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Sänger Mehmet Akbas und Band beim Hofkonzert an der AntoniterCityKirche

Hofkonzert auf dem Kirchplatz im AntoniterCityQuartier. Musik und Begegnung innerhalb des Kooperationsprojekts „Alt trifft Jung“ zwischen Start with a Friend e.V. Köln und der AntoniterCityKirche.

„Eine wunderbare Mischung und tolle Veranstaltung, rief Martin Weiler am Schluss des 2. Hofkonzertes im AntoniterCityQuartier an der Kölner Schildergasse dankbar aus. Inklusive Pausen hatten über vier Stunden lang Musiker unterschiedlicher Kulturen sowie verschiedener Musikstile und -traditionen zahlreiche Besucherinnen und Besucher begeistert. Fünfzig Sitzplätze standen direkt vor der „Bühne“ auf dem Kirchplatz zur Verfügung. Zusätzlich war an diesem lauschigen Sommerabend die Außengastronomie der für den Konzertabend geöffneten Restaurants und Cafés „Sander“ und „Extrablatt“ mit Menschen- und Musikfreunden besetzt. Sie erlebten ein Konzert, das wie beabsichtigt die „Vielfältigkeit unserer Gesellschaft“ widerspiegelte.

Start with a Friend e.V.

Die Hofkonzerte im Außenbereich des neu entstandenen Kirchhofs am AntoniterQuartier sind Teil des Kooperationsprojekts „Alt trifft Jung“. Dabei kooperieren die AntoniterCityKirche und der 2016 ins Leben gerufene Kölner Standort der Tandemorganisation Start with a Friend e.V. (SwaF). SwaF ist eine 2014 in Berlin gegründete Organisation mit dem Ziel, zwischen Einwanderer*innen und Einheimischen Freundschaften zu vermitteln.

Initiatoren des Projekts „Alt trifft Jung“ sind Martin Weiler seitens der AntoniterCityKirche und der Köln SwaF-Mitbegründer Otis Benning. „Wir bieten den Senior*innen unserer Kirchengemeinde und jungen Einwanderer*innen einen Raum, in dem sie vorurteilsfreie Kontakte auf Augenhöhe knüpfen können“, erläuterte Weiler. Mit Lara Weiß von SwaF führte er durch das Programm. Als das Projekt schließlich im Frühjahr 2020 mit persönlichen Begegnungen im neu errichteten Citykirchenzentrum starten sollte, sei die Pandemie ausgebrochen, informierte Weiler. Daher habe man mit den coronakonformen Konzerten ein besonderes Format entwickelt, das Begegnungen von Menschen ermögliche und die Gelegenheit, miteinander in Kontakt zu kommen. Und man bringe Musik zusammen, die sonst wohl nicht zusammen zu hören sei, ging Weiler auf einen weiteren elementaren Aspekt ein. Er und Weiß dankten allen Helfenden und Mitwirkenden. Sie erinnerten daran, dass die Organisation allein von Ehrenamtlichen geleistet werde.

Musik in verschiedenen Sprachen

Zum musikalischen Auftakt begrüßten die Moderator*innen „Franz Xaver“. Eigentlich ein junges Duo, trat aufgrund Verhinderung seines Freundes Luca allein Dominik auf. Sich auf der Gitarre und mit einer Synth & Drummachine begleitend, bot der Singer-Songwriter in verschiedenen Sprachen eigene wie übernommene Lieder. Stücke, in denen er „Luise“ schließlich versichert: „Wir werden uns nie wieder los.“ Sehnsuchtsvolle Stücke wie „Einsamkeit und das Meer“, in denen er in Spanisch Erfahrungen seines einjährigen Mexiko-Aufenthaltes verarbeitet hat. Inspiration für seine Song-Geschichten habe er in der Pandemie auch durch viel gesehene Netflix-Serien und Buchlektüre erhalten, verriet der 24-Jährige im Verlauf seines „gemütlichen“ Einstiegs in den Abend. Als Zugabe interpretierte Dominik „Dancing in the dark“ von Bruce Springsteen. Sein abschließender Dank galt den Veranstaltern für ihr Engagement: „Das ist ganz wichtig.“

„Wie cool ist Staubsaugen auf einer Skala von 1 bis 10?“

Es folgte eine längere Pause, da in der Antoniterkirche der 18-Uhr-Gottesdienst gehalten wurde. So schwiegen die Lautsprecher, aber merklich intensiviert wurde der Austausch von Stuhl- und Sitznachbarn. „Jetzt geht es um die wichtigsten Leute, um sie und euch“, hatte Weiler zuvor die Anwesenden eingeladen, die fabelhafte Gelegenheit zu nutzen, miteinander ins Gespräch zu kommen. „Sprechen sie einfach jemand an, den sie nicht kennen.“ Denjenigen, denen keine Fragen (mehr) einfielen, half das Organisationsteam mit auf Blättern gedruckten verschiedenen Formulierungen und Aufforderungen aus: „Wie cool ist Staubsagen auf einer Skala von 1 bis 10?“ oder „Findet eine Gemeinsamkeit“ oder „Bist du noch Vegetarier, wenn du trotzdem Fisch ist?“

