Pfarrer Dr. Martin Bock und Pfarrer Volker Meiling beim Politischen Abendgebet in der Kreuzkirche Stommeln



Politisches Abendgebet erinnerte an Martin Luther King

Dem Gedenken und der Aktualität von Martin Luther Kings (1929-1968) Wirken haben Pfarrer Volker Meiling und Dr. Martin Bock, Leiter der Kölner Melanchthon-Akademie, am vergangenen Sonntag ein Politisches Abendgebet gewidmet. In der Kreuzkirche in Pulheim-Stommeln regten sie zu eigenen Visionen nach dem Vorbild von Martin Luther King an.

„I have been to the mountaintop“ – Interreligiös für Frieden und Gerechtigkeit
Es seien zwar manche Träume Martin Luther Kings Wirklichkeit geworden, sagte Pfarrer Volker Meiling, aber der Weg zur vollen Gleichberichtigung aller Menschen aller Länder sei noch weit und lange nicht zu Ende. Im Mittelpunkt des Abendgebets stand die letzte Rede Martin von Luther King „I have been to the mountaintop“, die er wenige Tage vor seiner Ermordung am 4. April 1968 gehalten hatte. Dort bezog sich King auf das 5. Buch Mose (34,1-5). In der Überlieferung sieht Mose, kurz vor seinem Tod, vom Berg Nabo aus das Land Kanaan. Dieses Land hatte Gott der Überlieferung nach den Israeliten versprochen. Mose blieb es aber versagt, das Land zu betreten. „I may not get there with you“ (Ich komme vielleicht nicht mit euch dorthin), sagte King im Jahr 1968 und ahnte vielleicht schon seinen bevorstehenden Tod. Eindrücklich stellte Pfarrer Meiling den furchtlosen Geist Kings heraus, der auch heute noch Mut mache, sich für eine gerechte Gesellschaft einzusetzen. Martin Bock rief auch die jüdischen Wegbegleiter Martin Luther Kings in Erinnerung. Das war unter anderem Rabbiner Abraham Joshua Heschel, der dem Holocaust nur knapp entkommen war, und den King liebevoll „mein Rabbi“ nannte. Am selben Wochenende hatte sich ein Seminar der Reihe „Offene Gesellschaft“ der Melanchthon-Akademie Köln mit der interreligiösen Seite der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung beschäftigt. Der Alptraum des faschistischen Genozids war demnach für die Rabbiner an Kings Seite Antrieb, sich für den gemeinsamen Traum einzusetzen.

Klang von 1968 in der Stommelner Kreuzkirche
Der Stommelner Kirchenmusiker und Autor von Kirchentags-Liedern, Wolfgang Schulz-Pagel, spielte zwischen den Impulsen Lieder aus den Charts der 68er. Mit teils meditativen, teils sehr jazzig-bewegten Versionen, unter anderem Aretha Franklins „Think“, Dionne Warwicks „I say a little prayer“ und Louis Armstrongs „What a wonderful world“. Schulz-Pagel brachte so den Klang der 60er Jahre sehr stimmungsvoll in den Gottesdienst ein. Der Geist Martin Luther Kings bewegt auch heute noch Menschen, sich für Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen. Martin Bock berichtete von Susannah Heschel, der Tochter Abraham Joshua Heschels, die sich bei den „March for Our Lives“-Demonstrationen für ein verschärftes Waffenrecht in den USA engagiert. Warum sie als Jüdin gerade den Christen Martin Luther King als Motivationsquelle sehe, wurde sie von einem Journalisten gefragt, so Bock. Weil er ein Mensch sei, habe sie geantwortet.

Meiling: „Jeder steht auf seinem eigenen Berg“
„Wofür kann man sich in Köln heute konkret engagieren?“ Auf diese Frage hin nannte Bock Aktionen wie „Kippa Colonia – Köln trägt Kippa“ am vergangenen Mittwoch und das Mahnmal für den Genozid an den Armeniern, das vor zwei Wochen vom Heinrich-Böll-Platz entfernt wurde. Auch wenn der Anlass traurig gewesen war, er habe sich gefreut, dass sich so viele Menschen an den Aktionen beteiligt hatten. Das Erbe Kings bestehe vor allem darin, den Traum von einer gerechten und friedlichen Welt nicht aufzugeben, erklärte Meiling. Die Kraft der Träume könne die Wirklichkeit verändern. Das gelte für jedes Alter. Zum Abschluss regte Meiling zu eigenen Visionen an. „Welche Träume habe ich? Was wage ich noch zu träumen?“, fragte Meiling. Er hoffe, die Zuhörenden könnten an diesem Abend Anregungen mitnehmen für  das eigene Leben, in der jeder selbst auf seinem Berg stehen müsse.

Text: Eichert
Foto(s): Eichert