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Pfarrerin Uta Walger wird durch Superintendent Markus Zimmermann entpflichtet.

Pfarrerin Uta Walger in den Ruhestand verabschiedet

Wer sich die Zeit nehmen wollte, verweilte einige Augenblicke im Foyer der Epiphaniaskirche in Köln-Bickendorf und betrachtete die zahlreichen Schnappschüsse und Erinnerungsfotos, die an eine Wand projiziert wurden. Der überwiegende Teil der Besucher steuerte indes umgehend den Kircheninnenraum an und hoffte, noch einen guten oder zumindest freien Sitzplatz zum letzten Gottesdienst „ihrer“ Pfarrerin Uta Walger zu ergattern. Rund 250 Gemeindemitglieder aus Bickendorf und Ehrenfeld, Familienangehörige, Freunde, langjährige Weggefährten sowie Ehrengäste hatten sich letztlich eingefunden, um der Verabschiedung beizuwohnen.

Gemeinsam mit Superintendent Markus Zimmermann an der Spitze zog die 64-Jährige ein und schlug hierbei den Weg ein, den sie in den zurückliegenden 25 Jahren unzählige Male genommen hatte. Auch wenn Walger im Januar 1998 offiziell in die Pfarrstelle eingeführt wurde, so war sie in der Gemeinde damals schon keine Unbekannte mehr, da sie neun Jahre zuvor bereits während ihres Vikariats im nordwestlichen Stadtteil tätig war und nach dem zweiten Examen ein Jahr als Pastorin blieb. Fast auf den Tag genau schloss sich nun der Kreis. „Wie schön, dass Sie alle da sind, um heute mit mir Abschied zu feiern. Im Kirchenjahr ist heute der letzte Sonntag nach Epiphanias, und ich finde, das passt doch wunderbar“, wählte die zweifache Mutter, die seit 2017 zudem für das Seniorencafé und das Theo-Burauen-Haus in Ehrenfeld zuständig war, einfühlsame, aber bescheidene Worte bei ihrer Begrüßung.

Pfarrer Torsten Sommerfeld, mit dem sie gemeinsam als „jugendlicher Nachwuchs“ begann, sprach vielen Gläubigen anschließend aus den Herzen. „Der heutige Tag bedeutet eine große Zäsur, einen großen Einschnitt für dich, aber auch für uns, deine Gemeinde. Und der Abschied fällt wahrlich nicht leicht. Dennoch wollen wir diesen Tag feierlich begehen, und es soll ein toller Tag sein, an den du dich gerne noch lange erinnerst.“ Gerne wies er auf die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes durch die Ehrenfelder Kantorei und den Gospelchor FortySevenEleven hin, die im weiteren Verlauf für ihre Darbietungen auch mehrfach großzügigen Applaus erhalten sollten.

Neugierig auf Menschen

Als junge Frau hatte sie nicht die Absicht, von der Schule direkt ins Theologiestudium zu wechseln, räumt Uta Walger in einem Gespräch ein. „Ich wollte erst Hebamme werden, aber in den 1970ern war es schwierig, eine Ausbildung zu bekommen. Mit Ermutigung habe ich mich dann doch fürs Studium entschieden und mir immer mehr zugetraut, bis der Plan feststand, Pfarrerin zu werden. Und nach insgesamt über 30 Jahren kann ich zufrieden feststellen, dass die Entscheidung ein großes Glück war, denn es ist ein schöner Beruf, den ich in all den Jahren sehr geliebt habe.“ Ihre nie versiegende Motivation zog Walger aus ihrer unbändigen Neugierde auf und Freude am Menschen. „Ich kann Leuten helfen und sie ermutigen, auch in Trauerbegleitung. Ich bin an ihrer Seite mit Gottes Wort und Segen. Und es war und ist schön, das Vertrauen der Menschen zu haben und überlegen zu können, was in diesem Moment gut für sie ist.“

