„Gott gab uns einen Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit“
Kreissynode Zuhause

„Gott gab uns einen Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit“

Nachrichten von der Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Mitte

Es ist alles anders in diesem Jahr der Corona-Pandemie. So konnten sich die Mitglieder der Kreissynode des Kirchenkreis Köln-Mitte in diesem Herbst nicht auf einer Präsenzveranstaltung austauschen, sondern nutzten das Medium einer Zoom-Videokonferenz. „Das Corona-Virus hat unsere Welt verändert. Mit Kraft, Liebe und Besonnenheit werden wir aber auch diese ungewohnte Situation meistern“, stellte denn auch Superintendentin Susanne Beuth, seit 1992 Pfarrerin in Köln-Klettenberg, in ihrem Jahresbericht fest. 59 von insgesamt 69 Synodalen aus den sechs zugehörigen Kirchengemeinden beteiligten sich an der digitalen Zusammenkunft.

Andacht

Pfarrerin Mareike Maeggi

Doch zunächst begann die Kreissynode auf vertrautem Weg – mit einer Andacht, bei der die Synodalen zwar „über die Stadt verstreut, doch geeint in ihrem Wunsch, Kirche mit Leben zu füllen“, seien. So Pfarrerin Mareike Maeggi, seit Februar 2020 Pfarrerin in Klettenberg, die die Gestaltung der Zoom-Andacht übernommen hatte. Sie hatte sich in das Tersteegenhaus begeben, um daran zu erinnern, dass Kirche ein Raum ist, in dem es Platz für Menschen gibt, dass niemand das Leid der Geflüchteten an den Grenzen Europas ausblenden dürfe. Gerade die aktuelle Situation der Corona-Pandemie mache es noch notwendiger hinzusehen, neue Ideen zu entwickeln, um den Menschen zu helfen und kreativ zu denken. „Wir haben Platz und sollten noch mehr Platz schaffen für Geflüchtete, denn als Christen sind wir aufgefordert zu den Menschen hinzugehen“, mahnte die Pfarrerin. Seelsorge und „social closeness“ seien jetzt gefragt, betonte sie, bevor Kirchenmusiker Thomas Frerichs, digital zugeschaltet aus der Südstadt, dazu passend eine wunderbare Version von Michael Jacksons „We Are The World“ spielte. Nach den Fürbitten mit der Chatfunktion  bat Pfarrerin Mareike Maeggi um Spenden für die Seenotrettungsorganisation Sea-Watch, die ja schon länger durch Kirchenkreis und Gemeinden unterstützt wird.

Grußwort der Landeskirche

Oberkirchenrat Bernd Baucks

Bernd Baucks, Oberkirchenrat der Evangelischen Kirche im Rheinland, lobte als Gast der „virtuellen Kartause“, der Kirchenkreis Köln-Mitte sei dabei sich mit Leuchtturmprojekten gut und weithin sichtbar für die Zukunft zu positionieren. „Kirche muss mitten im Leben stehen, nicht festgewachsen sein in Traditionen. Bei unserer Visitation waren die Mitglieder der Kirchenleitung beeindruckt von der Arbeit im Kirchenkreis Köln-Mitte“, machte er Mut, auch im Hinblick auf sinkende Mitgliederzahlen, kreativ zu denken und dem Abwärtstrend konstruktiv zu begegnen.

In seinem Grußwort gedachte der Oberkirchenrat zudem der, am 11. Oktober 2020 verstorbenen, ehemaligen Synodalältesten Marlis Bredehorst. „Sie war souverän und klar im Auftreten. Sie hat die Geschlechtergerechtigkeit und Vielfalt innerhalb der Kirche vorangetrieben. Eine Aufgabe, die nun wir fortführen müssen.“ Pfarrerin Dorothee Schaper, Frauenreferentin im Evangelischen Kirchenverband Köln und Region, erinnert anschließend an Marlis Bredehorst mit einem Gedicht von Dorothee Sölle „Gegen den Tod“.

Bericht der Superintendentin

Superintendentin Susanne Beuth

Kreativ und konstruktiv – das sind Stichworte, die auch den Jahresbericht von Superintendentin Susanne Beuth kennzeichneten. „Social distancing wurde im ersten Lockdown als Form der Nächstenliebe praktiziert.“ Die Menschen in den Gemeinden hätten mit bewundernswertem Engagement Kirche neugestaltet. Es wurden Gottesdienste online gefeiert, Talkrunden digital umgesetzt, Podcasts auf den Weg gebracht und zugleich Predigten an Wäscheleinen aufgehängt, mit dem „Segen to go“ Freude geschenkt und wieder telefoniert und Briefe geschrieben, um möglichst niemanden allein zu lassen. „In diesem zweiten Lockdown, jetzt im November, haben wir alle aus unseren Fehlern gelernt. Präsenzgottesdienste mit Hygienekonzepten dürfen wieder Kraftquellen für Menschen sein. Gerade entwickeln wir Konzepte für Weihnachten.“ Ein anstrengendes Jahr sei 2020, hob sie hervor, umso mehr gebühre allen ehren- und hauptamtlich Tätigen in den Gemeinden und übergemeindlichen Arbeitsfeldern ihr Dank.

