Anhaltender Applaus für Pfarrer i. R. Helmut Spengler – Goldenes Ordinationsjubiläum in der Matthäuskirche
Pfarrer i. R. Helmut Spengler feiert sein fünfzigjähriges Ordinationsjubiläum

Anhaltender Applaus für Pfarrer i. R. Helmut Spengler – Goldenes Ordinationsjubiläum in der Matthäuskirche

Unter Corona-bedingten Auflagen feierte die Evangelische Kirchengemeinde Köln-Lindenthal an Pfingsten einen Kurzgottesdienst auch in der Matthäuskirche. Geprägt war er durch die ermutigende Predigt von Pfarrer Armin Beuscher über das Liebesversprechen Gottes sowie das Orgelspiel und den Gesang von Kantorin Ursula Döll. Zudem gratulierten stellvertretend die rund 30 Gottesdienst-Teilnehmenden Pfarrer i.R. Helmut Spengler zum Goldenen Ordinationsjubiläum. Die von Beuscher ihm gegenüber ausgesprochene Wertschätzung verdankt sich auch seinem im Ruhestand fortgesetzten Engagement in der Lindenthaler Gemeinde.

Predigt: Liebeserklärung

In seiner Predigt ging Beuscher zunächst auf das Aufstellen von Maibäumen für die Geliebte, den Geliebten ein. Häufig seien diese Liebesbotschaften mit einem roten Herz versehen, das den Namen der Bedachten trage. „Ja, hier liebt dich eine, liebt dich einer.“ Wenn man das als Beschenkte oder als Beschenkter lese, brauche es eine Weile, bis man es erfreut realisiere. Diese öffentliche Verkündigung der Liebe rutsche vom Kopf in den Bauch und wieder hoch.

Gott habe Pfingsten über den auf die Apostel herabgekommenen Heiligen Geist seine Liebesbotschaft an die Welt, an uns Menschen ausgesprochen, ging Beuscher auf die Bedeutung des Festtages ein. Erfüllt von dieser Botschaft, hätten die Freunde von Jesus diese weitergesagt. Wie Verliebte hätten sie „liebestrunken“ von Gottes Liebeskraft und Treueversprechen erzählt: „Ich bin dir nahe, näher als du dir selbst sein kannst.“

Statt Pfingsten als Geburtstag der Kirche zu bezeichnen, mochte Beuscher lieber von einem Hochzeitstag sprechen. Von einem Tag der Liebeserklärung. Damals habe eine bunte Mischung aus Menschen und Völkern trotz ihrer Unterschiedlichkeit und verschiedenen Sprachen Petrus verstanden. Denn die Sprache der Liebe sei universell und überwinde scheinbare wie tatsächliche Grenzen. „Gemeinschaft hat Kraft“, sprach Beuscher, „als würde der Himmel sich weiten.“ Menschen würden angestoßen, erlebten Unvergleichliches.

Du bist von Gott geliebt

„Diese Liebe und dieses Leben zu feiern macht Pfingsten aus. Du bist von Gott geliebt!“, schloss Beuscher seine Predigt – und ging zur Würdigung von Helmut Spengler über: „Wir feiern heute auch, dass Du fünfzig Jahre diese Liebeserklärung weitererzählt hast.“ Mit Respekt und Wertschätzung stehe die Gemeinde vor seinem Engagement. Vor genau fünfzig Jahren, am 31. Mai 1970, sei er in der Versöhnungskirche der Evangelischen Johannes-Kirchengemeinde Remscheid ordiniert worden. Bei Spengler, der nach 24 Jahren an der Versöhnungskirche Ende 1994 seinen Pfarrdienst in der Lindenthaler Gemeinde antrat, bedeute das Kürzel i. R. nicht „im Ruhestand“, sondern „in Reichweite“, verwies Beuscher auf dessen fortgeführte Aktivitäten in und für die Gemeinde.

