Archivalien des Monats

Pfarrer Georg Fritze: Leichtes Gepäck?

Pfarrer Georg Fritze hat in seinem Leben einige Male die Koffer gepackt. Er studierte 1892-1895 evangelische Theologie in Halle und Marburg. Nach seinem Militärdienst und seiner Ordination 1902 war Fritze Pfarrer in der Bergarbeiterstadt Charleroi. Darauf folgten Beschäftigungen in Magdeburg und Nordhausen. Ab 1914 ist er in Köln zunächst an der Trinitatiskirche und später an der Kartäuserkirche tätig.

Leicht war sein Gepäck in all der Zeit sicherlich nicht. Davon zeugen nicht nur der zerschlissene Koffer, sondern auch die sich darin befindenden Notiz- und Tagebücher. Sie bewahren u.a. bisher noch nicht erschlossene Eindrücke, Erlebnisse und Konflikte, die Georg Fritze zwischen 1916 und 1939 erlebte. Bereits zu Beginn seiner Tätigkeit in Köln war er konfrontiert mit den Auswirkungen des Ersten Weltkrieges. Anders als manch anderer Amtskollege stimmte er nicht in die Kriegsparolen mit ein, sondern erklärte sich 1917 offen gegen den Krieg.

Beschimpfungen und Gegenerklärungen musste Fritze für seine Haltung hinnehmen. Nach dem Krieg trat Fritze für einen Aufbau der Kirche von unten ein. Er hegte offen Sympathien für die Sozialdemokratie und engagierte sich für eine Annäherung von Kirche und Arbeiterschaft.[1] Fritze initiierte in Köln den „Bund religiöser Sozialisten“, der sich 1921 dem in Berlin gegründeten „Bund religiöser Sozialisten Deutschlands“ anschloss. Beeinflusst wurde sein Handeln wohl durch das Wirken Christoph Blumhardts (1842-1919), eines evangelischen Geistlichen, der als erster Pfarrer 1899 in die SPD eintrat. Als Pfarrer durfte er daraufhin nicht mehr tätig sein. Dass sich Fritze mit Schriften Blumhardts auseinandersetzte, lässt der Titel eines Tagebuches schließen.

Auch den Nationalsozialisten gegenüber nahm Fritze eine ablehnende Haltung ein. Er warnte bereits Anfang der 1930er Jahre vor der NSDAP, doch ohne viel Gehör im Presbyterium zu finden. Ab 1933 stellte sich Fritze auf die Seite der Bekennenden Kirche und informierte zusammen u.a. mit Hans Encke über den Kirchenkampf. Er scheute nicht die Auseinandersetzung mit dem Presbyterium. Dieses nutzte 1938 die Gelegenheit den unliebsamen Pfarrer durch seine Verweigerung, den Eid auf Adolf Hitler zu schwören, Maßnahmen für seine Entlassung aus dem Amt zu betreiben. Man verweigerte ihm die Auszahlung des Gehaltes und forderte die Kirchenleitung auf, Fritze bis zu seiner Pensionierung in den Wartestand zu versetzen. So geschehen im Oktober 1938. Die vielen aufreibenden Auseinandersetzungen setzten der Gesundheit Fritzes stark zu. Am 03.01.1939 verstarb Georg Fritze an den Folgen eines Schlaganfalls in Köln. Er wurde auf dem Südfriedhof beigesetzt.

1980 kam es zu einer Rehabilitierung Georg Fritzes. Im Innenhof der Kartäuserkirche wurde 1982 eine Gedenktafel eingeweiht, die vom Kölner Künstler Rudolf Alfons Scholl gestaltet wurde. Zudem finden seit diesem Jahr alle zwei Jahre die Verleihung der Georg-Fritze-Gedächtnisgabe statt, die an Menschen verliehen wird, die sich besonders für Opfer von Diktaturen und Gewalt einsetzen.

[1] http://rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/georg-fritze/DE-2086/lido/5e81ec12efca14.70378974

Eine Basilika zu Köln

Mitte des 19. Jahrhunderts war die evangelische Gemeinde in Köln deutlich angewachsen, so dass die Antoniterkirche nicht mehr alle Gläubigen fassen konnte. In einem Zeitzeugenbericht wird die Situation wie folgt geschildert: „der ganze Raum der jetzigen Kirche [Antoniterkirche], sowohl Sitz- als Stehplätze, kaum für diejenigen ausreichte, welche am heiligen Abendmahle Theil nehmen, und daß eine große Zahl derer, welche gekommen waren, um dem Gottesdienst beizuwohnen, gar nicht in die überfüllte Kirche gelangen konnten.“ Die räumliche Situation war demnach dringend veränderungsbedürftig. Viele Überlegungen und Planungen zur Erweiterung des Kirchenraums wurden angestellt, die jedoch nicht zur Ausführung kamen.

