„Wir haben Glück, eine so weltoffene und liberale Gemeinde zu haben“, sagte Alexander Knuth (ganz rechts im Bild) bei der Eröffnung des „Café Mosaik“ in Bilderstöckchen. „Nicht jede Gemeinde hat so viel Glück mit ihren Mitgliedern!“, konterte Pfarrerin Reinhild Widdig (Mitte). Ehrenamtssprecher Matthew Wynne (links) war für die Aidshilfe Köln zu Gast.



„Die Kirche wieder ins richtige Licht rücken” – LGBT im Kirchencafé

Passend zum Internationalen Tag gegen Homophobie, Transphobie und Biphobie eröffnete am 17. Mai das Café Mosaik als neuer Treffpunkt für LGBT (aus dem engl.: Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender – dt.: Lesbisch, Schwul, Bisexuell und Transgender) seine Türen im Turmcafé der Evangelischen Nathanael-Gemeinde Köln-Bilderstöckchen. Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender und Transsexuellen wird damit für ihre regelmäßige Termine ein ruhiger Platz innerhalb der Gemeinde Bilderstöckchen geboten. Hier finden sie abseits der Szene, offene Ohren zum Reden, können sich austauschen und bekommen Hilfe bei Problemen.

Gott macht keine Unterschiede

Alexander Knuth (38) ist durch seine Oma zur Kirche gekommen und verantwortlich für das Café Mosaik. Die Nathanael-Gemeinde kennt er schon fast sein Leben lang. Am Ostersonntag wagte er nun sein Coming Out vor der Gemeinde. Es wurde laut geklatscht. Der Beifall für diesen Schritt hat gut getan: „Der Druck ist abgefallen“, stellt er fest. Er wünscht sich dieses positive Grundgefühl und die Offenheit auch für andere Homosexuelle, die an irgendeinem Punkt Schwierigkeiten haben. Dass es so etwas wie einen festen Treffpunkt im Turmcafé – in dem schon seine Oma als Ehrenamtliche aushalf – geben müsse, beschloss er im vergangenen Jahr.

„Die Kirche wieder ins richtige Licht rücken“

„Die Äußerung von Kardinal Gerhard Ludwig Müller, dass kein Mensch gottgewollt als Homosexueller geboren wurde, hat mich schrecklich wütend gemacht. Gott macht keine Unterschiede! Ich fand, es sei Zeit, Kirche wieder ins richtige Licht zu rücken.“ Gleichzeitig beobachtet er in der Schwulen- und Lesben-Szene die Tendenz, Probleme wegtanzen und wegfeiern zu wollen: „Es liegt einfach vieles im Argen und ich habe mir einen Platz außerhalb von allem gewünscht, wo man sich über reale und total normale Fragen und Schwierigkeiten austauschen kann – ohne die typischen Vorurteile auf der einen oder Körperkult auf der anderen Seite!“

Für Pfarrerin Reinhild Widdig ist der Treffpunkt eine „super Ergänzung“ für das Gemeindeleben. „Jetzt ist die Gemeinde komplett“, befindet sie. Bilderstöckchen ist vielfältig und bunt und habe jede Menge Potenzial. In ihren Augen ist nicht nur Alexander Knuth zu Recht glücklich, „… eine so weltoffene und liberale Gemeinde zu haben“: „Es hat auch nicht jede Gemeinde so viel Glück mit ihren Mitgliedern wie wir!“ Knuths Pläne für das Café-Projekt trägt sie mit und unterstützt ihn bei seiner Vision, im kommenden Jahr mit einer Gruppe beim CSD mitzugehen. Das Ziel ist Akzeptanz: „So lange ,schwul‘ immer noch ein Schimpfwort auf den Schulhöfen ist, gibt es in den Veedeln noch vieles zu verändern, auch wenn wir in einer eigentlich sehr liberalen Stadt leben.“

Versteckt euch nicht

Beim Eröffnungsabend feierten Nachbarn und Gemeindemitglieder. Ehrenamtssprecher Matthew Wynne war für die Kölner Aidshilfe dabei. Die Einnahmen gingen jeweils zur Hälfte an den Verein und das Café Mosaik. Die Karnevalsmusikgruppe „Kallendresser“, deren Gründungsmitglied Alexander Knuth vor 20 Jahren war, übernahm einen Teil des Abendprogramms, Alleinunterhalter „Die Kölsche Schlabberbotz“ den Rest: Ein gelungener Start in ein selbst in Köln gar nicht so einfaches Thema. Alexander Knuth hob bei seiner Begrüßung noch einmal hervor, was ihm auf der Seele brennt: „Es geht hier um die Würde des Menschen! Versteckt euch nicht – ihr verschenkt sonst nur Zeit eures Lebens.“

Die nächsten und ersten „richtigen“ Treffen sind für den 5. Juli und den 13. September, jeweils ab 18 Uhr geplant.

Weitere Infos dazu in Kürze hier: https://nathanael.kirchekoeln.de

Text: Claudia Keller
Foto(s): Claudia Keller