Immerhin könne man in Anbetracht von Corona-Sorgen, Rassismus, Antisemitismus, den Aufrufen zu Gewalt, die mit der Wahl in den USA einhergingen, dem Klimawandel und Nachrichten von Naturkatastrophen manchmal, Kraft, Liebe und Besonnenheit nicht mehr spüren. „Das kann wahrhaft ängstlich und mutlos machen, doch hoffentlich nie so sehr, dass niemand mehr da ist, der uns tröstet.“

Im Zuge einer Video-Synode im Sommer tauschten sich die Synodalen auch zum Thema Diakonie aus. „Die gute Vernetzung von Gemeinden, Diakonie und Kirche ist ein wichtiger Baustein, um unseren Auftrag für die Menschen zu erfüllen“, blickte die Superintendentin auf die Sommersynode zurück. In diesem Jahr habe sich die Struktur des Diakonischen Werkes Köln und Region verändert, um schneller auf Herausforderungen reagieren zu können. Auch die kirchlichen Strukturen selbst seien derzeit im Wandel, führte sie aus, denn sie würden oft als kompliziert wahrgenommen, dabei „sollen Strukturen nicht Kräfte binden, sondern ihnen dienlich sein“. Kirche weniger amtlich, stattdessen offen und lebendig zu präsentieren, sei das Ziel.

Dazu passte ihr Bericht von der Feierstunde zur Verleihung der Pfarrer-Georg-Fritze-Gedächtnisgabe an den Angermünder Religionslehrer Wolfgang Rall in Brandenburg. Wolfgang Rall wirkt dort als evangelischer Religionslehrer an einem Gymnasium mit seinen Schülern aktiv und kreativ rechten Strömungen entgegen und setzt sich seit Jahren im „Bürgerbündnis für eine gewaltfreie, tolerante und weltoffene Stadt“ ein.

Hier können Sie den vollständigen Bericht der Superintendentin 2020 lesen.

#HimmelAufKoeln und Homepage

Wie die Zukunft der Kirche bis 2030 aussehen könnte, erläuterte Pfarrerin Miriam Haseleu im weiteren Verlauf der Kreissynode. Dabei stellte sie als Mitglied der vor zwei Jahren gegründeten Projektgruppe den neuen Hashtag „#HimmelAufKoeln“ vor. #HimmelAufKoeln zeigt evangelische Kirche da, wo sie vernetzt, bunt, divers, digital, politsch und nachhaltig ist. Haseleu lud die Synodalen zu Teamarbeit ein und dabei Dinge auszuprobieren, sich flexibel und digital aufzustellen, um sichtbar und zeitgemäß als Kirche nach außen hin zu strahlen.

Videoclip: #HimmelAufKoeln

Zur zeitgemäßen Ausstrahlung des Kirchenkreises gehört auch das neue Gesicht der Homepage, die sich zusammen mit den Homepages der Kirchenkreise Köln-Nord und Köln-Süd äußerlich der des Kirchenverbandes angenähert hat und, sobald sie freigeschaltet ist, unter anderem auch auf Smartphones und Tablets ohne Einbußen der Lesequalität funktionieren wird, wie Andy Ebels vom Amt für Presse und Kommunikation des Kirchenverbandes den Synodalen bei ihrer Sitzung erläuterte.