Unterstützer des Neubauprojekts war der preußische König Friedrich Wilhelm IV., der darin die Möglichkeit erblickte, eine repräsentative evangelische Kirche als Gegenstück zum Dom zu schaffen. Allerdings hatte der König andere Vorstellungen als die evangelische Gemeinde. Der König wollte einen Basilika ähnlichen Kirchbau errichten, der einzigartig in Köln sein sollte. Die Gemeinde hingegen favorisierte eine Kirche im gotischen Stil.

Dass der König von der Zurückweisung seines Plans durch das Presbyterium nicht begeistert war, lässt sich an Hand eines Berichts über eine Begegnung des Königs mit einem Gemeindemitglied erkennen.

„Also will die Gemeinde nicht nach dem von mir angegebenen Plane bauen! Nun möge sie sich dann selbst einen Plan machen; sie wird dann aber meinen Beitrag entbehren müssen. […] Ich habe es wiederholt ausgesprochen und begründet, daß und warum die Gemeinde den gothischen Baustyl nicht wählen dagl. denn einmal dasselbe in kleinern Dimensionen ausgeführt, [schafft] nicht den nöthigen Raum, eine solche Kirche ist zu eng, weil alles nach oben strebt, in großen Dimensionen aber würde, abgesehen davon, daß wir in Köln den gothischen Baustyl in seiner größten Vollendung und Größe besitzen und daß sich neben den Dom ein andere Kirche der Art nicht erbauen läßt, die evangelische Kirche zu groß und zu kostspielig werde.“

Schlussendlich setzte der König seine Pläne durch. Er beauftragte für den Neubau Friedrich August Stüler (1800-1865). Allerdings musste der Architekt des Königs 1852 seinen vorgelegten Entwurf den örtlichen Gegebenheiten anpassen. Wohlhabende Gemeindemitglieder hatten einen Bauplatz zwischen Filsengraben und Witschgasse erworben und damit die Ortsfrage zur Errichtung einer neuen evangelischen Kirche geklärt. Andere Bauplätze gab es zu diesem Zeitpunkt nicht.

Da es an dieser Stelle nicht möglich war, wie ursprünglich geplant, eine freistehende Basilika zu erbauen, musste die Gestaltung so angepasst werden, dass der Bau zwischen zwei Gebäuden hineinpasste. Mit der Durchführung wurde Baumeister Eduard Kramer beauftragt. Innerhalb von drei Jahren (1857-1860) entstand die neue evangelische Kirche. Am 03.06.1860, am Sonntag Trinitatis, wurde sie eingeweiht. Sie erhielt den Namen Trinitatis.

Im Juni 1943 wurde die Kirche gänzlich zerstört. Der Wiederaufbau wurde von Gemeindebaumeister Georg Eberlein geleitet, der seine Aufgabe 1960 an Fritz Renné weitergab. 1965 konnte die Trinitatiskirche wieder eingeweiht werden. Seit den 1990er Jahren dient sie als Veranstaltungsort für Gottesdienstes, Konzerte, Ausstellungen etc.

Nicht alle liebten ihn – Pfarrer Jatho und die evangelische Gemeinde Köln

Pfarrer Carl Wilhelm Jatho (1851-1913) zählt zu den weit über Köln hinaus bekanntesten Pfarrern der evangelischen Gemeinde Köln. Vor 170 Jahren wurde er in Kassel geboren. Nach Pfarrtätigkeiten in Bukarest (1876-1884) und Boppard (1884-1891) kam er 1891 nach Köln und übernahm den Pfarrbezirk der gerade fertig gestellten Christuskirche. Sein Wirken spaltete die evangelische Gemeinde, auch außerhalb Kölns. Als Konsequenz seins Tuns enthob ihn das Spruchkollegium am 24.06.1911 seines Amtes.

Doch wie kam es dazu?

