„Shalom + Frieden für alle“ – Zeichen gegen Antisemitismus und für Zusammenhalt sowie „ein Tag mit jüdischer Musik“.

„Shalom + Frieden für alle“ – Zeichen gegen Antisemitismus und für Zusammenhalt sowie „ein Tag mit jüdischer Musik“.

Über 1700 Selfies und weitere Fotos zeigt das Plakat an der Fassade des Domforums gegenüber der Westfassade des Kölner Doms. Es beinhaltet über 1700 Porträts von jungen und alten „Menschen wie du und ich“ sowie Prominenten in ganz Deutschland. Mit der Einsendung eines Fotos sind sie einem Aufruf des Kölner Forums für Kultur im Dialog e.V., der Stadt Köln und der Synagogen-Gemeinde Köln gefolgt, im bundesweiten Festjahr #2021JLID (321-2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland) innerhalb des Projekts „Shalom-Selfie – Zeigt Zusammenhalt!“ gegen Antisemitismus und für eine offene, friedliche und bunte Gesellschaft einzustehen.

Größtes Plakat für Toleranz und Zusammenhalt sowie gegen Antisemitismus und Rassismus

1700 Porträts setzen ein Zeichen für Zusammenhalt

Über das Mosaik aus Fotos ist der Schriftzug „SHALOM + FRIEDEN FÜR ALLE“ gelegt. Das acht mal elf Meter messende Motiv soll deutschlandweit das größte Plakat für Toleranz und Zusammenhalt sowie gegen Antisemitismus und Rassismus sein. Am Sonntag, 15. August 2021, wurde es mit einer besonderen Aktion in den Blick der Öffentlichkeit gerückt: Repräsentantinnen und Repräsentanten des Landes NRW, der Stadt Köln, der Synagogen-Gemeinde Köln, der evangelischen Kirche und der katholischen Kirche in Köln ließen mit weiteren Projekt-Beteiligten und -Unterstützenden am Domforum mit sichtbarer Freude symbolische 321 weiße Luftballons aufsteigen. Aus dem Jahr 321 stammt das Dekret Kaiser Konstantins, das die früheste bekannte Erwähnung jüdischen Lebens in Köln und gleichzeitig im Gebiet des heutigen Deutschland darstellt.

Shalom + Frieden für alle

Eine besondere Entstehungsgeschichte hat der sehr kreative Schriftzug „Shalom + Frieden für alle“ auf dem Groß-Plakat. Er ist innerhalb eines Workshops in der Synagogen-Gemeinde Köln insbesondere von jüdischen und nichtjüdischen Kölner Schülerinnen und Schüler sowie Besucherinnen und Besuchern von Kinder- und Jugendeinrichtungen mitentwickelt und mitgestaltet worden. So werden einzelne Buchstaben durch Friedenszeichen und religiöse Symbolen „verkörpert“. Zu entdecken sind etwa der Davidstern für das Judentum, das Kreuz für das Christentum, der Halbmond für den Islam, das Dharma-Rad für den Buddhismus, das Peace-Zeichen und die Regenbogenfahne.

Zu sehen ist das Plakat am Domforum bis zum 12. September 2021. Kleinere Banner sind angebracht an der Westfassade der Antoniterkirche in der Schildergasse, am Gebäude der Volkshochschule Köln am Neumarkt und im Rathaus der Stadt Köln. Bald soll auch eines am Römisch-Germanischen Museum hängen. Im Postkartenformat liegt das Motiv unter anderem bei Köln-Tourismus zur Mitnahme aus.

321 Ballons

Mit Ballons vor dem Plakat am Domforum

Bevor die Ballons in den Kölner Himmel entlassen wurden, begrüßte Mitinitiatorin Claudia Hessel, Vorstandsvorsitzende des Kölner Forums für Kultur im Dialog e.V., im Domforum Vertretende des Partnerprojekts. Jeder der Partner habe einen wichtigen Beitrag zum Projekt beigetragen, sagte Hessel. Darauf könne die Stadt Köln stolz sein. Abraham Lehrer, Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln und Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, erläuterte zunächst die Intention des bundesweiten Festjahres. Das Dekret von 321 habe man zum Anlass genommen, um jüdisches Leben in unserem Staat mit all seinen Facetten und Ausprägungen verständlicher und zugänglicher zu machen. Viele seien sich der Verantwortung bewusst und hätten sich beteiligt und die Idee unterstützt.

Sichtbares Zeichen für ein friedliches Miteinander der Religionen

Das öffentliche Zugänglichmachen jüdischen Lebens sei erschwert, weil jüdische Veranstaltungen unter Polizeischutz stünden, so Lehrer. Wir lebten in einer Zeit, in der Antisemitismus scheinbar keine Grenzen mehr kenne, verwies er auf entsprechende Ereignisse in Halle, Gelsenkirchen und Bonn. Keiner habe gedacht, dass sich das wiederholen könne. Das Groß-Plakat sende ein sichtbares Zeichen für ein friedliches Miteinander der Religionen. Und das wir in diesem Land jeden Menschen akzeptierten – „so wie er ist“. Er wünscht sich, dass der QR-Code auf dem Plakat zur Information über das Projekt und das Judentum häufig aktiviert werde. Schließlich dankte Lehrer dem Land NRW, der Stadt Köln und allen, die das Projekt möglich gemacht haben. Für die kreative Schülergruppe sagte er stellvertretend dem anwesenden Jonathan Dank für „eine super Idee“ und „ein tolles Projekt“.