Schutzkonzept

Jugendreferentin Nina Paganotto mit dem Schutzkonzept-Flyer

Das Interventionsteams des Kirchenkreises erarbeitete zu dem im Juni 2019 von der Synode beschlossenen Schutzkonzept gegen sexualisierte Gewalt einen Flyer, der die wichtigsten Bausteine des Konzepts in die Breite der Gemeinden bringen soll. Vorgestellt wurde dieser Flyer durch Jugendreferentin Nina Paganotto. Im Flyer werden als Vertrauenspersonen Pfarrerin Miriam Haseleu und Pfarrer Markus Herzberg benannt. „Sie sind die Ansprechpartner für Kinder und Jugendliche, die sexualisierte Gewalt erfahren, und für alle, die bei Beobachtungen oder Anzeichen Unterstützung brauchen. Sie hören zu und können weitere Hilfe vermitteln“, erläuterte sie. Im Flyer heißt es: Sexualität ist eine gute Gabe Gottes. Sie zu würdigen bedeutet im Kirchenkreis Köln-Mitte, im besonderen Maße dafür Sorge zu tragen, dass junge Menschen ihre Sexualität als eine einmalige, positive Lebenskraft erkennen und auch in dieser Hinsicht selbstbestimmt und geschützt leben können.“ Bei der Erstellung des Flyers und der Erarbeitung des Themas wurde das Team unterstützt von Sexualpädagogin Anja Franke vom Koblenzer Institut für Sexualpädagogik. Sie hob in ihrem Kurzvortrag auf der Kreissynode klar hervor, dass Jugendliche ein Recht auf sexuelle Bildung haben, denn: „Nur wer Bescheid weiß, kann auch Bescheid sagen.“ Die Balance zwischen Nähe und Distanz, zwischen Schutz und Selbstbestimmung bei der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im Gemeindeleben zu finden, sei nicht immer leicht, räumte sie ein. Die Frage „Was braucht der Jugendliche jetzt gerade an Nähe oder Distanz?“ könne hier helfen.

CASM

Pfarrerin Dr. Anna Quaas

Ein aktuell ergänzter Tagesordnungspunkt betraf den Partnerschaftsausschuss Comisión de Acción Social Menonita (CASM), um den die Leiterin des Ausschusses, Pfarrerin Dr. Anna Quaas, gebeten hatte. So berichtete sie: „Am 4. November fegte der Hurrikan Eta über Honduras hinweg. Mitglieder unserer Partnerorganisation CASM und die Frauen von Visitatión Padilla haben uns von verheerenden Schäden geschrieben. Es ist dringend Soforthilfe geboten.“ Ihr Antrag auf eine Zuwendung in Höhe von 5.000 Euro wurde anschließend einstimmig angenommen. Zudem will die Synode einen Appell an die Bundesregierung richten, um mit Hilfe von THW oder NGO-Organisationen vor Ort umgehend Rettungsmaßnahmen einzuleiten.

Personalien

Synodalassessorin Miriam Haseleu

Ebenfalls jeweils einstimmig erfolgten die Wahlen zum Kreissynodalvorstand. Wiedergewählt wurden Pfarrerin Miriam Haseleu (Nippes) als Assessorin, Pfarrer Thomas vom Scheidt (Verbandspfarrer) als 1. und Pfarrer Christoph Rollbühler (Köln) als 2. stellvertretender Skriba. Auch die Synodalältesten Andreas Wener (Lindenthal), Bernd Margraf (Deutz/Poll), sowie Eva Hoffman von Zedlitz (Köln) als stellvertretende 3. Synodalälteste wurden wiedergewählt.2. Synodalälteste ist nach dem Rücktritt von Eva Bukow nun bis 2024 Kerstin Meyer (Nippes). Zwei Stellvertretungspositionen konnten vorerst nicht besetzt werden.

Die Synodalbeauftragten wurden en bloc einstimmig gewählt, ebenso einstimmig war das Votum für die jeweiligen Vorsitzenden der Ausschüsse.

Finanzen

Finanzkirchmeister Joachim Morawietz

Da die Mitglieder der Kreissynode 2019 einen Doppelhaushalt beschlossen hatten, gilt der aktuelle Haushalt bis 2021, wie Finanzkirchmeister Joachim Morawietz ausführte. Er erläuterte die Jahresrechnung 2019 mit Aufwendungen und Erträgen des Kirchenkreises Mitte. Das Jahresergebnis von -18107 Euro ergab sich im Wesentlichen aus großen Instandhaltungsaufwendungen am Worringer Bahnhof, die aus Rücklagen entnommen werden konnten, so dass das Bilanzergebnis mit 33.488 Euro positiv ausfiel.

Als Termine für die Frühjahrs- und die Herbstsynode des Kirchenkreises Köln-Mitte stehen Freitag, 11. Juni 2021, und Samstag, 13. November, fest.


Stichwort: Kirchenkreis Köln-Mitte

Der Evangelische Kirchenkreis Köln-Mitte setzt sich aus den sechs Gemeinden Köln, Riehl, Nippes, Lindenthal, Klettenberg und Deutz/Poll zusammen. In seinen Gemeinden leben etwa 45.300 Gemeindeglieder. Das „Parlament“ des Kirchenkreises, das aus derzeit 69 Synodalen besteht, ist die Kreissynode. Geleitet wird der Kirchenkreis Köln-Mitte von Superintendentin Susanne Beuth, gemeinsam mit dem Kreissynodalvorstand.

Text: Katja Pohl
Foto(s): Katja Pohl/APK