Von Beginn seiner Tätigkeit in Köln begeisterte Jatho viele Menschen durch seine liberalen Predigten. Besonders auch jene, die bereits der evangelischen Kirche den Rücken gekehrt hatten. Für seine Verdienste wurde Jatho 1902 mit dem Goldenen Adlerorden ausgezeichnet. Doch seine liberal theologisch geprägten Ansichten wie die individuelle Entwicklung des religiösen Bewusstseins sowie das subjektive Empfinden losgelöst von kirchlichen Institutionen, kamen nicht bei jedem Gemeindemitglied und kirchlichen Würdenträger gut an. Beschwerden wurden innerhalb der evangelischen Gemeinde gegen ihn laut. Mehrere Male besuchte Generalsuperintendent Umbeck Jatho und mahnte ihn sich an die geltende Lehre zu halten. Jatho hielt jedoch an seinen Ansichten fest und tat diese auch bei verschiedenen Veranstaltungen kund. So auch 1910 bei der Osterfeier der Freunde der Freiheit in Barmen. Der Inhalt des Vortrags ließ den Oberkirchenrat endgültig am Glaubens- und Lehrstandpunkt Jathos zweifeln und es wurden 1911 offiziell Ermittlungen gegen ihn eingeleitet. Seine Popularität nahm hingegen nicht ab. Immer mehr Menschen besuchten seine Gottesdienste und Vorträge. Die Zahl der liberalen Mitglieder der evangelischen Gemeinde wuchs stetig und auch bei kirchlichen Wahlen wie der Repräsentantenwahlen 1907 und 1911 gewannen die Liberalen.

Währenddessen übergab der Oberkirchenrat dem Spruchkollegium den Fall Jatho im März 1911. Am 24.06.1911 fällte das Spruchkollegium sein Urteil, die Lehre Jathos sei nicht mit dem Bekenntnis der Kirche vereinbar und enthob ihn seines Amtes.

Trotz dieses Ergebnisses blieb Jatho in Köln und hielt weiterhin Gottesdienste, Bibelstunden und Vorträge an verschiedenen Orten.

Bis zu seinem Tod am 11.03.1913 blieb Jatho eine umstrittene Person in der evangelischen Kirche. An seinem Grab auf dem Melaten- Friedhof versammelten sich Gegner und Befürworter um diese hervorstechende Persönlichkeit die letzte Ehre zu erweisen.

Nach Jathos Tod und den Erfahrungen des Ersten Weltkrieges verloren die liberalen Kräfte in Köln immer mehr an Bedeutung.

Schulbildung – Mädchensache

Eine Schulpflicht für Jungen und Mädchen, wie sie heute gesetzlich verpflichtend ist, war zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch nicht vorgeschrieben. Ein Schulbesuch kostete Geld, das besonders Familien aus ärmeren Verhältnissen nicht bezahlen bzw. nicht für alle ihre Kinder aufbringen konnten. Aus diesem Grund erhielten meistens Jungen die Chance sich nach dem Besuch der Elementarschule noch weiterzubilden.

Zu einer gravierenden Veränderung in der Bildung von Mädchen kam es in Köln durch Konsistorial- und Schulrat Karl Friedrich August Grashof (1770-1841). Er erstellte ein Programm für verschiedene Schulformen, darunter auch eine höhere Mädchenschule. Zu einer Schulgründung durch die Stadt Köln kam es indes nicht. Die ev. Gemeinde Köln erklärte sich bereit, dass eine Mädchenschule in einem Gebäude auf dem Antoniterpfarrhof errichtet werden könnte. 1827 existierte somit erstmalig eine Schule für Mädchen. 12 Schülerinnen, die bereits eine gewisse vorschulische Bildung besaßen, besuchten ab August 1827 den Unterricht. Schulfächer waren Rechnen, Schreiben, Zeichnen, Französisch und Handarbeit. Ab 1831 war es auch Mädchen ohne vorherige schulische Bildung möglich den Unterricht zu besuchen. Erster Direktor dieser privaten Mädchenschule war Pfarrer Johann Gottlob Krafft (1789-1830). Er und seine Nachfolger strebten danach die Schule durch ihre Angliederung an die ev. Gemeinde zu sichern, das gelang jedoch erst 1898. Zunächst musste die Schule selbstständig wirtschaften. Das tat sie, in dem sie, wie auch an anderen Schulen, Schulgeld erhob. Dies bildete die Grundlage für die Bezahlung der Lehrkräfte und die Instandhaltung des Gebäudes. Durch ihr breitgefächertes Bildungsangebot und ab den 1880r Jahren der Einrichtung des Lehrerinnenseminars (Aus- und Weiterbildung von Lehrerinnen), wuchsen die Schülerinnenzahlen stetig an. 1923 wurden 580 Schülerinnen durch 8 akademische und 16 hauptamtliche Lehrerinnen unterrichtet. Das stetige Wachstum führte dazu, dass auf dem Marienplatz 2 ein neues Schulgebäude errichtet wurde.