Viele Höhepunkte

Unzählige schöne Momente haben in den mehreren Dekaden Platz in ihrem Gedächtnis gefunden.  Besonders gerne denkt Walger indes an die Einweihung der Glocken Anfang des vergangenen Jahres an der zuvor 50 Jahre stillen Epiphaniaskirche und den Bau des Kirchturms sieben Jahre zuvor sowie der Neugestaltung der Kirche zurück. „Wenn man das als Pfarrerin erleben darf, ist das schon ein Höhepunkt.“ Auch die Feier der Diamantenen Hochzeit ihrer Eltern mit einem von ihr geleiteten Gottesdienst einschließlich Segnung und zuvor geführtem Traugespräch wird sie nicht vergessen. „Da hat sich Privates mit Beruflichem vermischt. Es war schön, dabei etwa zu erfahren, wie sich die eigenen Eltern kennengelernt haben.“

Aufregend wurde es einst, als Uta Walger eine Viertelstunde vor einem großen Konfirmationsgottesdienst im Aufzug der Kirche eingeschlossen war. „200 Menschen und 15 aufgeregte Konfirmanden warteten auf mich, und die Zeit lief, aber ich kam nicht aus dem Aufzug raus. Erst eine Presbyterin mit handwerklichem Sachverstand schaffte es, das Panel zu öffnen, die Notbedienung zu aktivieren und mich eine Minute vor dem Gottesdienst zu befreien“, kann die Pfarrerin heute über die Situation lachen.

In seiner Laudatio hob Superintendent Markus Zimmermann das Wirken Uta Walgers hervor. „Wir danken dir sehr für deinen Dienst, den Einsatz deiner Gaben und Kräfte, für deine Treue und deine Liebe. Wir alle schätzen dich sehr in vielerlei Hinsicht als eine ganz wunderbare Seelsorgerin. Während deiner Zeit in der Gemeinde hast du sehr viel in Gang gebracht, denn sie hat sich in ganz positiver Weise verändert. Und es war auch schön, eine Kollegin zu haben, von der man verlässlich weiß, dass sie mitdenkt und immer präsent ist, sich aber dennoch nicht in den Vordergrund stellt. Dankbar bin ich dir auch, dass du dich über die Gemeindearbeit für den Kirchenkreis engagiert hast. Hier seien die Frauentage und auch die Stiftung ´Sorores Mundi´ eures Theologinnen-Konvents genannt.“

Kurz darauf war der Moment der offiziellen Dienstbefreiung gekommen. „Du bleibst berufen zum Predigen, zum Taufen und die Feier des heiligen Abendmahls zu leiten, wo immer du es möchtest. Du bist frei von allen dienstlichen Pflichten in dieser Gemeinde und in Ehrenfeld“, beendete Zimmermann Uta Walgers berufliche Verpflichtungen.

Platz machen für die Neuen

Auch wenn sich Uta Walger, die die Entwidmung der Dreifaltigkeitskirche mitsamt Stellenstreichungen als ein schwieriges und negatives Erlebnis während ihrer Dienstzeit bewertet, mit dem Gedanken der „neuen Freiheit“ schon anfreunden kann, so bedauert sie das Ausscheiden aus manchen Teams. „Da halte ich mich natürlich erstmal fern, damit die Neuen auch Platz haben. Da ist eine neue Generation am Start, und dann muss man sich als alte Generation auch rausziehen. Dadurch bekommt man aber auch weniger Infos und gibt viel her, etwa bei den Gestaltungsmöglichkeiten. So war ich ja bei der Zusammenlegung der Gemeinden sehr stark involviert, die im kommenden Jahr erfolgen soll. Die machen jetzt ohne mich weiter.“

Wenn demnächst das Büro aufgeräumt ist und alle Dateien wie Ordner sortiert sind, freut sich Uta Walger auf die neue Lebensetappe. „Ich habe mir vorgenommen, weiter in der Seelsorge zu arbeiten und finde weiterhin Gefallen an der Gestaltung von Gottesdiensten, auch in anderen Gemeinden als Vertretung. Am meisten freue ich mich jedoch auf mehr gemeinsame Zeit mit meinem Mann. Und ich möchte meine Fotoalben sortieren. Ich habe mir aber verordnet, nicht zu viel auf einmal machen zu wollen. Ich möchte es genießen, gerne Langeweile aufkommen zu lassen.“

Text: Holger Hoeck
Foto(s): Holger Hoeck