v.l. Präses Manfred Rekowski, Rolf Domning, Susanne Beuth, Dr. Bernhard Seiger



„Ein klares Bekenntnis ablegen gegen rechte Tendenzen“ – Entpflichtung von Stadtsuperintendent Rolf Domning durch Präses Manfred Rekowski

Die Kartäuserkirche war bis auf den letzten Platz gefüllt. Einige Besucherinnen und Besucher saßen auf schnell herangeschafften Stühlen sogar im Gang. Der scheidende Stadtsuperintendent Rolf Domning wurde entpflichtet. Dafür war Präses Manfred Rekowski aus Düsseldorf gekommen.

 

„Geistliche Waffenrüstung”

Rolf Domning predigt über die „geistliche Waffenrüstung”

Domning geht Ende Juli in den Ruhestand. Als Predigttext hatte er Epheser 6, 10 – 17, für seinen letzten Gottesdienst als Stadtsuperintendent ausgesucht. Darin geht es um die so genannte „geistliche Waffenrüstung“. „Manchen ist dieser Text im Grundtenor sicher zu negativ“, begann Domning. Aber der Autor des Epheserbriefes habe in einer Zeit gelebt, in der der Gebrauch von martialischen Begriffen üblich war. Und der Habitus des Verfassers sei defensiv ausgerichtet. „Angetan mit dem Panzer der Gerechtigkeit, den Helm des Heils angezogen und das Schwert des Geistes in der Hand führend, nämlich das Wort Gottes, das ist das Besondere. Und vor allem ‚beschuht an den Füßen, bereit für das Evangelium des Friedens‘.“

 

„Ein männlicher Dienst”

Domning warf einen Blick zurück auf seinen beruflichen Lebensweg, der mit einem Vikariat in Düren begann. Dazu hatte er sich bewusst entschieden, weil der dortige Superintendent und spätere Präses Peter Beier durch seinen Einsatz gegen die Stationierung von Pershing-II-Raketen von sich reden gemacht hatte. Beier hat Domning später ordiniert und in seine erste Pfarrstelle in Eschweiler eingeführt.

 

Bei der Einführung habe Beier ihm einen „männlichen Dienst“ gewünscht. Was Beier damit gemeint habe, hat Domning nach eigenen Worten nie herausgefunden. Der Wunsch Beiers hat den jungen Pfarrer allerdings stark verunsichert. „Und zwar im Hinblick auf meine Predigt. Ich hatte damals ein ganzes Lied lang Zeit, mir darüber Gedanken zu machen, wie ich darauf reagieren sollte. Denn ich wusste ja, wie der erste Satz meiner Predigt lauten würde: ,Der deutsche Mann liegt krank im Bett‘.“

 

Den Patienten hatte Domning als Vikar im Krankenhaus kennengelernt. Der las dort die Siegfried-Sage und war ansonsten unnahbar, auch für die „Seelsorge als Muttersprache der Kirche“, wie Domning sie nannte. „Dabei gerät unser theologisches Tun und Reden noch einmal ganz anders auf den Prüfstand. Manchmal kommt sie dabei auch ganz zum Schweigen, ist einfach nur noch da in der tröstenden Nähe, im Aushalten einer schweren Situation. Sie ist eine Riesen-Ressource unserer Kirche. Ich habe hohen Respekt gewonnen vor dem, was die Schwestern und Brüder, und auch die im Ehrenamt, in diesem Amtsbereich leisten.“

 

Auf der „schwarzen Liste” der AfD

Im Rückblick erinnerte Domning auch an seine Zeit mit Pfarrer Hans Mörtter an der Lutherkirche in der Kölner Südstadt. Damals richteten  sie ein Kirchenasyl ein, was ein Verfahren der Staatsanwaltschaft nach sich zog, das aber niedergeschlagen wurde. „Ja“, fuhr Domning fort, „das ist so ein Grundgefühl, das sich in den letzten Jahren verstärkt hat. Sich wappnen zu müssen ganz im Sinne der Beschreibung der geistlichen Waffenrüstung. Es ist schon klar, dass wir uns nicht in einen frommen Winkel zurückziehen können. Sich einbringen in den politischen Diskurs, Position zu beziehen, das gehört auch für uns als Christinnen und Christen zu unseren Aufgaben.“

