Der jüdische Friedhof Mülheim: Ausstellungseröffnung in der Friedenskirche
Annette Maye und Andreas Heuser spielen jüdische Musik.

Der jüdische Friedhof Mülheim: Ausstellungseröffnung in der Friedenskirche

Der jüdische Friedhof in Köln-Mülheim kann eine lange Tradition vorweisen. Angelegt wurde er im Jahr 1774, das letzte Begräbnis fand 1942 statt. Bis heute erinnern dort 160 Grabstätten an die jüdische Gemeinde Mülheim. Diesem Thema haben sich Dietrich Grütjen und Hartmut Schloemann zusammen mit der Mülheimer Geschichtswerkstatt gewidmet. Was dabei herausgekommen ist, kann man sich jetzt in einer Ausstellung in der Mülheimer Friedenskirche anschauen.

Vernissage mit Erinnerungen an die jüdische Gemeinde

Alle Plätze waren besetzt, als Dr. Christiane von Scheven von der Kirchengemeinde die interessierten Gäste begrüßte, um mit einer Vernissage die Ausstellung zu eröffnen: „Ich bedanke mich sehr, dass gerade die Friedenskirche für diese Ausstellung gewählt wurde.“ Besonders beeindruckend war ein Grußwort des 101-jährigen Rabbi Erwin Schild aus Toronto, der selber lange in Mülheim gelebt hat und immer wieder zurückgekommen war, um die Erinnerung an die dortige jüdische Gemeinde hochzuhalten. „Ich habe die ersten 20 Jahre meines Lebens hier verbracht, auf dem Friedhof ist das Grab meiner Großmutter.“ An die jüdische Gemeinde erinnerten nur noch die Toten auf dem Friedhof. „Darum ist die Pflege des jüdischen Friedhofs eine wahre Wohltätigkeit.“ Dafür sprach der Rabbi allen Beteiligten seinen Dank und seiner Bewunderung aus.

Erinnerungen an die Geschichte

Dietrich Grütjen und Hartmut Schloemann haben die freie Zeit in ihrem Ruhestand genutzt, um sich intensiv mit der jüdischen Geschichte in Mülheim auseinanderzusetzen. Besonders wurde an die Eisflut 1783 erinnert, die ganz Mülheim in den Rhein spülte. Dank großer Solidarität aus ganz Europa konnten Kirche und Synagoge wieder aufgebaut werden. „Schon damals fiel in Mülheim kein böses Wort gegen die Juden, obwohl sich Luther inzwischen zu einem glühenden Antisemiten entwickelt hatte“, erläuterte Dietrich Grütjen. Der zweite große Einschnitt kam während der Schreckensherrschaft der Nazis, 1944 war Mülheim wieder dem Erdboden gleichgemacht, die Juden vertrieben oder getötet. „Die Kirchen haben weitgehend geschwiegen, die Synagoge wurde abgerissen, lange tat sich nichts in Sachen Aufarbeitung der Geschichte.“ 1978 fand in der Friedenskirche zum Gedenken an die Reichsprogromnacht ein Gedenkgottesdienst statt. „Das war die Initialzündung für Erinnerungsarbeit hier in Mülheim.“ Wie ein roter Faden zieht sich der Zusammenhalt zwischen der Friedenskirche und der jüdischen Synagoge durch die Geschichte Mülheims.

Ausstellung dokumentiert Aufarbeitung der Geschichte

Die Mülheimer Geschichtswerkstatt, vertreten durch Helmut Goldau, begann zusammen mit dem NS-Dokumentationszentrum systematisch, die Erinnerung an die Vergangenheit wieder zu beleben. Das jüdische Leben in Mülheim wurde dokumentiert, der Friedhof restauriert, umgestürzte und beschädigte Grabsteine wieder instand gesetzt. Die Gräber wurden erfasst, fotografiert und die Inschriften übersetzt. Demnächst soll eine Datenbank über den Friedhof in Betrieb gehen.

Die Ausstellung dokumentiert in verschiedenen Fotos und einem Video umfangreiches Material zum Friedhof, zur Eisflut, zum jüdischen Leben in Mülheim, eine Darstellung der zerstörten Synagoge und natürlich zu Rabbi Schild. Annette Maye und Andreas Heuser schafften mit jüdischer Musik auf Klarinette, Saxophon und Gitarre eine stimmungsvolle und nachdenkliche Atmosphäre während der Vernissage. Daniel Lemberg, Friedhofsverwalter der Kölner Synagogengemeinde, bedankte sich für das Engagement und die Unterstützung, dass das jüdische Leben in Mülheim nicht vergessen wird.

Die Ausstellung ist Samstags und Sonntags von 15 bis 17 Uhr in der Friedenskirche, Wallstrasse 70 oder nach Absprache unter 0221/9625020 zu besichtigen. Der Film kann zusätzlich auf YouTube unter https://youtu.be/7_nj5QLQyho abgerufen werden.

Text: Dr. Klemens Surmann/APK
Foto(s): Dr. Klemens Surmann/APK