„Es ist normal, verschieden zu sein“ – Pfarrerin Susanne Beuth zur Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Mitte gewählt



„Es ist normal, verschieden zu sein“ – Pfarrerin Susanne Beuth zur Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Mitte gewählt

Susanne Beuth wird die neue Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Mitte. Mit großer Mehrheit wählte die Kreissynode die Klettenberger Pfarrerin zur Nachfolgerin von Rolf Domning, der im Juli in den Ruhestand tritt. Die 58-Jährige ist seit 2000 Mitglied im Kreissynodalvorstand, seit 2004 als Assessorin und damit Stellvertreterin ihres Vorgängers.

Der Wandel ist der ständige Begleiter

Nachdem Rolf Domning im Jahr 2008 das Amt des Stadtsuperintendenten übernommen hatte, vertrat ihn Susanne Beuth immer häufiger im Kirchenkreis. „Der Wandel ist der ständige Begleiter der Kirche“, sagte die Pfarrerin in ihrer Vorstellungsrede. „Und ich finde, wir haben den Wandel in unserem Kirchenkreis sehr gut hinbekommen“, warf sie einen Blick zurück in die Vergangenheit mit zahlreichen Veränderungen etwa in den Verwaltungsstrukturen. Wandel heiße aber auch, die Vergangenheit weiter zu denken.

Schätze des Kirchenkreises

Mitglieder der Kreissynode

Der Kirchenkreis sei klein, berge aber viele Schätze. „Kerngemeinde und Distanzierte, Gottesdienstgemeinde und Engagierte in Diakonie, Kultur, Musik, Bildung und politischem Engagement – aus allen diesen besteht Kirche und diese alle braucht lebendige Kirche in der Stadt. Vielleicht werden in Zukunft die Möglichkeiten geringer. Vielleicht haben wir aber auch mehr Leute, die sich engagieren“, blickte die frisch gewählte Superintendentin optimistisch in die Zukunft. Und mit Humor: „Wir bauen ja zurzeit an vielen Stellen im Kirchenkreis, um in Zukunft über Mieten Einnahmen zu erzielen. Der Rückgang der Kirchensteuer wird ganz bestimmt kommen. Er wird schließlich vorhergesagt, seitdem ich Pfarrerin bin.“

 

Bisheriges Engagement

Und das ist sie seit 30 Jahren. Zunächst im „Hilfsdienst“ in Köln-Pesch. Dort war ihr Schwerpunkt der Stadtteil Lindweiler. „Dort habe ich in dem sogenannten sozialen Brennpunkt unter anderem Konfirmandengruppen geleitet.“ 1992 trat sie ihre Stelle als Pfarrerin in Klettenberg an. Eine 50-Prozent-Stelle. „Das war die erste halbe Stelle in der rheinischen Kirche, die sich nicht ein Pfarrerehepaar teilte“, erinnerte sich Susanne Beuth. Neben den allgemeinen Gemeindeaufgaben kümmerte sie sich in jener Zeit um Aussiedler. 2000 übernahm sie eine ganz Pfarrstelle mit einem 25-prozentigen Stellenanteil „Arbeit mit Menschen mit geistiger Behinderung/Integrative Gemeindearbeit/Inklusion“.

Über die Gemeindegrenzen hinweg bekannt ist der „Club Kreuznach“, den Susanne Beuth gegründet hat. Immer mittwochs treffen sich Menschen zwischen 20 und 60 Jahren mit verschiedenen Behinderungen zu Freizeitaktivitäten wie Kochen, Theater, Ausflügen und Gesprächen. „Es ist normal, verschieden zu sein. Das ist der Kernsatz meines Kirchenverständnisses. Und das schätze ich auch am Kirchenkreis Mitte: Dass die verschiedenen Gemeinden so vielfältige Schwerpunkte setzen, dass für die urbanen Menschen in erreichbarer Nähe, wenn auch vielleicht nicht in der eigenen Gemeinde, das Angebot da ist, was für sie passen könnte.“

Ökumene, Haltung und Beuth privat

Susanne Beuth mit Rolf Domning

“Die neu gewählte Superintendentin engagiert sich für die Ökumene. Seit 2018 ist sie Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Köln. „Wir gehören zur gleichen Familie. Und werden zusammen in Haftung genommen“, sagte sie im Blick auf die Geschwisterkirchen und richtete den Blick noch einmal in die eigenen Reihen: „Wir sind ein kleiner Kirchenkreis, in dem jede Gemeinde im Kreissynodalvorstand sitzt. Wir suchen und finden Lösungen, in die sich alle einfinden können. Man kann sich streiten, aber nicht um des Streites willen. Die Einmütigkeit, die unsere Kirchenordnung für die Beschlussfassungen vorschlägt, finde ich außerordentlich gut.“ Susanne Beuth ist Kölnerin, verheiratet, Mutter von zwei erwachsenen Kindern und Großmutter von drei Enkelkindern.