Musik, die Servierkräfte und Passanten zu Tanzschritten bewegte

Die Mary-Castle Jazz Band setzte mit überwiegend klassischem Dixieland der 1950/60er Jahre das musikalische Programm fort. Vor 25 Jahren von Walter Bungert gegründet, ist die Gruppe nach dem Kölner Stadtteil Marienburg benannt. Dort befindet sich der Probenraum der in Köln und Umland lebenden Mitglieder. Seit fünf Jahren spielt die Band in der aktuellen Besetzung. Eine gut aufeinander abgestimmte Truppe, die mit Klassikern wie „When my dreamboat comes home“ und „Mack the Knife“ auch Servierkräfte und Passanten zu Tanzschritten bewegte. Vom Spiel über den Gesang bis zu den humorvollen Überleitungen „die Lebensfreude des Old Time Jazz“ vermittelnd, servierten die entspannten Routiniers zum Nachtisch „Icecream“. Auch als bei „Sunnyside of the street“ das Geläut der AntoniterCityKirche einsetzte, hielt das Sextett gelassen seinen Rhythmus. „Schade, dass die Glocken nicht den Takt halten konnten. Bis zum nächsten Mal werden wir versuchen, das zu synchronisieren“, erweiterte Weiler augenzwinkernd seinen Dank an die Band.

Reigentanz

Den dritten musikalischen Part übernahm Mehmet Akbaş mit seiner famosen vierköpfigen internationalen Band. Der 1974 in der türkischen Provinz Diyarbakir geboren Sänger, Songwriter und Komponist lebt seit 2005 in Köln. Aus seinem breit gespeisten Repertoire, das insbesondere Lieder in verschiedenen kurdischen Sprachen und Dialekten sowie in türkischer, arabischer, armenischer und persischer Sprache umfasst, interpretierte er mit charismatischer Stimme etwa ein nordkurdisches Liebeslied und das sehnsuchtsvolle ostkurdische „Überall Einsamkeit“. Es sind traditionelle, von ihm und seiner Band zeitgemäß aufgeführte Stücke, die auch interkulturell Brücken schlagen sollen. Zu ihnen gehören ebenso Hoffnungs- und Tanzlieder. So fiel es ihm und den Instrumentalisten leicht, das Publikum zum Mitsingen zu animieren. Einige formierten sich sogar zu einem (coronakonformen) Reigentanz.

Wie „Tandem“ funktioniert

In den Pausen gab es Informationen zum Kooperationsprojekt und zur Tandemorganisation SwaF.  Beispielsweise erläuterte Anne Sophie vom SwaF-Vermittlungsteam, wie Tandems zusammengebracht werden. Ein Tandem besteht aus einer eingewanderten und einer schon länger hier lebenden Person. Beide verbringen Zeit miteinander, lernen sich kennen und voneinander. Bei der Vermittlung sei auch „eine große Portion Bauchgefühl dabei“, lud Anne Sophie Interessierte ein zu Infoabenden oder zur Kontaktaufnahme mit dem SwaF-Team unter info@start-with-a-friend.de. Das Tandem Leona und Delcha lernte sich im November über SwaF kennen. Wegen Corona sei man anfangs nur spazieren gegangen, so Leona. Inzwischen seien mehr Treffen und zusätzliche Aktivitäten möglich. Entstanden sei eine wirkliche Freundschaft.

„Alt trifft Jung“

Die AntoniterCityKirche verfügt mit ihrem Citykirchenzentrum im AntoniterQuartier über Räumlichkeiten und Infrastruktur, die vielfältige Begegnungen ermöglichen. Im Gegensatz zu SwaF pflegt sie ein großes Netzwerk zu ihren älteren Mitgliedern. Für diese Altersgruppe sei es mitunter schwierig, neue Kontakte aufzubauen. Insbesondere der persönliche Kontakt zu Menschen mit Einwanderungserfahrung in nicht hilfsbezogenen Kontexten sei noch rar gesät, erläutert Weiler die Motivation zum Projekt „Alt trifft Jung“. „Das persönliche Interesse an einem Austausch, gerade mit jüngeren Menschen mit Einwanderungserfahrung, ist jedoch groß.“


Mehr über das Projekt erfahren Interessierte in der Projektdokumentation auf YouTube:

 

Text: Engelbert Broich
Foto(s): Engelbert Broich