Das Domforum sei ein Ort der Begegnung und des Austauschs, sagte Stadtdechant Robert Kleine. Er begrüßte, dass an dieser prominenten Stelle das Plakat vom Wichtigsten spreche, was es gebe, nämlich Frieden. Es strahle die Botschaft aus, wie wichtig es sei, mit anderen, mit allen Religionen sich für Frieden und Verständigung und gegen Rassismus, Antisemitismus und Gewalt einzusetzen.

Köln sei der Ursprungsort jüdischen Lebens in Deutschland, meinte Oberbürgermeisterin Henriette Reker. „Darauf sind wir mächtig stolz.“ Diese zentrale Veranstaltung sei wichtig für „unsere Stadtgesellschaft“, rief sie dazu auf, „keine Toleranz für Intoleranz“ aufzubringen. Jeder und jede sei gefragt, gegen Ausgrenzung anzugehen. Aufzustehen, wenn auch nur der Eindruck von Antisemitismus entstehe. Ihren Dank richtete sie an alle, die den Gedanken des Zusammenhalts weitertragen.

Stadtsuperintendent Dr. Bernhard Seiger ging in wenigen Worten auf die am selben Tag durchgeführte Konzertreihe „Shalom-Musik.Koeln – ein Tag mit jüdischer Musik“ ein. „Musik bildet eine wichtige Brücke zwischen Menschen“, so Seiger. Musik wecke Emotionen. Sie sei der Spiegel der Seele. „Wir lernen die Vielfalt jüdischen Lebens in diesem besonderen Jahr unter anderem über die Musik kennen.“ Seiger freute sich, dass die evangelische Kirche mit drei Aufführungsorten dabei sei: Antoniterkirche, Christuskirche und Haus der Evangelischen Kirche. Die christlichen Kirchen seien an vielen Stellen der jüdischen Gemeinde verbunden. Gemeinsam gedenke man im Januar und im November der Opfer der Shoa. Es gebe aber auch die Freudigkeit und Buntheit des Lebens. Schön, dass heute die Musik im Mittelpunkt stehe, sagte Seiger.

NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen betonte im Domforum die mannigfaltigen Beziehungen zwischen der Landesregierung und jüdischen Gemeinden. Sie lobte den künstlerischen Leiter Thomas Höft, dass der Tag der jüdischen Musik eine so große Vielfalt bereithalte. Alte Musik und frühe Ausdrucksformen, Beispiele aus dem geistlichen wie weltlichen jüdischen Musikleben. Die Nachfrage an der Teilnahme sei groß, wusste Pfeiffer-Poensgen. Sie hoffte, dass eine Brücke geschlagen werde. Und viele Menschen mitgenommen und überzeugt werden könnten, dass es sich lohne, sich dieser Musik häufiger zu widmen.


„Shalom-Musik.Koeln – ein Tag mit jüdischer Musik“

 

Eingebunden in das Programm des bundesweiten Festjahres fand am Sonntag also auch die Konzertreihe „Shalom-Musik.Koeln – ein Tag mit jüdischer Musik“ statt. Zwischen Mittag und Abend spielten bei freiem Eintritt fast fünfzig Musiker*innen aus ganz Deutschland an zwölf Kölner Adressen vierzig Konzerte von jeweils circa dreißig Minuten Länge. Zu Gehör kam die „die Vielfalt der jüdischen Musik“, deren Kompositionen die Musikgeschichte weltweit geprägt hat. Initiiert und veranstaltet wurde auch dieses Angebot vom Kölner Forum für Kultur im Dialog e.V. Mitveranstalter waren die Stadt Köln, die Synagogen-Gemeinde Köln sowie die evangelische Kirche und katholische Kirche in Köln.

Das von Thomas Höft und Ulrike Neukamm zusammengestellte Programm zur Begegnung mit jüdischer Musikkultur und jüdischen Musikstilen wurde rege wahrgenommen.

Shalom-Musikfestival in der AntoniterKirche

So besuchten allein 65 Interessierte die evangelische AntoniterCityKirche, wo Saxophonist Heiner Wiberny, Keyboarder Johannes Quack und Marcus Specht an den Drums unter dem Titel „Jewish Broadway“ Jazz Standards von Komponisten mit jüdischen Wurzeln wie George Gershwin, Irving Berlin, Jerome Kern, Kurt Weill interpretierten. Ebenfalls als Teil des Projektes ließen im anschließenden Abendgottesdienst die drei Musiker und Pfarrer Markus Herzberg Jewish Broadway auf Liturgie treffen.

 

Flötist Roy Amotz im Basement der Christuskirche

Im Basement unter der evangelischen Christuskirche am Stadtgarten „reiste“ der in Israel geborene und in Berlin lebende Flötist Roy Amotz auf verschiedenen Flöten durch Klänge von Johann Sebastian Bach bis Joachim Stutschewsky.

 

 

 

 

Blockflötist Michael Hell im Refektoriumsgarten des Hauses der Evangelischen Kirche

Und an verschiedenen Stellen im  Garten des Refektoriums des Haus der Evangelischen Kirche in der Südstadt interpretierte Blockflötist Michael Hell unter anderem die Meditation „To a pine tree on mt. Carmel“ des israelischen Komponisten Avishai Ya’ar.

Text: Engelbert Broich
Foto(s): Kay Uwe Fischer/Hildegard Mathies/Engelbert Broich