Unter Schuldirektor Beck wurde die Schule zu einem 10 Klassensystem ausgebaut, unterschieden in einen Elementarbereich und einen Oberschulbereich (höhere Töchterschule). Eine Abschlussprüfung konnten die jungen Frauen jedoch erst 1910 in Köln ablegen. Vorher mussten sie nach Düsseldorf, Koblenz oder Münster fahren. Nach erfolgreichem Abschluss der höheren Töchterschule konnten sie den Beruf der Lehrerin ergreifen.

In den 1930er Jahren wurde die Schule verstaatlicht.

Die Jahresberichte stammen aus dem Bestand der ev. Gemeinde Köln Ja 1.

Laura Oelbermann – Ein Gruß zum 175. Geburtstag

Mit einem Videogruß gratulieren am 18. Mai 2021 verschiedene Frauen in Köln der Protestantin und Mäzenin Laura Oelbermann zum 175. Geburtstag. Laura Oelbermann wurde am 18. Mai 1846 als Tochter eines Bürstenwarenhändlers in der Domstadt geboren. Nach dem Besuch des Lyzeums der evangelischen Gemeinde an der Antoniterkirche in Köln heiratete sie 1868 den Textilkaufmann Emil Oelbermann. Er war Teilhaber der Seidenwarenfabrik Otto Andreae in Mülheim und den USA. Im Jahr 1878 kehrte die Familie nach einem längeren Aufenthalt in Amerika nach Köln zurück.

Nach dem Tod ihres Mannes und fünf Söhnen widmete sich Laura Oelbermann vielen karitativen Aufgaben und gründete Stiftungen. So spendete sie zum Beispiel 150.000 Mark für den 575.000 Mark teuren Bau des ersten evangelischen Krankenhauses in Köln-Weyertal. Außerdem organisierte sie unter anderem Armenspeisungen und Erholungsmöglichkeiten für Arme und Waisen. Alleinstehenden Frauen und Müttern half sie bei der Arbeitssuche, bei vielen Projekten packte sie auch selbst mit an. Als Anerkennung für ihr soziales Engagement wurde Laura Oelbermann am 15. August 1918 von Kaiser Wilhelm II. in den Adelsstand erhoben.

Bereits zu Lebzeiten verfügte sie testamentarisch, dass zum Beispiel das Inventar ihres Hauses am Hohenstaufenring nach ihrem Tode versteigert werden solle. Der Erlös kam ihren Stiftungen zugute. Das Haus selbst wurde in eine Pension für 60 Bewohnerinnen und in einen Veranstaltungsort umgebaut. Das Gebäude wurde bis Ende der 1970er Jahre als Berufstätigenheim der Oelbermann-Stiftung genutzt.

Ihre letzte Ruhestätte fand Laura von Oelbermann nach ihrem Tod am 3. Juni 1929 auf dem Melaten-Friedhof neben ihrem Mann. Die am 1. Januar 1930 eingetragene Emil- und Laura Oelberman-Stiftung und die Laura-von-Oelbermann-Stiftung bestehen noch heute und werden vom Evangelischen Kirchenverband Köln und Region (EKV) verwaltet. Die Unterstützung in den Bereichen Kinder-, Jugendhilfe und Waisen sind im Stiftungszweck festgeschrieben.

Ostern 1962 – ein Aufbruch in der Jugendarbeit

Zu Ostern 1962 erfährt die evangelische Jugendarbeit im Kirchenkreis Köln eine große Veränderung. Erstmalig wurde ein Evangelisches Schülerzentrum eröffnet. Die Initiation, Organisation und Durchführung unterlag Studienrätin Hempelmann, die für diesen Dienst die Unterstützung des Stadtsuperintendenten Hans Encke gewinnen konnte. Das Anliegen:

„Das Schülerzentrum möchte also vorwiegend den Jugendlichen dienen, die die „Institution Kirche“ nicht mehr erreicht, und möchte deshalb dem Religionslehrer alle erdenkliche Hilfe anbieten, so dass er als mündiges Glied der Kirche diese Aufgabe an seinen Schülern erfüllen kann.“ (Zitat Hempelmann)[1]

