungen aus und worauf stellen Sie sich in den kommenden Wochen ein?

Wir haben die Arbeitsbedingungen für unsere Mitarbeitenden bereits seit Mitte März umgestellt. Nur das notwendige Personal ist im Haus. Wer im Homeoffice arbeiten kann, der soll dies tun – in Teams, wo es sich anbietet oder erforderlich ist, soll dies im Wechsel mit den jeweiligen Kolleginnen und Kollegen geschehen. Pro Büro ist nur eine Person anwesend. Wir achten auf die Einhaltung der Abstandsregeln. In Gemeinschaftsräumen, wie zum Beispiel der Küche, soll sich nicht mehr als eine Person aufhalten usw. Teamevents, wie unser jährlicher Betriebsausflug, wurden abgesagt. Das ist schade, denn gerade sie fördern ein gutes Miteinander und Teamgeist.

Wir sind darauf eingestellt, dass wir in den nächsten Wochen weiterhin mit verminderter Personalzahl in der Geschäftsstelle arbeiten und überwiegend über Heimarbeit den Geschäftsbetrieb aufrechterhalten.

Was geben Sie anderen Akteuren in der evangelischen Immobilienwirtschaft mit auf den Weg?

Gelassen bleiben! Kein übertriebener Aktionismus! Am wichtigsten ist es im Moment, das Nötigste zu tun, um Mitarbeitende sowie Mieterinnen und Mieter zu schützen und gegebenenfalls zu unterstützen. Wir müssen alles daran legen, dass jede und jeder sein Dach über dem Kopf behält, dass Ängste genommen werden und geholfen wird, wo Bedarf ist. In Zeiten wie diesen ist ein hohes Maß an Verantwortung und Solidarität gefragt – nicht nur für unser Unternehmen sondern vor allem für unsere Mitmenschen. Das ist jetzt vorrangig vor allem anderen!

Text: Susanne Hermanns/APK
Foto(s): Susanne Hermanns