 

Synodalassessorin Haseleu – Stellvertretende Superintendentin

Miriam Haseleu

Zur neuen Synodalassessorin und damit stellvertretenden Superintendentin wählte die Synode Pfarrerin Miriam Haseleu. Die gebürtige Bonnerin arbeitet seit 2015 als Pfarrerin in der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Nippes. Schwerpunkt ihrer Tätigkeit ist die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Sie hat beispielsweise die „Kulturkirche für Kinder“ ins Leben gerufen und begleitet Kindertagesstätten und Schulen religionspädagogisch. Miriam Haseleu ist Vorstandsmitglied im Evangelischen Kita-Verband Köln-Nord.

„Mein Herzensprojekt ist das ,WiNHaus international‘. Das ist ein Projekt der transkulturellen Begegnung, das wir gemeinsam mit ,Willkommen in Nippes‘ gegründet haben“, erzähle sie der Synode. Einmal im Jahr hält sie im WDR Rundfunkandachten. Miriam Haseleu ist Systemische Beraterin und Systemische Organisationsentwicklerin. Sie gehörte dem Kreissynodalvorstand bislang als zweite stellvertretende Skriba an.

Zweiter stellvertretender Skriba Rollbühler

Christoph Rollbühler

Diese Aufgabe übernimmt zukünftig Christoph Rollbühler, seit 2011 Pfarrer an der Christuskirche im Belgischen Viertel. Er war maßgeblich am Umbau der Christuskirche beteiligt. „Der Kirchenkreis steht vor Veränderungen. Das wird auch ein großer Kommunikationsprozess. Wir müssen die Geschichte und Traditionen der Gemeinden bewahren. Und gute Ideen vorantreiben. Da möchte ich gern dabei sein.“ Mit einem Schmunzeln fügte er hinzu: „Und ich bin gremienerprobt. Ich bin durch die harte Schule der Evangelischen Gemeinde Köln gegangen.“

 

 

 

Weitere Personalia

Kerstin Meyer, Lehrerin und Presbyterin der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Nippes, wurde zur 1. Synodalältesten gewählt. Bernd Markgraf, Sonderschullehrer aus der Gemeinde Köln Deutz/Poll und Mitglied des Kreissynodalvorstands, übernimmt die Aufgaben als 2. Vertreter bei der Landessynode. Beide Neugewählte folgen Lukas Pieplow nach, der die Ämter abgegeben hat.

Gottesdienst in der Kartäuserkirche – Hinsehen statt Wegschauen

Gottesdienst vor der Kreissynode in der Kartäuserkirche

Begonnen hatte die Synode mit einem Gottesdienst in der Kartäuserkirche, dessen liturgische Leitung der im Sommer scheidende Superintendent Rolf Domning übernommen hatte. Er predigte über die Geschichte von Hagar, Sara und Abraham, dessen Erstgeborenen Hagar zur Welt bringt. Gedemütigt von Sara erscheint ihr in der Wüste ein Engel, den sie El Roi, „der Gott, der mich sieht“, nennt. Und er nennt sie bei ihrem Namen. „Von Sara und Abraham wird sie immer nur Sklavin, Magd und Dienerin genannt. In der Geschichte wird ihr erstmals ,Ansehen‘ geschenkt.“ Mit dieser Geschichte sei man sehr gut bei einem Thema der Synode angekommen. Es gehe um Hinsehen statt Wegschauen.

 

 

Schutzkonzept zur Prävention sexualisierter Gewalt

Ein Arbeitskreis hat für den Kirchenkreis Köln-Mitte ein Schutzkonzept zur Prävention sexualisierter Gewalt entwickelt. Neben Superintendent Domning stellten Pfarrerin Miriam Haseleu, Jugendreferentin Nina Paganotto, Pfarrer Markus Herzberg und Frauenreferentin Heike von Hagen das Konzept der Synode vor. Die Synode nahm das Konzept an, die Gemeinden können dieses jetzt übernehmen. Ehren- und hauptamtlich Mitarbeitende werden auf Grundlage des Schutzkonzeptes in Schulungen für Grenzverletzungen sensibilisiert.

Alle Mitarbeitenden, die in ihrer Tätigkeit Kontakt zu Kindern und Jugendlichen haben, müssen ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen und eine Selbstverpflichtungserklärung abgeben, in der sie einen grenzachtenden Umgang mit anderen zusagen. Die Gemeinden werden eine Risiko-Analyse vornehmen, um Räume zu identifizieren, die sexualisierte Gewalt und übergriffiges Verhalten institutionell begünstigen können. Pfarrer Herzberg und Pfarrerin Haseleu stehen jederzeit als Vertrauenspersonen zur Verfügung.

Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann/APK