Der Anspruch war ein vielfältiges und ansprechendes Angebot (Freizeiten und Exkursionen) den Lehrkräften sowie den Schülerinnen und Schülern ab 14 Jahren zu bieten. Es sollte ein offenes und breites Bild der Möglichkeiten als Christ in der Welt zu wirken aufgezeigt werden. Dazu konnten die Teilnehmenden bspw. in diakonisch geprägten Berufsfeldern Einblicke erhalten sowie bei anderen Veranstaltungen mehr über die Aufgaben und Arbeitsgebiete der evangelischen Kirche erfahren. 1966 beispielweise organisierte Frau Hempelmann eine Freizeit, die einen Ausflug in die Rheinische Landesarbeitsanstalt Brauweiler, in eine städtische Sonderschule für spastisch gelähmte Kinder, in ein städtisches Kinderheim und nach Michaelshoven beinhaltete. Ferner erfuhren die Jugendlichen und Lehrkräfte durch einen Vortrag eines Referenten der Stadt Köln etwas über die sozialen Probleme einer Großstadt. Die Teilnehmenden sollten durch diese Vorgehensweise für gesellschaftlich und theologische Themen und Tätigkeitsgebiete sensibilisiert werden.

Die kontinuierlich hohen Anmeldezahlen bestätigten die Veranstalter in ihrer Vorgehensweise. 1962, Durchführung der ersten Freizeit, betrug die Anzahl der Partizipierenden bereits insgesamt 429. 1966 waren es 1094 Teilnehmende. Zu den mehrtägigen Freizeiten entwickelte sich auch ein themenreiches Tagungsprogramm, welches auch rege besucht wurde; 1979 waren es 27 Tagungen mit insgesamt 569 Zuhörern und 1982 22 Tagungen mit 547 Angemeldeten.

Ab 1971 wurde das Schülerzentrum dem Amt für Schule und Unterweisung des Stadtkirchenverbandes zu geordnet. In den 1990er Jahren ging das Schülerzentrum gänzlich im Schulreferat und Amt für Berufskollegs auf.

[1] Bestand 1, 608.

„Wo ist dein Bruder Abel?“

So titelte die zweite Evangelische Woche 1951 in Köln. Diese Evangelische Woche und auch die nachfolgende im Jahr 1952 (Christ in der Masse) standen unter den Eindrücken und Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges. Die Erfahrung von Tod, Leid, extremer Not, Nationalismus, Heimatlosigkeit, Vertriebensein und Arbeitslosigkeit führten zum Zerbrechen von Familien, zum Gefühl von Sinnlosigkeit und einem starken Sehnsuchtsgefühl nach Halt und Geborgenheit. Die Evangelische Woche, die in Köln ab 1950 im Zusammenhang mit den Reformationsfeierlichkeiten veranstaltet wurde, stand ganz unter dem Zeichen der Verantwortung füreinander, die Bedeutung des Einzelnen, der biblisch evangelischen Besinnung und der christlichen Opferbereitschaft. Sie sollte dazu dienen den evangelischen Kölnerinnen und Kölnern wieder eine Perspektive und Halt im Leben zu geben. Die behandelten thematischen Aspekte wie Ehe und Familien, Erziehung der Jugend, Politik, Gesellschaft, Medien und Presse wurden unter diesen Aspekten beleuchtet. Prominente Redner waren Präses Heinrich Held, Superintendent Funke aus Dahme-Mark, der Bundestagspräsident und Oberkirchenrat Dr. Ehlers, Präses der Synode der EKiD Dr. Dr. Heinemann sowie andere Größen aus Politik, Wissenschaft und Medien.

Auch auf den nachfolgenden Evangelischen Wochen wurden gegenwarts-aktuelle Themen diskutiert, die heute nicht weniger Brisanz haben bspw. „Wir sind Gottes Mitarbeiter“ (1960) oder „Was können wir morgen noch glauben?“ (1963) oder „Zukunft und Kirche“ (1968) oder „Christen für die Dritte Welt“ (1970), „Leben lohnt“ (1973) und „Mut zum Frieden“ (1986).

