Kirche2go fragt: „Gehören Beten und Kirche zusammen?“

Kirche2go fragt: „Gehören Beten und Kirche zusammen?“

Beten, was ist das eigentlich? Selbstgespräche mit der Wand? Wohin wende ich mich da eigentlich, wenn ich bete? In welcher Situation bete ich und welchen Stellenwert hat das Gebet für uns Christen.
Beten, kann man das lernen? oder verlangt Gott, dass wir jeden Tag beten?
Nico Ballmann betet – jeden Tag, warum, verrät er uns in einer neuen Episoden von #Kirche2go

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Kirche und Beten. Dass Beten ist wohl, glaube ich, das Wichtigste was wir Christinnen und Christen eigentlich besitzen. Dann ist es nicht nur ein: Wir sprechen Dinge aus oder wünschen uns etwas und hoffen dann, dass es irgendwie in Erfüllung geht, sondern: Beten, das ist gelebte Beziehung mit Gott. Und ich weiß noch damals, als ich noch überhaupt nichts mit dem Christentum zu tun hatte und damals – ganz früher – so mit 15, 16 diese eine Pfarrerin zu mir kam, die sagte, probiert es doch mal experimentell aus, drei Monate jeden Abend beten. Da habe ich „Ja“ gesagt. Weil ich sie zum einen widerlegen wollte und jetzt zeigen wollte, dass das gar nichts bringt. Aber zum anderen fand ich das auch ein bisschen spannend. Also habe ich mich hingesetzt, abends und habe angefangen ziemlich blöd erstmal mit der Wand zu reden und das war ein total komisches Gefühl, weil ich dachte, was ist das eigentlich für eine verrückte Situation: Jetzt sitze ich hier auf dem Bett ganz alleine und spreche die Wand an. Nach ein paar Wochen ist aber etwas passiert. Nicht, dass plötzlich mir eine Stimme geantwortet hätte vom Himmel und sagte: „hier macht das so oder so“… Ich hatte plötzlich das Gefühl, dass ich da nicht mehr alleine im Raum sitze. Und vor allen Dingen, dass ich merke, dass ich anders über das, was ich erzähle, nachdenken und reflektieren konnte. Beten das heißt: Sein Leben, seine Probleme, sein Leid, sein Erfolg, seine wunderschönen Momente in einen anderen Rahmen zu setzen, und zwar in den Rahmen, in dem Gott mit auf unser Leben drauf schaut. Und zwar, indem er liebevoll auf unser Leben d’rauf schaut. Das heißt jetzt nicht, dass wenn wir beten, dass plötzlich „Schnipp“, alles erfüllt wird, dass wir plötzlich im Lotto gewinnen, reich sind und alle unsere Probleme irgendwie einfach zerfließen oder so. Nein, beten heißt, dass ich mein Leben aus einer anderen, aus Gottes Perspektive mit betrachten lasse. Und das kann helfen, gerade dann, wenn wir in schweren Situationen sind. Zu wissen es geht jemand mit, das begleitet mich jemand. Aber zum anderen auch nochmal einen anderen Blickwinkel einzunehmen und vielleicht hier und da andere Wege zu erkennen, die vorher vielleicht noch verschlossen waren. Beten, das ist für uns Christinnen und Christen das Wichtigste überhaupt. Wichtiger noch als Gottesdienst, wichtiger noch als diese Kirche oder als irgendwelche Pfarrerinnen und Pfarrer. Beten, das ist eine ganz persönliche Beziehung zu Gott. Etwas, was man eigentlich, wenn man möchte, jeden Tag pflegen könnte. Denn meine Erfahrung ist, wenn man mit Gott durchs Leben geht und ihn dran teilhaben lässt, an Freud und Leid, dann geht man leichter durch dieses Leben in der Gewissheit dass da jemand mit geht, egal wo man hingeht.

Text: APK
Foto(s): APK