 

Ein Beispiel hierfür war für den Stadtsuperintendenten der Einsatz der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Köln gegen Ausgrenzung und Rassismus beim Kölner Parteitag der AfD. Domning steht inzwischen auf einer „schwarzen Liste“ von „Nürnberg 2.0“. Dort finden sich Personen, die sich, so die Sicht der Verfasser, an der „Islamisierung“ und „Umvolkung“ Deutschlands beteiligen. Hierauf sagte Domning, dass es gelte, ein klares Bekenntnis abzulegen gegen rechte Tendenzen, natürlich auch gegen Antisemitismus. „Es kommt vor allem darauf an, gemeinsam für die Sache Jesu, für Nächsten- und Feindesliebe, für eine offene Gesellschaft und freie Religionsausübung einzutreten und sich nicht beirren und nicht einschüchtern zu lassen.“

 

Entpflichtung durch Präses Rekowski

Präses Manfred Rekowski entpflichtet Stadtsuperintendent Rolf Domning

Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, nannte die Predigt Domnings einen Rückblick auf den beruflichen Lebensweg und gleichzeitig eine Zeitansage. Er würdigte seine Menschenfreundlichkeit gepaart mit rheinischer Gelassenheit. Der scheidende Stadtsuperintendent sei einer der Mitgründer der evangelischen Prots-Sitzung und habe beim Kirchentag in Köln das „Zentrum Liebe“ geleitet. Die evangelische Kirche in Köln sei bunt und vielfältig. Sie berge viele ökumenische Chancen, aber auch viele Herausforderungen. „Der Herr wird seinen Engel mit dir senden und Gnade zu deiner Reise geben“, schloss Rekowski, bevor er Domning in einer feierlichen Zeremonie entpflichtete.

„Der Superstadtdechant“

Stadtdechant Msgr. Robert Kleine

Launig war das Grußwort von Monsignore Robert Kleine. Der Stadtdechant und Doppelkopf-Partner von Domning lobte dessen unermüdlichen Einsatz für die Ökumene und sein Engagement gegen Rechts. Kennen und schätzen gelernt haben sich die beiden kölntypisch bei der Prinzenproklamation im Jahr 2013. „Ob dein Dienst männlich war, weiß ich nicht. Auf jeden Fall war er menschlich“, sagte Kleine.

 

Eine Anekdote hatte Kleine auch parat. Bei einer Veranstaltung standen er und Domning zusammen mit Bettina Böttinger auf einer Bühne am Aachener Weiher. Kurz vor dem Auftritt stellten sie sich der Moderatorin mit ihren Amtsbezeichnungen vor. Böttinger kannte die Amtsbezeichnungen wohl nicht so gut. Sie stellte die Herren so vor: „Das ist Stadtdechant Robert Kleine, und das ist Superstadtdechant Rolf Domning.“ Gelächter in der Kartäuserkirche, ebenfalls lachend erklärte Kleine die Situation mit einem Augenzwinkern für seinen „absoluten Tiefpunkt der Ökumene“.

 

Freund der Synagogen-Gemeinde Köln

Sehr herzlich war das Grußwort von Isabella Farkas von der Synagogen-Gemeinde Köln. Sie lobte Domnings Engagement gegen Antisemitismus. „Sie waren für uns immer ein treuer und verlässlicher Begleiter und haben unbequeme Auseinandersetzung nie gescheut. Wir werden Ihre Geradlinigkeit und Ihren Mut vermissen. Bleiben Sie uns bitte als Freund erhalten. Sie sind bei uns immer willkommen.“

 

Dr. Bernhard Seiger lud alle Gäste zum Empfang im Haus der Evangelischen Kirche ein

Nach dem Schlusssegen des neu gewählten Stadtsuperintendenten Dr. Bernhard Seiger traf man sich im Garten der Kartause zu einem Empfang, bei dem viele Vertreterinnen und Vertreter der Zivilgesellschaft noch einmal mit Rolf Domning ins Gespräch kamen.

 

Hier sehen Sie die Predigt von Stadtsuperintenent Rolf Domning im Video.

Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann/APK