Eindrucksvolle Fotografien von Oswald Kettenberger im CityPavillon

Eindrucksvolle Fotografien von Oswald Kettenberger im CityPavillon

Dorothee Sölle steht im erhöhten Altarraum der evangelischen Antoniterkirche. Sie wirkt konzentriert. Ihr Gesicht spiegelt zugleich Entschlossenheit und Güte wider. Vor der damals fast 40-Jährigen sind Mikrofone aufgebaut. Was sie in diese spricht, wird von einer Vielzahl Menschen verfolgt.

„Die Kirche war überfüllt, wie es seit Menschengedenken nicht vorgekommen war. In den Gängen, im Altarraum, in der Kanzel – überall standen Menschen dicht gedrängt, Kopf an Kopf. Stundenlang hielten sie das aus“, erinnerte sich später Jörg Eichert, Pfarrer der Evangelischen Gemeinde Köln. Das 1969 von Oswald Kettenberger angefertigte Foto mit der Theologin und Friedenskämpferin Dorothee Sölle (1929-2003) im Zentrum lässt keinen Zweifel an Eicherts Beschreibung zu. Derzeit hängt es im Großformat im CityPavillon an der Antoniterkirche in der Ausstellung „Das Politische Nachtgebet in der Antoniterkirche".

Sieben Schwarz-Weiß-Aufnamen dokumentieren "Politische Nachtgebete"
Insgesamt umfasst die Präsentation, mit der sich die Evangelische Gemeinde Köln an der Internationalen Photoszene Köln beteiligt, sieben Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Sie stammen allesamt von Oswald Kettenberger. Und alle dokumentieren sie eines der 1969 in der Antoniterkirche an der Schildergasse veranstalteten Politischen Nachgebete. Kettenberger, der damals bereits in der Benediktinerabtei Maria Laach lebte, sei zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen, erläuterte Markus Herzberg auf der Vernissage. Der Pfarrer an der Antoniterkirche hat mit Annette Scholl (Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) für die Evangelische Gemeinde Köln die im Greven-Verlag erschienene Publikation „Liturgie von links. Dorothee Sölle und das Politische Nachtgebet“ herausgegeben. Autor ist Dr. Anselm Weyer.

Äußerst ökumenische Angelegenheit
Der Literaturwissenschaftler, dessen Text mit teils erstmals veröffentlichten Fotografien Kettenbergers illustriert ist, bezeichnet Sölle „als die maßgebliche Kraft des Politischen Nachtgebetes“. Jeder theologische Satz müsse zugleich auch ein politischer sein, hatte die gebürtige Kölnerin 1968 formuliert. Das Nachtgebet, diese „äußerst ökumenische Angelegenheit“, fand von 1968 bis 1972 regelmäßig in der Antoniterkirche statt. Dem zuständigen Arbeitskreis gehörte auch der ehemalige Benediktinerpater Fulbert Steffensky an, der die geschiedene Dorothee Sölle 1969 in der Antoniterkirche heiratete. Über den Freund Steffensky sei Kettenberger zum Besucher des Nachgebetes geworden, so Herzberg zur Eröffnung. „Dabei hat er wichtige zeitgeschichtliche Dokumente angefertigt.“

Starkes Interesse für das Experiment "Politisches Nachtgebet"
Tatsächlich zeigen die aus verschiedenen Perspektiven entstandenen Aufnahmen im Bild, wie stark das Interesse für das Experiment "Politisches Nachtgebet", das machtvoll nachwirken sollte, gewesen ist. „Es kommt heutzutage sehr selten vor, daß man bei einem Gottesdienst die Kirche wegen Überfüllung schließen muß. Beim letzten `Politischen Nachtgebet' mußten wir dies tun“, fasste Eichert im Februar 1969 die für alle Seiten überraschende Resonanz zusammen. Bemerkenswert dabei: Wir Betrachtende erkennen neben zahlreichen Mitgliedern der „68er-Generation“ auch die Generation ihrer Eltern.

Fotograf in der Fachwelt anerkannt
Der heute 89-jährige Benediktiner Kettenberger konnte die Einladung zur Eröffnung seiner Ausstellung nicht wahrnehmen. „Es geht ihm nicht so gut“, sagte Herzberg. Auf einem Auge erblindet, auf dem anderen sehbehindert, hatte Kettenberger bereits mit 60 Jahren seine Tätigkeit als Fotograf aufgegeben. Mönch ist der gebürtige Oberbayer geblieben. Er lebt unverändert in der Abtei Maria Laach. Der Fotograf Kettenberger sei in der Fachwelt anerkannt, so Herzberg. Etliche Bildbände, Kalender und Einzelaufnahmen zeugten von seiner Kreativität. Als seine zentralen Themen gelten die Natur- und Landschaftsfotografie sowie das Porträt. Dass er auch für die Bildreportage befähigt war, kann eindrucksvoll anhand der Fotos im CityPavillon studiert werden.

Die Ausstellung im Rahmen der Internationalen Photoszene Köln ist bis einschließlich 25. September im CityPavillon an Antoniterkirche, Schildergasse 57, montags bis sonntags von 10 bis 24 Uhr geöffnet.