Gemeinschaft von ihrer besten Seite bewegt: Stillsitzen ist für Menschen, die nicht an einem Open-Air-Familiengottesdienst teilnehmen.



Sommer unter Kastanien – Ferien mit Vielen

Mit Kindern Urlaub zu machen, der diesen Namen verdient, grenzt oft an die Quadratur des Kreises. Alle wünschen sich alles – am besten gleichzeitig! In „Il Castagneto“ im italienischen Piemont verbrachten im August mehr als 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 24 Familien zusammen laute, leise, volle, abgeschiedene und vor allem bunte Ferien mit vielen Gegensätzen: Ruhe für die Großen ohne Langeweile bei den Kleinen, viel gutem Essen ohne zu kochen und gemeinsamem Spaß ohne Gruppenzwang. Ein Sommer, der zeigte, dass man sich nicht vorher kennen muss, um zusammen eine gelungene Auszeit zu genießen.

Kirchen-Kommune im Piemont

Zum fünften Mal organisierte die Evangelische Gemeinde Köln eine Freizeit für Familien aller Art im italienischen Piemont – „klassisch-komplett“, gleichgeschlechtlich, alleinerziehend oder mit Freunden unterwegs. Auf 700 Metern Höhe im Val Pellice in der internationalen ökumenischen Begegnungsstätte „Il Castagneto“ südwestlich von Turin, finden Erwachsene zwischen Swimming Pool, Boulebahn, Tischtennisplatte, Riesenschach, am Klavier oder mit einem Espresso im Liegestuhl unter einem der vielen Kastanienbäume genau so leicht einen Lieblingsplatz wie ihre Kinder. Die einzige Verpflichtung innerhalb der knapp zwei Wochen: Gelegentlicher Küchendienst zu den absolut köstlichen Mahlzeiten mit Hauswein.

Für alle mit dem Wunsch nach mehr Aktion und/oder Kultur standen Ausflüge zum Wasserfall, in eine Höhle, auf Berggipfel oder nach Turin, Wanderungen (auch in groß für Große), Angeln, Lagerfeuer und Schwimmen im Fluss auf einem vollen Programmzettel. Alle anderen hatten einfach… Zeit. „Um den Trubel der Gruppe ab und zu draußen zu lassen“, boten Co-Organisatorin Christine Junker und Leiter der Familienreise, Christoph Rollbühler, Yoga und Abendstille an. Die Übungen entspannten, kurze Bibelverse und Gebet halfen, ruhig zu werden. Knapp zwei Wochen, die jeder im eigenen Tempo und nach eigenen Wünschen gestalten konnte.

Glänzten durch Abwesenheit: die Glühwürmchen

„Wer plaudern möchte, findet Gesellschaft. Er muss aber nicht“, bringt Christine Junker das Credo auf den Punkt: Gemeinschaftszeit, aus der man sich jederzeit auch zurückziehen und für sich sein kann. Sie und Christoph Rollbühler, Pfarrer der Christuskirche, vermissten in diesem Jahr trotzdem etwas. „Die Glühwürmchen! Bei unseren vorherigen Fahrten etwas eher im Sommer waren abends Hunderte zu sehen.“ Ihr Fehlen konnte glücklicherweise durch eine ausreichende Anzahl Ziegen ausgeglichen werden, die ab dem ersten Hahnenkrähen mit Glöckchen um den Hals um das Gelände wanderten.

„Wir fahren an einen der zauberhaftesten Orte der Welt“, kündigte Rollbühler seinen Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei den Vorbereitungen an. Auch die Organisatorinnen und Organisatoren mit ihren Familien haben sich in den vergangenen Jahren an Ort und Gegend „festgeliebt“. Beide besitzen mitreißende Talente, in ihre Ideen von positivem und vielfältigem Miteinander hineinzuziehen, jeder auf seine Weise. Christine Junkers ist ganz greifbar und machte schon im Rundschreiben vor Abfahrt gute Laune: „PS: Unsere neu angeschafften Wasserpistolen haben eine Mega-Reichweite. Ich freue mich schon auf die Wasserschlacht!“ Zu Recht!

Gemeinschaft von ihrer besten Seite

„Il Castagneto“ zwischen Wiesen, Bergen, Bächen, kleinen Dörfern und in einem Tal mit bewegter Kulturgeschichte ist mit voller Absicht das Gegenteil eines anonymen Hotelbetriebes. Christian Lazier und seine Familie leben für ihre Gäste und mit ihren Gästen. Der Familienbetrieb gründet sich seit über 50 Jahren auf die Werte der Waldenser, einer protestantischen Glaubensgemeinschaft, für die gemeinschaftliches Leben und Religionsfreiheit im Zentrum ihres Glaubens standen. Die familiäre Gastfreundschaft aus Überzeugung und die heile Atmosphäre schaffen immer noch den perfekten Hintergrund, um Gemeinschaft von ihrer besten Seite zu erleben. Und dabei neue Freunde zu gewinnen, jeder für sich.

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Mehr über die Waldenser und die „Himmlische Herberge“ Il Castagneto:
Chrismon-Artikel – Die Waldenser, ihre Tradition und wie sie Flüchtlingen helfen

www.il-castagneto.de/

Text: Claudia Keller
Foto(s): Claudia Keller