Kölns ehrenamtliche Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes und Bezirksbürgermeister Josef Wirges (hinten, von links) hatten tragende Aufgaben: Sie feierten das 25-jährige Bestehen des Bickendorfer „Café Bickolo“, Gudrun Alles‘ (vorne links) zehnjähriges Jubiläum als Leiterin des Projekts, und sie verliehen dem Stadtteil-Café und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Ehrennadel der Stadt Köln.



„Café Bickolo müsste es in jedem Stadtteil geben“ – 25. Geburtstag

„Dass dieser Stadtteil so lebenswert ist, dazu hat das Café Bickolo erheblich beigetragen!“, fasste Kölns ehrenamtliche Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes die breite Anerkennung der vielen Gäste aus Politik, Verwaltung, Nachbarschaft und der Kooperationspartner zusammen: Das Café Bickolo im Kölner Westend feierte seinen 25. Geburtstag im großen Stil auf dem Clemens Hastrich Platz und erhielt als besondere Auszeichnung die Ehrennadel der Stadt Köln.

Ehre wem Ehre gebührt

Vor einem Vierteljahrhundert sah es in Köln-Bickendorf anders aus. Unterschiedliche Kulturen lebten hier immer schon, ebenso wie kinderreiche Familien, viele Alleinerziehende und Sozialleistungsempfänger – eine Mischung, die oft Konfliktpotenzial birgt und damals noch auf wenig Infrastruktur bauen konnte. Es fehlte an Einkaufsmöglichkeiten, Schulen, Kindergärten und vielem mehr. Heute sind die Plätze sauber, es ist Leben auf den Straßen und die Familien sind eng mit ihrem Veedel verbunden. „Sie haben das Vertrauen der Menschen hier gewonnen und viel erreicht“, erklärte Elfi Scho-Antwerpes den Unterschied. „Ein Café Bickolo müsste es in jedem Stadtteil geben!“

Knapp 5.500 Menschen leben im Kölner „Westend“ und Bickendorf „… ist immer noch ein Ankommens-Stadtteil. Was wir hier an Zusammenhalt sehen, ist das Ergebnis der Arbeit vieler Institutionen“, bedankte sich Gudrun Alles, Leiterin des Café Bickolo, bei den vielen Ehrenamtlichen von damals und heute, denen ein großes Angebot an Hilfs- und Gemeinschaftsmöglichkeiten zu verdanken ist. Eine auch kurzfristig wahrnehmbare Schuldner- und Sozialberatung, eine Kleiderkammer, Kinder- sowie Eltern-Kind-Gruppen, Ferienangebote, Hausaufgabenhilfe, Kochgruppen, der Seniorentreff u.v.m. bringen die Menschen des Stadtteils zusammen – im Café Bickolo, wo es für kleines Geld auch noch Kaffee und Frühstück gibt.

Räume, die wichtig sind

„Solche Räume sind wichtig“, sagt Sozialpädagogin Gudrun Alles. „Wo man sich zeigen kann wie man wirklich ist.“ Die Vertrauensbasis, die dafür notwendig ist, beruht auf der Kontinuität gewachsener Beziehungen, ist sich Gudrun Alles sicher. Sie selbst ist seit zehn Jahren im Café Bickolo engagiert und kennt die sozialen Schwierigkeiten, die durch hohe Jugendarbeitslosigkeit und Anonymität noch verstärkt werden. „Jetzt nach der langen Zeit kennt man die meisten hier in Bickendorf aber von klein auf und sie hören zu, wenn man etwas sagt.“ Die Leiterin des Cafés ist selbst zum Herzstück der ökumenischen Begegnungsstätte geworden und wurde auch auf der Eröffnungsfeier kurzfristig zum Mittelpunkt. Als Überraschungsprogrammpunkt schoben ihre Freunde, Mit-Helfer und Redner ein großes Dankeschön für ihr Jahrzehnt Arbeit im Veedel ein.

Mit Aufmerksamkeit und Zuverlässigkeit gehen sie und ihre ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gegen die Broken-Window-Theorie an, sagt Gudrun Alles: Mit Ordnung, verbindenden Angeboten, sauberen Plätzen, gepflegten Beeten und Spielplätzen wirken sie überzeugend erfolgreich der Gleichgültigkeit, Langeweile und möglichem Vandalismus entgegen.

Kontinuität gegen die Broken-Window-Theorie

Mit genau diesem Ziel vor Augen mieteten vor 25 Jahren Pfarrer Stephan Schmidtlein und andere Mitglieder der Evangelischen Kirchengemeinde die als Gemüseladen geplanten Räume als Café an. „Es war uns klar, dass der Ansatz, nur FÜR die Leute etwas zu tun, nicht weit tragen würde – es musste ein ZUSAMMEN werden“, erinnerte Schmidtlein, der inzwischen heute Pfarrer in Düren ist. Als symbolisches Geschenk brachte er ein Sonnenlicht-Glas mit, das dafür stehen soll, wie wenig es eigentlich braucht, um große Strahlkraft zu entwickeln. Bestes Beispiel ist der Waren-Fair-Teiler, den es seit ein paar Monaten gibt: Derzeit passt sein Inhalt noch auf ein Fahrrad, bald soll aber ein passender Schrank angeschafft werden, der mehr Stauraum bietet. Mit wenig Aufwand wird auf diese Weise eine kostenlose Ausgabestelle geschaffen, die für viele Familien am Monatsende wichtig ist. Und was Café Bickolo insgesamt für das Westend bedeutet, fasste Bezirksbürgermeister Josef Wirges schnörkellos aber treffen aus Politiker-Sicht zusammen: „Hier… ist das Geld wirklich gut angelegt!“

Öffnungszeiten und Angebot: www.bickolo.de

Text: Claudia Keller
Foto(s): Claudia Keller