Jede Veranstaltung hatte das Ziel mit Menschen in Kontakt zu kommen, die sich von der Ev. Kirche entfernt hatten. Das offene Format sowie die künstlerisch aufwendige Gestaltung der Programmhefte sollten Menschen ansprechen und die Möglichkeit der offenen Diskussion an zentraler Stelle, den Kölner Messehallen, schaffen. Besonders im Fokus standen dabei ab den 1970er Jahren die Jugend, Frauen und Lehrer/innen. Es wurden diesen gesellschaftlichen Gruppen eigene Tage- Tag der Jugend, Tag der Frauen und Tag der Lehrer- gewidmet. Dort wurden neben dem gemeinsamen Programm wie Gottesdienste und Einführungsveranstaltungen, welches auch musikalisch begleitet wurde, Themen bearbeitet bzw. angeboten, die die Fragen und Probleme, sowie Sorgen und Nöte dieser Gruppen in den Blick nahmen und mögliche Lösungen aufzeigten.

Einen Einblick in den Aufbau der Ev. Woche bietet das Programmheft aus dem Jahr 1964 „Die Kirche zwischen gestern und morgen“. Die Auseinandersetzung mit naturwissenschaftlichen Entwicklungen und Erkenntnissen wie bspw. die erste Mondlandung standen im Fokus.

Die Auftaktveranstaltung bildete ein Konzert und ein einführender Vortrag im Gürzenich. Darauf folgte die Auseinandersetzung mit dem thematischen Rahmenprogramm an unterschiedlichen Orten in den Kirchengemeinden. Den Abschluss bildeten die Reformationsfeierlichkeiten.

Das Jahr 1964 ist auch für die Geschichte des Kirchenkreises Kölns von historischer Bedeutung. Es entstanden die vier Kölner Kirchenkreise. Auch dieses Ereignis fand durch den Vortrag vom ersten Stadtsuperintendent Hans Encke „Unsere Evangelische Kirche in Köln nach der Neugliederung“ Eingang in die Evangelische Woche.

Ab den 1990er Jahren beschränkte man sich auf Grund der schwindenden Teilnehmerzahlen auf Veranstaltungen zum Reformationstag am 31.10.

Der Karneval und die ev. Gemeinden – nicht immer eine harmonische Beziehung

Der Karneval hat in Köln eine lange Tradition. Die närrische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Normen und Regelungen konnten selbst die strengen Preußen den Rheinländern nicht verbieten. Einschneidende geschichtliche Ereignisse wie die Weltkriege sowie die Weltwirtschaftskrise brachten das freie närrische Treiben zum Erliegen. Leider macht in diesem Jahr die Covid 19 Pandemie das Feiern des Karnevals unmöglich.

Dies trifft auch viele evangelische Karnevalisten. Doch war das Verhältnis zwischen Evangelischen und Karnevalisten schon immer ein gutes?

Die ev. Kirche verurteilte zunächst den Karneval als eine Zeit der Sünden und Unmoral. Sie rief Christinnen und Christen dazu auf nicht an diesem Treiben teilzunehmen. So auch 1954. Beispielsweise appellierte der Landeskirchenrat der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern an alle Landeskirchen und Gemeinden dem zügellosen, unsittlichen und verschwenderischen Treiben besonders in Zeiten der Not ein Ende zu bereiten. Hintergrund dieses Appells bildeten die Konsequenzen des Zweiten Weltkrieges. Viele Menschen waren noch immer heimatlos, bedroht von Hunger und Armut. Der Landeskirchenrat verurteilte scharf die Auswüchse der Zügellosigkeit und die hohen finanziellen Ausgaben für Konfetti und anderes Karnevalsmaterial, welches besser für die Notleidenden einzusetzen wäre. Auch in Köln war die Lage nicht anders. Die Stadt hatte durch die Kriegsereignisse stark gelitten und in den 1950er Jahren waren immer noch ca. 50 000 Menschen ohne Wohnung und viele lebten in Armut. So stellte sich auch der Kirchenkreis Köln die Frage, wie sollte man reagieren? In den 1920er Jahren hatte sich die Bevölkerung der Stadt in einer ähnlichen Situation befunden und damals sprach sich das Presbyterium der ev. Gemeinde Köln auch gegen das närrische Treiben aus. Ohne Erfolg. Die enge Verwurzelung des Karnevals in Köln breitete jeder Andeutung bzw. jedem Ausspruch des Verbots ein Ende. So ermahnte der Kirchenkreis Köln in den namenhaften Tageszeitungen 1954 die Christinnen und Christen unter dem Leitspruch „Auch im Karneval keine Unmoral“ zu einem gemäßigten Karnevalstreiben und der Rücksichtnahme auf christliche Werte.

