Franz Gheno, Thomas Rusch, Franz Gerards

Pfarrer Thomas Rusch (Mitte) beim Jubiläumsgottesdienst, hier zusammen mit seinem katholischen Kollegen Franz Gerards und dem Geschäftsführer Franz Gheno (li.)



Dreifach-Jubiläum im Wöllner-Stift Rösrath: Vor 120 Jahren stiftete Pauline Reusch ein Krankenhaus

„Ich gehöre quasi zum Inventar mit dazu“, sagt Thomas Rusch. Der Pfarrer freut sich, dass er die Geschicke des Wöllner-Stifts mitgestalten kann. „Wo gibt es das schon, dass ein Pfarrer ein geborenes Mitglied im Aufsichtsrat ist“, meint der Volberger. Mit viel Freude hat Rusch an dem Dreifach-Jubiläum teilgenommen, das kürzlich gefeiert wurde – und es selbst auch mitgestaltet.

120 Jahre Wöllner-Stift, 60 Jahre Seniorenheim und 10 Jahre Förderverein wurden eine Woche lang mit einem großen Festakt, mit Grill-, Ehrenamts- und Sommerfest in Rösrath-Hoffnungsthal begangen. Dr. Roman Salyutov, künstlerischer Leiter der „Bensberger Konzerte“, begleitete die Feierlichkeiten mit einem Klavierkonzert, die Band „Kölschfraktion“ trat auf und es gab Sketche und so manche Rede. Aus Anlass des Jubiläums verlegte die Evangelische Gemeinde Volberg-Forsbach-Rösrath ihren sonntäglichen Gottesdienst von der Volberger Kirche in die Bahnhofstraße, damit sie im Wöllner-Stift mitfeiern konnte.

Stiftung im Gedenken an den Vater
Begonnen hat alles 1898 mit einem sogenannten „Armenhaus“, das vor allem für Menschen aus der metallverarbeitenden Industrie geschaffen wurde. „Gerade um die ging es“, erklärt Rusch, „damit ihnen, die bei der Arbeit krank geworden sind, geholfen wurde“. Pauline Reusch, geborene Wöllner, stiftete das Krankenhaus im Gedenken an ihren Vater, den Kölner Fabrikbesitzer Dr. chem. Christian Wöllner. Ein Glücksfall, nicht nur für die Rösrather: Die medizinische und soziale Versorgung schritt damit in großen Schritten voran. Der Stifterin ist heute noch ein Bau des Wöllner-Stifts gewidmet, das „Haus Pauline“. 1956 wurde das Stift in ein Seniorenheim umgewandelt. Initiator dafür war der damalige evangelische Pfarrer aus Volberg, Friedrich Venderbosch.

Liebevolle und umsichtige Art
„Für mich ist das etwas Bewegendes, dass wir als Seelsorger vor Ort sind“, sagt Thomas Rusch, der mit seinem katholischen Kollegen regelmäßig Gottesdienste im Wöllner-Stift feiert: Jeden Freitag wird zum evangelischen Gottesdienst eingeladen, am Samstag wird eine katholische Messe gefeiert. Bewegend ist für ihn auch, dass die Gottesdienste sehr gut besucht sind. „Freitags kommen 50 Leute oder sie werden gebracht, das ist ein hoher Aufwand“, stellt Rusch fest. Es zeige ihm, dass ein guter, christlicher Geist im Haus herrscht. „Ich sehe eine liebevolle Art, eine umsichtige Art mit den Menschen umzugehen“, sagt der Pfarrer. „Man spürt es einfach, dass der christliche Grundgedanke hier gelebt wird.“ Auf den guten Ruf des Stifts ist auch Geschäftsführer Franz Gheno stolz, der diesen Aspekt in seiner Jubiläumsansprache hervorhob: „Alles, was wir tun, ist von der Idee geleitet, dass jeder, der zu uns kommt, seine letzten Jahre in menschlicher Würde und mit Freude hier erlebt.“

Unverzichtbare Institution in Rösrath
Seit 1956 ist das Wöllner-Stift dem Diakonischen Werk Rheinland-Westfalen-Lippe der Evangelischen Kirche im Rheinland angeschlossen. Heute ist es eine moderne Einrichtung mit eigener Wäscherei und Haustechnik. Es verfügt über 34 Wohnungen im Betreuten Wohnen und über eine Tagespflege mit 16 Plätzen. Jeden Tag werden rund 200 Seniorinnen und Senioren von 160 Mitarbeitenden betreut. Dazu kommen noch einmal etwa 120 Ehrenamtliche. Für viele ist das Haus zu einer festen und unverzichtbaren Institution in Rösrath geworden und über die Grenzen der Region hinaus bekannt geworden.

Text: Angelika Knapic/Wöllner-Stift
Foto(s): Oliver Oberscheid