„Keiner darf verloren gehen!“

„Keiner darf verloren gehen!“

Seit Dezember 2017 nehmen neun geflüchtete Syrer zwischen 24 und 45 Jahren an dem Lehrgang Berufsfachliche Qualifizierung in der Elektrotechnik – Schwerpunkt Mikrocomputertechnik, Mikrocontroller- und Digitaltechnik – teil, der im Horremer Energie-Kompetenzzentrum vom CJD angeboten wird. Um die Geflüchteten gut zu integrieren in die Gesellschaft, ist das Erlernen der Sprache und eines Berufes unabdingbar. Doch wie stellt man überhaupt erst mal fest, was die Geflüchteten können? Das war die Frage, mit der sich auf Initiative von Kreistagsmitglied Klaus Lennartz die Fraktionen des Rhein-Erft-Kreises beschäftigten. Gefunden wurden Lehrsysteme am Computer von der Sindorfer Firma Lucas Nülle, die in 38 Sprachen laufen, die Agentur für Arbeit in Brühl als Partner und das CJD in Kerpen als ausführender Träger.

Mit einem Bildungsgutschein können die Geflüchteten an der Maßnahme teilnehmen. Gemeinsam wollen das Christliche Jugenddorfwerk, Kreis und Agentur mit dem Lehrgang helfen, Geflüchtete in Arbeit oder Ausbildung zu bringen und damit einen Beitrag zur Integration leisten. Markus Besserer, CJD Gesamtleiter NRW Süd/ Rheinland, wies bei der Vorstellung der Maßnahme daraufhin, dass das CJD als Organisation langjährige Erfahrung in der Flüchtlingsarbeit hat: „Die Erfahrung, die wir haben ist, dass Menschen, die vollkommen unterschiedlich sind, nicht nur von ihrer Lebensgeschichte, sondern auch von den Bildungsvoraussetzungen. Man muss eigentlich jedem ein besonderes Angebot machen und herausbekommen, was jemand an formaler Bildung, aber auch non formal mitgebracht hat. Ihre Interessen, Neigungen, Fähigkeiten. Wir haben gelernt, dass bei denen, die nicht richtig gefördert werden, die Voraussetzungen verkümmern.“

Johannes Klapper, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit in Brühl, ist nicht nur überzeugt von der Maßnahme, weil sie sowohl Bildungs- und technische Inhalte und Sprache durch das lerndidaktische Material unter einen Hut bringt, sondern weil die sechsmonatige Qualifizierung eine qualifizierte Eignungsfeststellung der Teilnehmenden bietet. „Wenn jemand feststellt, dass sein Wunsch 'ich will Techniker oder Ingenieur werden, ich will studieren', jetzt unterlegt ist durch 'ich hab da an einer Maßnahme teilgenommen und mit Technik gearbeitet, da habe ich Erfahrung gesammelt und das kann ich einem Arbeitgeber zeigen', dann erhöhen wir damit die Chancen derjenigen, die die Qualifizierung durchlaufen und durchhalten“. Wenn die Teilnehmer die sechsmonatige Qualifizierung bestanden haben, stehen Praktika in Betrieben, erste Jobs oder Ausbildungen und Studium an.

Auch bei Alltagsproblemen ist das CJD für die Männer Ansprechpartner, berichtet CJD-Sozialpädagoge Roland Dammers: „Es ist meine spezielle Aufgabe, alle Hemmnisse zu beseitigen, die irgendwie der Aufnahme eines Berufes oder einer Ausbildung entgegenstehen könnten. Teilnehmer kommen zu mir, 'ich habe eine Kündigung für die Wohnung bekommen, was soll ich machen, ich versteh den Brief vom Jobcenter nicht, was wollen die von mir?'“. Die Berufsfachliche Qualifizierung vermittelt theoretische und praktische Grundlagen der Mikrocomputertechnik, der Mikrocontrollertechnik und der Digitaltechnik. Berufsbezogene Inhalte sind zum Beispiel Schaltungen: Typen, Aufbau, Überprüfung und Fehlersuche, integrierte Schaltkreise. Mikrocomputer und Mikroprozessoren: Architektur, Funktion, Anwendung, Programmierung.

Allgemeine Inhalte sind zum Beispiel Sozialkunde, Wirtschaft und Politik und Mathematik. Gegen Ende der Qualifizierung absolvieren die Teilnehmenden ein vierwöchiges Praktikum in einem Unternehmen. Die Qualifizierung soll den geflüchteten Menschen ermöglichen, eine Arbeit, eine Ausbildung oder eine weiterführende Fortbildung im Bereich Elektrotechnik zu beginnen. Falls erforderlich, erhalten sie auch eine sprachliche Förderung und sozialpädagogische Betreuung bei anderen Herausforderungen im Alltag. Die geflüchteten Menschen können mit einem Bildungsgutschein an der Qualifizierung teilnehmen und erhalten nach Abschluss eine Teilnahmebescheinigung, mit der sie Arbeitgebern oder Ausbildungsbetrieben nachweisen können, welche Inhalte und Schwerpunkte sie bereits erfolgreich erlernt haben. Das CJD bietet jährlich 155.000 jungen und erwachsenen Menschen Orientierung und Zukunftschancen. Sie werden von 9.500 hauptamtlichen und vielen ehrenamtlichen Mitarbeitenden an über 150 Standorten gefördert, begleitet und ausgebildet. Grundlage ist das christliche Menschenbild mit der Vision „Keiner darf verloren gehen!“

Text: CJD
Foto(s): CJD