(Bild jpg-P174 mit BU unter oder neben vorletzten Absatz) Erst in den 1980er Jahren beginnt eine mentale Öffnung der ev. Gemeinden gegenüber dem Karneval. Als Folge dieser Entwicklung kann sicherlich die Abhaltung von Gottesdiensten für Karnevalisten und der Empfang des Dreigestirns in kirchlichen Einrichtungen wie Ev. Kirchenverband Köln und Region angesehen werden. Eine andere ist die Entstehung eines kirchlichen Kabaretts, Küngelbeutel (1990-2020), und eine protestantische Karnevalssitzung, die PROT`s Sitzung (1997).

Auch wenn in diesem Jahr alles anders ist und die „Fünfte Jahreszeit“ nicht wie gewohnt stattfinden kann, wünschen wir Ihnen dennoch schöne närrische Tage.

125 Jahre Hans Encke

Hans Encke zählt zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der Kölner Geschichte, besonders der evangelischen Kirche in Köln. Sein Engagement für Bedürftige und Notleidende war enorm. Sein Einsatz für Juden und Judenchristen während des NS-Regimes ist unvergessen. Sein Mut, sein Organisations- und Führungstalent haben dazu beigetragen, dass das evangelische Leben in Köln nach dem Zweiten Weltkrieg wiederaufgebaut werden konnte.

Hans Encke wurde am 12.01.1896 in Potsdam als Sohn von Helene Josephine geborene Trip und Friedrich August Ernst Encke geboren. 1903 kam die Familie nach Köln. Hier arbeitete der Vater als Königlicher Gartenbaudirektor. Bis heute prägen seine angelegten Parkanlagen wie der Blücherpark das städtische Panorama. Doch zurück zum Sohn, Hans Encke. Hans Encke kämpfte im Ersten Weltkrieg und studierte als Kriegsversehrter 1917-1920 Theologie an verschiedenen Universitäten und schloss 1921 sein Lehrvikariat an der Antoniterkirche bei Pfarrer Ernst Nack ab. 1923 wurde er ordiniert und tat seinen Dienst zunächst als Krankenhausseelsorger und Religionslehrer. 1925 wurde er zum Pfarrer der ev. Kirchengemeinde Riehl gewählt und bekleidete dieses Amt bis 1966.

Schon früh, ab 1932, engagierte sich Encke im Kirchenpolitischen Arbeitskreis und später in der kirchlichen Arbeitsgemeinschaft gegen die Ausbreitung des Nationalsozialismus. Ein Beispiel dafür sind die preußischen Kirchenwahlen in Nippes im Jahr 1932/1933. Nach der Wahl stellten Anhänger der Deutschen Christen (DC) im Presbyterium die Mehrheit. Das Wahlergebnis war wesentlich durch vorherigen Wahlterror beeinflusst worden, so dass Encke Einspruch erhob. Dieser blieb jedoch ohne Erfolg. Das neue Presbyterium versuchte daraufhin erfolglos Encke sowie zwei weitere Pfarrer, die der Bekennenden Kirche (BK) nahestanden, aus ihrem Amt zu entfernen. Das Kräfteverhältnis verschob sich 1936 zu Gunsten der Mitglieder der Bekennenden Kirche, nach dem Ausscheiden von 6 DC-Anhängern, die gegen die Weiterbeschäftigung des aus dem Judentum stammenden Organisten Julio Goslar waren. Ab 1937 ordnete sich das Riehler Presbyterium offiziell der Bekennenden Kirche zu.

Doch Encke engagierte sich nicht nur in Riehl, sondern war Mitglied im Bruderrat, gehörte der freien Evangelischen Synode im Rheinland an, er war Schulungsleiter der Synode, wurde Mitglied der Bekenntnissynode der Altpreußischen Union und stellvertretendes Mitglied der Reichsbekenntnissynode der Deutschen Evangelischen Kirche. Er arbeitete in Köln eng mit Pfarrer Georg Fritze zusammen, der ebenfalls Mitglied der Bekennenden Kirche war. 1939 wurde Hans Encke zum Vertrauensmann des in Berlin von der Bekennenden Kirche eingerichteten Büro Grüber in Köln, welches sich für die zunehmend ausgegrenzten und verfolgten Juden und Christen jüdischer Herkunft einsetzte. Zeitlebens beschäftigt Encke die eigene Schuld und die der evangelischen Kirche, die er deutlich auf der Kirchenkreissynode 1946 in Anlehnung an das Stuttgarter Schuldbekenntnis (1945) durch mea culpa, mea maxima culpa zum Ausdruck brachte. Ein Versuch der Wiedergutmachung und Versöhnung ist die Gründung des Vereins zur christlich-jüdischen Zusammenarbeit im Jahr 1958, an der auch Encke beteiligt war.

