Der Höhenhauser Pfarrer Kurt Eschert wurde verabschiedet

Der Höhenhauser Pfarrer Kurt Eschert wurde verabschiedet

28 Jahre war Kurt Eschert Pfarrer an der Pauluskirche der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Höhenhaus. Nun wurde er dort von rund 350 Mitgliedern und Gästen in den Ruhestand verabschiedet. Die Entpflichtung nahm Andrea Vogel vor, die Superintendentin des evangelischen Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch. Weiterhin bestehende Freundschaften und Kontakte, ungezählte Erinnerungen und etliche Abschiedsgeschenke werden dafür sorgen, dass Eschert am neuen Wohnort Leverkusen-Schlebusch seine frühere Wirkungsstätte nicht vergisst. Unter anderem überreichte ihm Künstlerin Betty Hellmich, Gemeinde- und Chormitglied, ein Ölgemälde, das das Gemeindezentrum am Dreisamweg zeigt.

Vikariat in der bayerischen Landeshauptstadt
Der gebürtige Essener, Jahrgang 1946, absolvierte sein Theologie-Studium in Tübingen, Heidelberg sowie Mainz. Von dort zog es ihn nach München. An der Ludwig-Maximilians-Universität übernahm er eine Assistenzstelle am Lehrstuhl für Neutestamentliche Theologie, auf den sein früherer Mainzer Professor Ferdinand Hahn berufen worden war. 1981 bis 1983 folgte ein Vikariat in der bayerischen Landeshauptstadt. Und im April 1983 trat er seine Stelle in der Gemeinde Höhenhaus an.

Starke Kinder- und Jugendarbeit
Eschert hat sich stets für den Ausgleich in der Gemeinde eingesetzt. Das bedeutet: Kinder- und Jugendarbeit fördern, aber darüber andere wichtige Aufgaben, etwa die Seniorenarbeit, nicht vernachlässigen. „Dieser Ausgleich bekommt der Gemeinde gut, weil keiner das Gefühl hat, benachteiligt zu werden.“ Gut nachvollziehbar ist das Einbeziehen aller Generationen, wenn man sich die zeitnahe Entwicklung zweier Gemeindeprojekte betrachtet. Einerseits wurden 1988/89 mit Hilfe der Antoniter Siedlungsgesellschaft mbH seniorengerechte, moderne Wohnungen errichtet. Andererseits erfolgte 1988 mit großer Unterstützung des Kirchenverbandes die Gründung des Kindergartens und wenige Jahre später die Einweihung des Kitagebäudes. 2004 kam ein Altenpflegeheim mit 75 Plätzen hinzu. Getragen von den Johannitern werde die Arbeit im Stift auf vielfältige Weise von Ehrenamtlichen aus der Gemeinde unterstützt. „Sie besuchen die Bewohnenden, unternehmen mit ihnen Spaziergänge, organisieren Veranstaltungen“, nennt Eschert einige der Aktivitäten. Im Bereich Kinder und Jugend sei die Gemeinde ebenfalls sehr gut aufgestellt. Zurück gehe dies insbesondere auf die starken und nachhaltigen Erneuerungen in der Gemeinde in den achtziger Jahren. Damals sei unter anderem die Stelle für einen hauptamtlichen Jugendmitarbeiter eingerichtet worden. Diese existiere unverändert, ungeachtet der erfolgten notwendigen Einsparungen und Kürzungen.

„Die Gemeinde wird wieder wachsen“
In Escherts Amtszeit fiel auch die Fusion der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Höhenhaus mit der benachbarten Evangelischen Bodelschwingh-Kirchengemeinde Köln-Höhenhaus. Schon in den Jahren zuvor hätten beide Gemeinden intensiv zusammengearbeitet. Am 1. Juli 2008 kam es dann zum amtlichen Zusammenschluss, der „viel mehr Spielraum und neue Möglichkeiten für die Protestanten im Stadtteil“ eröffnete. Unter anderem stehen den Mitgliedern seitdem zwei Gemeindezentren zur Verfügung. Derzeit beträgt die Mitgliederzahl rund 2.700. Aber die Gemeinde werde wieder wachsen, verweist Eschert auf ausgewiesene Neubaugebiete.

Kirchen waren in der DDR von besonderer Bedeutung
Gerne blickt Eschert zurück auf die Gemeinde-Partnerschaft mit Jacobsdorf in Brandenburg – damals, zu DDR-Zeiten. „Kirchen hatten in der DDR eine wichtige Position inne. Kirchen und Gemeinden haben mitgewirkt bei der friedlichen Revolution und eine großen Anteil an deren Erfolg“, so Eschert. Es sei eine sehr spannende Zeit gewesen, erinnert er sich an Pfarrertreffen im Französischen Dom in Ost-Berlin, an regionale Kirchentage in den zentralen Städten. „Das war alles sehr intensiv, sehr politisch, verbunden mit einer theologischen Idee – und es war sehr mutig.“ Vieles von diesem Engagement sei heute fast in Vergessenheit geraten.

Acht Jahre Referent an der Melanchthon-Akademie
Als einen seiner Interessenschwerpunkte nennt Eschert die Erwachsenenbildung. So war er von 1984 acht Jahre Referent an der Melanchthon-Akademie. Ebenso führte er in der Gemeinde bis zuletzt beispielsweise theologische Gesprächs- und Literaturabende durch. „Dabei haben wir uns etwa mit Dieter Wellershoffs´ ´Der Himmel ist kein Ort´ oder Bernhard Schlinks ´Der Vorleser´ beschäftigt.“ Neben der Literatur dem anspruchsvollen Film zugeneigt, war es für Eschert eher mit Vergnügen als Mühe verbunden, wenn er im Gemeindezentrum unregelmäßig zu entsprechenden Vorführungen einlud.

Kritik an zunehmender Profillosigkeit
Im Ruhestand möchte er an frühere Zeiten anknüpfen und sich dem Schreiben widmen. Beschäftigen will er sich insbesondere mit dem Protestantismus in der Gegenwart. „Nicht nur die Katholische Kirche befindet sich in einer Krise, sondern auch die Evangelische“, lautet Escherts Grundthese. Die Situation beschreibt er als „Gemischtwarenladen“. Konservative, Liberale, Pietisten und viele andere stünden nebeneinander, ohne dass das diskutiert werde, kritisiert er die zunehmende Profillosigkeit. „Man muss miteinander darüber ins Gespräch kommen, was Protestantismus ist.“ Escherts Antwort auf diese Frage lautet: „Protestantismus ist die moderne Form des Christentums.“ Dafür sei es notwendig, „unser Profil zu schärfen gegenüber der Katholischen Kirche und auch gegenüber Sekten“.

Pfarrerin Kerstin Herrenbrück folgt
Nachfolgerin Escherts auf der Einzelpfarrstelle in Höhenhaus ist Pfarrerin Kerstin Herrenbrück. Sie wird am Sonntag, 12. Februar 2012, 16 Uhr, in der Pauluskirche, Dreisamweg 11, in ihr neues Amt eingeführt.

Text: Engelbert Broich
Foto(s): Engelbert Broich