Superintendent Markus Zimmermann und Kreisdechant Achim Brennecke (an 2. und 3. Stelle von links, hintere Reihe) beauftragten 15 frisch ausgebildete Notfallseelsorger mit ihrer neuen Aufgabe. Bei dem Entsendungsgottesdienst wirkten außerdem die Koordinatoren der Ökumenischen Notfallseelsorgesysteme Köln, Rhein-Berg und Rhein-Erft, Pfarrer und Ausbilder Holger Reiprich (ganz links, hintere Reihe), Ausbilder Michael Meichsner (2.v.l.) und die Diakone Gregor Hergarten und Ulf Bettels (beide rechts im Bild) mit.



Notfallseelsorge: „Sie müssen keine Helden sein…“

Notfallseelsorge: „Sie müssen keine Helden sein…“„… obwohl Sie es sind.“

Dass Notfallseelsorge keine Randaufgabe der Kirchen, sondern ein „heldenhafter“ Dienst und konkrete Liebe zum Nächsten sind, drückte Superintendent Markus Zimmermann unmissverständlich im Rahmen eines Entsendungsgottesdienstes in der Katholischen St.-Maria-Kirche in Frechen aus. Gemeinsam mit Kreisdechant Achim Brennecke beauftragte er 15 frisch ausgebildete Notfallseelsorger mit ihrer neuen Aufgabe in den Bereichen der Stadt Köln, des Rhein-Erft-Kreises und des Rheinisch-Bergischen Kreises.

„Was Sie tun, ist da sein“

„Ihre Aufgabe ist der Kern unseres Glaubens“, fasste Zimmermann zusammen. „Und Sie müssen eine Menge aushalten“, ergänzte er. Der Einsatz von Notfallseelsorgern ist grundsätzlich dort, wo andere Menschen ebenfalls gerade viel aushalten müssen, und sie nehmen eine der elementarsten Aufgaben wahr, wenn es darum geht, Beistand im furchtbaren ersten Moment zu leisten: „Was Sie tun, ist dann da sein.“

Pfarrer Holger Reiprich arbeitet seit rund 25 Jahren in der Feuerwehr- und Notfallseelsorge. Für ihn war es wichtig, „seinen“ Auszubildenden bei ihrer Entsendung noch einmal ins Gesicht schauen zu können, sagt er. Knapp zwei intensive und persönlich verbindende Jahre verbringen er und sein Kollege, Gemeindereferent Michael Meichsner damit, Freiwillige kennenzulernen, sie erst theoretisch und dann an in der Praxis an ihre Aufgabe heranzuführen. Reiprich hilft den Kandidaten, in Ruhe ein Gefühl dafür zu bekommen, worum es in der Notfallseelsorge wirklich geht. „Das reine Wissen über Gesprächsführung und darüber, was ein Betroffener braucht, sagt noch nichts über die eigenen Fähigkeiten im akuten Einsatz aus.“ Entschieden wird deshalb erst am Ende der Ausbildungszeit, wer tatsächlich tätig wird.

„Ein Gefühl für die Aufgabe bekommen“

Ausgelöst durch die Erfahrungen mit größeren Unglücks- und Katastrophenfällen in der Vergangenheit wurde 1993 die Notfallseelsorge im Evangelischen Kirchenverband Köln und Region ins Leben gerufen. Nach dem verheerenden Zugunglück im Jahr 2000 in Brühl wurde sie zusätzlich regional stark erweitert. „Mehrere Menschen kamen hier ums Leben und zahlreiche wurden verletzt“, erinnert sich Pfarrer Reiprich. Auch Anwohner waren betroffen. „Es wurde klar: Wir brauchen für solche Situationen verlässliche Strukturen.“

Aktuell beginnt alle zwei Jahre ein neuer Ausbildungszyklus. Einmal im aktiven Einsatz, stehen die geschulten Seelsorger für rund 600 Stunden pro Jahr zur Verfügung, begleiten Menschen nach plötzlichen Todesfällen, Verkehrsunfällen oder werden zu Großunglücken gerufen.

Notfallseelsorge: der lebendige Beweis für soziale Netzwerke

Wer tatsächlich dafür geeignet ist, zeigt sich oft erst später, im ersten Auswahlverfahren sind es jedoch greifbare Anhaltspunkte, auf die Reiprich und Meichsner achten: „Menschliche Reife bzw. eine ordentliche Portion Lebenserfahrung sind wichtig“, erklärt Ausbilder Holger Reiprich. „Das Mindestalter von 25 Jahren unterschreiten wir nicht, denn Krisenerfahrung, sprich eine gewisse „Feldkompetenz“ sollte ebenfalls gegeben sein. Mir ist es wichtig, dass meine Leute eine Idee davon haben, was im Einsatz passieren kann – dazu braucht es Erfahrungswerte, auf die man zurückgreifen kann.“ Nicht nur aus formalen Gründen sind die auszubildenden Frauen und Männer evangelisch oder katholisch und in ihren Kirchen auch entsprechend verwurzelt: „Wir erwarten, dass sie auch spirituellen Beistand leisten und Verabschiedungen vornehmen können.“ Die beiden christlichen Kirchen der Region übernehmen die Kosten der Ausbildung und bauen im Anschluss daran im Gegenzug auf eine mindestens zweijährige Einsatzzeit vor Ort.

Dass Konfessionen im konkreten Einsatz aber unwichtig sind, findet Markus Zimmermann bemerkenswert und positiv. In seinen Augen erweist sich die Notfallseelsorge damit als funktionsfähiges und ganz reales soziales Netz. „Sie sind der lebendige Beweis, dass soziale Netzwerke keine Erfindung der virtuellen Welt sind. Wir sind dankbar für Ihren Dienst. Gott gebe Ihnen die Kraft, die Sie dafür brauchen!“

Mehr Informationen über die Kölner Notfallseelsorge finden Sie hier: https://koeln-notfallseelsorge.de

Text: Claudia Keller
Foto(s): Claudia Keller