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Evangelische Jugend Neu HöVi übernimmt Patenschaft für Stolpersteine: Erinnerung an Grete, Leo, Rolf und Ruth Jakobs

Vier Stolpersteine erinnern seit kurzem auf dem Bürgersteig an der Olpener Straße 64 an die jüdische Familie Jakobs. Mutter Grete, Vater Leo sowie die beiden Kinder Rolf und Ruth haben dort bis zum Frühjahr 1941 gewohnt. Dann wurden sie von den Nazis gezwungen, die Wohnung zu räumen und in eines der sogenannten „Ghetto- oder Judenhäuser“ im linksrheinischen Köln zu ziehen.

Darunter waren einerseits Häuser und Wohnungen von Juden und Jüdinnen zu verstehen, aber auch Gebäude der jüdischen Gemeinden wie Lehranstalten, Betsäle, Altersheime, Krankenhäuser und sogar Friedhofshallen. Die Bedingungen der Unterbringung waren menschenunwürdig. Als gesichert gilt, dass Grete, Leo und die beiden Kinder 1942 im Ghettohaus an der St. Apernstraße verbrachten. Am 18. September wurden sie in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Leo wurde am 28. September 1944 von Theresienstadt in das Vernichtungslager Auschwitz Birkenau verschleppt und ermordet. Das gleiche Schicksal ereilte Grete, Ruth und Rolf am 9. Oktober 1944.

Die Patenschaft für die beiden Stolpersteine für die Kinder hat die evangelische Jugend Neu HöVi übernommen. Die für die Stolpersteine der Eltern die Evangelische Kirchengemeinde Vingst-Neubrück-Höhenberg. Der Künstler Gunter Demnig war vor Ort, um die Steine zu verlegen.

Leo Jakobs war Kaufmann, seine Frau Grete war Kaufmannstochter. Die beiden haben 1931 in Köln-Kalk geheiratet. Anfangs wohnten sie in Vingst, ab 1937 an der Olpener Straße 64.

Die evangelische Jugend hat 2021 bei einem Videowettbewerb 250 Euro gewonnen. „Der Jugendausschuss beschloss, für dieses Geld eine Patenschaft für einen Stolperstein in Höhenberg oder Vingst zu übernehmen“, erzählt Petra Kempe, Jugendleiterin der Gemeinde. Man habe Kontakt aufgenommen mit dem NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln aufgenommen. Dort wurde eine zentrale Stelle geschaffen, die nach Personen recherchiert, derer gedacht werden kann. Es war allerdings alles nicht so einfach. „Wir nahmen Kontakt auf, und es stellte sich heraus, dass es keine Informationen zu Verfolgten oder ermordeten Menschen des Nationalsozialismus gab, die in Höhenberg/Vingst gelebt haben.“

Stolpersteine putzen und zum Gedenken treffen

2023 hatte man im NS-Dok schließlich die Familie Jakobs gefunden. Nach der Zeremonie mit Gunter Demnig legten Mitglieder des Jugendausschusses Blumen nieder. Die evangelische Jugend Neu HöVi wird die Steine einmal im Jahr putzen und sich bei den Stolpersteinen zum Gedenken treffen. „Die Bildungsarbeit für ein Erinnern und gegen ein Vergessen der Gräueltaten des Nationalsozialismus werden weiter wichtiger Bestandteil unserer Jugendarbeit sein“, sagt Petra Kempe.

Ganz konkret: Die Konfigruppe und andere Jugendliche machen sich in diesem Jahr auf „Stolperstein-Entdeckungstour“ in Höhenberg und Kalk. Im Herbst steht eine Fahrt zur Kriegsgräberstätte Ysselhoven in den Niederlanden an. Ysselsteyn ist die einzige deutsche Kriegsgräberstätte in den Niederlanden. Dort haben 32.000 Kriegstote des Zweiten Weltkriegs haben ihre letzte Ruhestätte gefunden. Die große Mehrzahl der Kriegstoten sind deutsche Soldaten, die ihren Wehrdienst verrichtet haben. Aber auch SS-Angehörige und Kriegsverbrecher, niederländische Kollaborateure, Unterstützer der Wehrmacht aus anderen Nationen sowie einige Zivilisten, darunter auch Frauen und Kinder, wurden in Ysselsteyn bestattet. Die Themen Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg, Frieden und Freiheit werden die Jugendlichen dann beschäftigen.

Die Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig, das im Jahr 1992 begann. Mit im Boden verlegten kleinen Gedenktafeln, sogenannten Stolpersteinen, soll an das Schicksal der Menschen erinnert werden, die in der Zeit des Nationalsozialismus (NS-Zeit) verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Sie werden meist vor den letzten frei gewählten Wohnhäusern der NS-Opfer niveaugleich in das Pflaster oder den Belag des jeweiligen Gehwegs eingelassen. Am 26. Mai 2023 verlegte Demnig in Nürnberg den 100.000. Stolperstein. Auf Kölner Stadtgebiet findet man 2400.

Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann