Die Proben machen sichtbar Spaß und diesen Spaß gibt es sicher auch während der Aufführung



Premiere in der Kartäuserkirche – PROT’s Sitzung erobert einen historischen Ort

Vor 22 Jahren war es endlich soweit: Evangelische Kölner stürmten den Karneval. Die Historie der Prot‘s-Sitzung begann in der evangelischen Auferstehungskirche in Bocklemünd. Dort wurde es später zu eng, man zog nach Rodenkirchen und nun sind die Macher der Sitzung mit dieser in der Kölner Südstadt und in der Kartäuserkirche angelangt. Schon in wenigen Tagen erschallt „Blauköpp Alaaf! Prot‘s Sitzung Alaaf! Kartäuserkirche Alaaf!“ in den historischen Räumen.

„Wir sind sehr tolerant hier in Colonia“, singen die gut 25 Laiendarsteller, dabei wird sogar das Düsseldorfer Alt-Bier eine Rolle spielen. Stundenlang wird geprobt, die Stimmung im Ensemble ist gut und engagiert. „Das muss sitzen, das ist der erste Teil in der zweiten Halbzeit, wir fangen noch einmal an“ – Lutz Weber und Sabine Nurtsch „regieren“ am Regietisch. Die beiden beobachten jeden Schritt, der auf der Bühne gegangen wird. Alles wird detailliert überlegt und auch besprochen. „Ihr steht einfach noch zu weit außen“, der nächste Tipp kommt schnell. „Ich möchte richtig dramatische Momente erleben“, betont Weber noch einmal. Die Technik wird ebenfalls ausprobiert. „Ich höre die Anweisungen auf der Bühne nicht, das ist einfach hinderlich“, kommt es aus den Reihen der Darsteller. Auch das wird gelöst – schließlich ist die heutige Generalprobe der geeignete Moment, noch einmal alles zu überprüfen. Nach jedem Stück versammeln sich alle noch einmal und halten „Kriegsrat“ – anschließend geht es munter weiter.

„Wir sind fern ab vom Perfektionismus. Und das ist auch gut so“, schmunzelt Pfarrer Mathias Bonhoeffer. Er ist evangelischer Pfarrer der Kölner Kartäuserkirche in der Südstadt und diesmal spielt er nicht auf der Bühne, sondern im Hintergrund eine wesentliche Rolle. „Die letzten Male war ich Teil des Ensemble, das konnte diesmal aus verschiedenen Grünen nicht realisiert werden“, so Bonhoeffer. Er hat dennoch alle Hände voll zu tun, denn es ist auch für ihn das erste Mal, dass in der Kirche, die ja eben kein modernes Gemeindezentrum ist, sondern ein historischer Ort, eine solche Veranstaltung stattfinden wird. „Wir mussten ein richtiges Konzept für die Sache ausarbeiten. Zum Beispiel haben wir hier ja keinen Saal, die Gäste sitzen nicht an klassischen Tischen, sondern in Kirchenbänken“, schildert er die Überlegungen im Vorfeld. „Wir lassen jetzt vom Nippeser Verein Zug um Zug e.V. Bretter herstellen und montieren, damit die Sitzungsbesucher ihre Verpflegung essen können und es dennoch gemütlich haben“, so Bonhoeffer. Für Speis und Trank werden Helfer vom evangelischen Kirchenverband sorgen. „Es hat sich – um die Sitzung hier zu realisieren – eine starke Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde und dem Verband entwickelt, die es so, in dieser Konzentration, zuvor nicht gab“, berichtet er weiter. Dies sei ein guter Schritt.

Mit dem Spielort Kartäuserkirche ist die Prot‘s Sitzung zurück in den Räumen einer Kirchengemeinde. Zwischen dem Gemeindezentrum in Bocklemünd und der jetzt anstehenden Premiere wurde in der Aula des Berufsförderungswerks der Diakonie Michaelshoven gespielt. „Wir wollten gerne zurück an eine Gemeinde und sind froh, dass wir hier agieren können. Im Hintergrund laufen viele Arbeitsschritte, um das alles zu ermöglichen“, weiß Pfarrerin Dorothee Schaper. Sie ist – ebenso wie einige andere – „Wiederholungstäter“ und von Beginn an dabei. Die Mannschaft besteht aus Pfarrern und anderen „Spaßmachern aus dem evangelischen Umfeld“, beschreibt sie mit einem Augenzwinkern. Doch nicht nur auf der Bühne wird agiert: „Über 100 ehrenamtliche Helfer sind aktiv, damit die Sitzung in gewohnter Manier stattfinden kann. Nun sind wir sehr gespannt auf die Resonanz“, betont Schaper.

Mehr als drei Stunden Programm haben die „Jecken Blauköppe“, zusammen gestellt. Die Auseinandersetzung mit dem Christentum steht dabei neben der Idee, sich auch einmal selber „hops zu nehmen“, formuliert die Pfarrerin den Tenor der Sitzung. „Für mich ist die Sitzung auch heute noch, nachdem es sie schon seit 22 Jahren gibt, etwas besonderes. Es geht natürlich um kirchliche, aber auch um politische und gesellschaftliche Themen, ergänzt Bonhoeffer. So wird es eine Nummer mit „Papst-WG“ geben, „da braucht es schon christliche Sozialisation, um die Zusammenhänge zu verstehen“, verrät der Hausherr. Natürlich spielt die Nachbarstadt Düsseldorf eine große Rolle. Thema ist außerdem der Gottesdienst in Zeiten von Datenschutz. Die West-Side-Story spielt eine Rolle. Einer von mehreren Höhepunkten ist zudem der „Kindergarten der Babydiktatoren“: Hier tauschen sich Erdogan, Putin und Trump aus.

Weitere Details werden hier nicht verraten – denn Premiere ist in der Kartäuserkirche, Kartäusergasse 7B am Samstag, 16. Februar, um 19:30 Uhr. Weitere Termine sind am Sonntag, 17. Februar, 18 Uhr, am Freitag 22. Februar, 19:30 Uhr, Samstag, 23. Februar, 19:30 Uhr und die letzte Aufführung gibt es am Sonntag, 24.Februar um 18 Uhr. Einlass ist jeweils eine Stunde vor Beginn, die Karten kosten 23,40 Euro und sind über KölnTicket sowie in der Evangelischen Informationsstelle (Cafè Stanton, Antoniterkirche) erhältlich. Mit dem Erlös werden traditionell soziale Projekte unterstützt.

Text: Judith Tausendfreund
Foto(s): Judith Tausendfreund