Seine Pensionierung im Jahr 2006 sei eher mit einem Doppelpunkt versehen. Er habe die ihm am Herzen liegenden Projekte noch intensiver begleitet und gestaltet. Dazu zählten die Arbeit mit Kindern, Senioren und Bedürftigen. Dazu gehörten Sonntagsgottesdienste und vor allem Trauerfeiern. Beuscher nannte Spengler einen Anpacker und pastoralen Allrounder, der seinen Dienst mit Herzblut leiste, weil er ihn als Seelsorge verstanden habe und verstehe. Wir könnten Spengler auch in Corona-Zeiten ganz persönlich danken, mit einem Lächeln hinter dem Mundschutz. Denn ein Lächeln sehe man auch an den Augen. Als Beuscher ihm einen edlen Champagner als Gruß der Gemeinde und als persönliche Gabe einen Rosenstrauß überreichte, musste der gerührte Laudator schlucken: „Es gibt besondere Momente, wo ich Rosen sprechen lassen möchte.“ Mit anhaltendem Applaus schloss sich die Gemeinde dem Lob des Pfarrers an.

Spenglers Lebenslauf

Geboren 1941 in Remscheid-Lennep, studierte Spengler in Wuppertal, Tübingen, Heidelberg und Bonn. Nach seiner Ordination 1970 erhielt er einen einjährigen Beschäftigungsauftrag an der Remscheider Versöhnungskirche und hatte ab 1971 die dortige Pfarrstelle inne. Zu seinen vielen Arbeitsfeldern zählte viele Jahre eine umfangreiche offene Jugendarbeit mit regelmäßigen Freizeiten in Österreich. Familiäre Gründe hätten ihn 1994 nach Köln geführt, erinnert Spengler im Gespräch. Durch „Zufall und Glück“ sei er in der Lindenthaler Gemeinde „gelandet“; „Ich fühlte mich hier direkt sehr gut aufgenommen.“

In seinem Zuständigkeitsbereich, dem Pfarrbezirk Paul-Gerhardt-Kirche, habe er als einen seiner Schwerpunkt regelmäßig Besuche alle Art durchgeführt: Haus- und Krankenbesuche, Besuche in Seniorenheimen und für Amtshandlungen. Die Anzahl beziffert er mit  jährlich rund 450 Besuchen. „Ich wollte die Gemeinde und sie sollte mich kennenlernen.“ Unglaublich viele Kontakte hätten sich dadurch entwickelt. Zahlreiche dieser persönlichen Beziehungen bestünden bis heute. Dies sei auch der seit Anfang 1996 aufgebauten beziehungsweise intensivierten Seniorenarbeit mit bis 2013 durchgeführten Freizeiten innerhalb Deutschlands geschuldet.

Helmut Spengler heute

Noch heute organisiert er die wöchentlichen Treffen mit bis zu fast fünfzig Seniorinnen und Senioren. Dabei legte er stets großen Wert darauf, nicht nur Kaffee und Kuchen anzubieten, sondern auch ein abwechslungsreiches Programm mit inhaltlicher Arbeit. Dass man in Corona-Zeiten nicht tagen könne, sei ganz bitter für die älteren Menschen, so Spengler. Um die Verbindung aufrecht zu halten, schreibe er ihnen alle 14 Tage einen Brief. „In diesen bringe ich sie auf den neuesten Stand. Sie freuen sich sehr darauf, dass wir uns nach Aufhebung der Beschränkungen wieder treffen können.“

Schon in Remscheid hatte Spengler, der als ordentlicher Pfarrer auch in der Kirchentagsarbeit und Diakonenausbildung tätig war, einen Gospelchor initiiert und zwanzig Jahre geleitet. In Lindenthal erfüllte er sich nach seiner Pensionierung mit der Gründung eines Kinderchores einen weiteren Wunschtraum. In der Spitze gehörten dem inzwischen eingestellten Chor mit dem Namen „Die Musifanten“ fast sechzig Kinder im Alter von 2 bis 6 Jahren an. „Ich bin dankbar, dass die Gemeinde mir die Möglichkeit gibt, hier weiter arbeiten zu können“, sagt Spengler. Glücklicherweise befinde er sich mit seinen fast achtzig Jahren in einem guten gesundheitlichen Zustand.