„WiederSprechen“: Diskussion über die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie
Knapp 40 Menschen haben sich beim Diskussionsabend „Bedroht - Wirtschaft, Gastgewerbe und Handel ziehen Bilanz“ von "WiederSprechen" zugeschaltet.

„WiederSprechen“: Diskussion über die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie

Drohende Pleiten, Überschuldung, Arbeitslosigkeit – bei der Veranstaltungsreihe „WiederSprechen“ kommen nicht nur Experten, sondern auch die Gäste zu Wort. Joachim Ziefle, stellvertretender Leiter der Melanchthon-Akademie, heißt Anfang Mai knapp 40 Menschen zum Diskussionsabend „Bedroht – Wirtschaft, Gastgewerbe und Handel ziehen Bilanz“ willkommen: „Heute ist der zweite Abend unserer Reihe ,WiederSprechen‘.“ Moderator und Initiator Arnd Henze verweist wieder auf die offenen Fenster, auf die Abstände der Sprecher untereinander – und erneut haben alle Experten auf der Bühne Corona-Tests gemacht. Die Pandemie als Kommunikationskiller: „Wenn wir nicht darüber sprechen, entsteht ein Vakuum“, sagt Henze. „Und man kann anders darüber reden, als dass man in Demokratiefeindlichkeit verfällt.“

Die Perspektive fehlt

Restaurants geschlossen, Geschäfte dicht, Home-Office, Kurzarbeit: „Handelskümmerer“ Hans-Günter Grawe von Veedellieben e.V. und vom Verbund der Kölner Interessengemeinschaften berichtet: „Dem Handwerk geht es einigermaßen gut. Im Handel sind allerdings zwei Drittel von Existenzängsten bedroht, weil sie auch keine Perspektive sehen, oder wenn Überbrückungshilfen nichts so fließen, wie sie fließen sollten.“

Die Pandemie trifft nicht nur die Kleinen, sondern auch die Großen

Andreas Hupke, Bezirksbürgermeister Innenstadt, ergänzt: „Ich wohne seit 47 Jahren in der Innenstadt von Köln. Aber wenn ich jetzt durch die Innenstadt fahre, ist das sehr bewegend und es geht mir nah.“ Die leeren Straßen und die Stimmung schlagen ihm auf das Gemüt. „Die Pandemie trifft nicht nur die Kleinen, sondern auch die Großen. Hoffentlich wird es durch das Impfen und durch ein verändertes Verhalten der Menschen besser, so dass die Gäste wiederkommen. Den Menschen geht es nach anderthalb Jahren Lockdown seelisch immer näher.“ Er sei 1950 geboren und habe „so einige Krisen durchgemacht, aber wir müssen aufpassen, dass unsere Gesellschaft nun nicht auseinanderfließt.“

Und auch Dr. Ulrich Soénius, Geschäftsführer IHK Köln, Geschäftsbereich Standortpolitik, bestätigt: „Es geht einigen großen Unternehmen ebenfalls nicht gut.“ Eine Ellenbogenmentalität unter Unternehmern, nach der Henze fragt, hat er nicht beobachtet, sondern eher Solidarität untereinander: „Eine Pandemie ist etwas anderes als der normale Wettbewerb.“ Auch Soénius berichtet von Solidarität, aber „das Einkaufsverhalten generell hat sich stark verändert. Wir brauchen neue Gesprächskulturen, um den Aufbruch zu schaffen.“

„Der große Knall wird jetzt kommen“

Grawe befürchtet: „Der große Knall wird jetzt kommen, so dass man sehen wird, welches Unternehmen es nicht überlebt hat. Hinter jeder geschlossenen Jalousie steckt ein Schicksal.“ Viele Unternehmer hätten erschreckend wenig Rücklagen. „Aber auf so eine Situation wie eine Pandemie kann man sich nicht vorbereiten.“

Schlimm ist es für viele Familienbetriebe: „Vielen Selbstständigen fällt es sehr schwer, ihr Lebenswerk aufgeben zu müssen, das sie über mehrere Generationen hinweg aufgebaut haben“, sagt Soénius.

Aufbruchsszenarien aus der Pandemie

Auch der Chat wird rege bei der Veranstaltung für den Ideenaustausch genutzt. Eine Teilnehmerin fragt dort: „Welche Aufbruchsszenarien gibt es denn? Welche Ideen gibt es, dies zu gestalten? Wie wird die Digitalisierung dazu genutzt?“ Hapke antwortet: „Wir müssen zusammenhalten, um uns am Schopf aus der Situation herauszuziehen.“ Und Grawe ergänzt: „Einfach weiter so, das geht nicht. Wir werden uns anpassen müssen“, unter anderem bei der Digitalisierung und Home-Office.

„Nicht entmutigen lassen“

Eine Teilnehmerin berichtet: „Mir wird heute Abend nochmal deutlich, wie unterschiedlich die Folgen der Pandemie für Betroffene erlebt werden. Auf der einen Seite die Unternehmer, die schambehaftet sind und die Beantragung von Transferleistungen als große Hürde erleben, auf der anderen Seite eine junge Mutter, die ihre Teilzeitarbeit in einem Sonnenstudio verloren hat und unter dem Verlust dieses zusätzlichen Einkommens leidet, die dankbar ist, dass ihr jemand zuhört und Mut zuspricht.“ Ein anderer Teilnehmer schreibt im Chat: „Die Bewältigung der Klimakrise nur ideologisch oder dogmatisch angehen oder im Wahlkampfmodus wird genauso wenig funktionieren wie die Bewältigung der Pandemie.“ Eine Teilnehmerin ergänzt: „Der Blick auf prekäre Arbeitsverhältnisse wird sich durch die Krise hoffentlich geschärft haben. Was vor Corona ,flexibel‘ war, ist nach Corona vermutlich überflüssig.“

Und das Schlusswort der Veranstaltung schreibt denn auch ein Teilnehmer im Chat: „Nicht entmutigen lassen.“

Die weiteren Termine:

27. Mai 2021, 19.30 Uhr- 21h
WiederSprechen
Vergessene Jugend: Corona und die Generation Z
Gäste:
Stefan Glaremin, Amt für Kinder, Jugend und Familie der Stadt Köln
Anja Veith-Grimm Schulleiterin Gymnasium Schauerte
Sabine Gresser-Ritter, Jugendleiterin der ev. Kirchengemeinde Altenberg-Schildgen

17. Juni 2021, 19.30 Uhr- 21h
WiederSprechen
“Abgesagt“ – Corona und die Kunst
Gäste:
Barbara Förster, Kulturamt der Stadt Köln -angefragt
Pit Hupperten, Bläck Föös
Wolf-Rüdiger Spieler, künstlerischer Leiter Trinitatiskirche, Chorleiter

Termine im Herbst 2021: 31. August, 14. September, 26. Oktober, 23. November

Anmeldung unter: anmeldung@melanchthon-akademie.de oder telefonisch unter 0221-931803-0, www.melanchthon-akademie.de

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