Die zunehmenden Bombenangriffe auf Köln veranlassten Encke 1944 mit seiner Familie Köln zu verlassen und er kehrte erst auf Bestreben Pfarrer Friedrich Schellenburg 1945 nach Köln zurück. Am 26.01.1946 übernahm Encke offiziell das Amt des Superintendenten des Kirchenkreises Köln. Vor ihm lag eine Stadt in Schutt und Asche sowie eine weitverstreute Gemeinde. Superintendent Encke machte sich daran umfängliche Baumaßnahmen bspw. der Wiederaufbau von Kirchen und ein Wohnungsbauprogramm durch die neu gegründete Antoniter Siedlungsgesellschaft durchzuführen, sowie die Wahl neuer Presbyterien voranzutreiben. Sein Streben verfolgte das Ziel wieder eine Gemeinschaft herzustellen, die die Gräben zwischen ehemaligen Anhängern der DC und der BK überwinden sollte. Daher gestaltete sich wohl der Umgang mit Presbyteriumsmitgliedern, die den DC angehört hatten, gemäßigt.

In den 1960er Jahren gestaltete Encke die Teilung des Kirchenkreises Köln in die vier gegenwärtig existierenden Kirchenkreise mit. Zudem rief er den Stadtkirchenverband 1964 ins Leben, dessen erster Stadtsuperintendent er wurde. Auch hier gab es für ihn viel zu tun. Encke lag besonders die Bildung von Kindern sowie Erwachsenen am Herzen, so dass unter ihm viele Ämter und Einrichtungen wie die Melanchtonakademie, das Amt für Schule und Bildung (heute Schulreferat) ins Leben gerufen wurden. Trotz der zahlreichen Aufgaben als Stadtsuperintendent war es ihm ein wichtiges Bestreben auch immer als Seelsorger ansprechbar zu sein. Davon legen einige Aussagen Enckes in Protokollen der Kirchenkreissynode Köln und einige überlieferte Zuschriften von Gemeindemitgliedern Zeugnis ab.

Bis 1966 bekleidete Encke die Position des Stadtsuperintendenten. Doch blieb er noch nach seinem Ausscheiden für einige Zeit in Ausschüssen aktiv. Er blieb Mitglied im Ausschuss für die Bibliothek (kurzzeitig hatte er auch die Leitung derselben übernommen) und im Verein für jüdisch-christliche Zusammenarbeit. 1966 erhielt er das Bundesverdienstkreuz. Am 02.08.1976 starb Hans Encke in Frechen.

Literatur:

Siegfried Hermle: Hans Encke, in: Thomas Martin Schneider, Joachim Conrad und Stefan Flesch (Hrsg.): Zwischen Bekenntnis und Ideologie. 100 Lebensbilder des rheinischen Protestantismus im 20. Jahrhundert, Leipzig 2018, S.168-171.

Günter Wollstein: Die evangelische Kirche Kölns um 1945, in: MEKGR 45./46. (1996/1997), S.485-510.

Christuskirche

Vor 126 Jahren, genau am 02.12.1894, wurde die Christuskirche eingeweiht. Damit besaß die ca. 30.000 Seelen umfassende Evangelische Gemeinde in Köln endlich eine dritte Kirche. Doch der Weg bis zur Einweihung war steinig.

Anfang der 1850er Jahre waren erste Planungen und Überlegungen zum Bau eines weiteren evangelischen Gotteshauses gemacht worden, um eine zukünftige Überlastung der bereits existieren Kirchen, Antoniter- und Trinitatiskirche, zu verhindern. Das Presbyterium entschied sich zunächst gegen einen Neubau. Im Jahr 1860 war die Trinitatiskirche erst eingeweiht worden, sodass zunächst kein erneuter Bedarf gesehen wurde.

Erst Anfang der 80er Jahre stieg das Interesse an einem weiteren Kirchbau wieder. Grund dafür waren Beschwerden über die zu vollen Gottesdienste. Einen ersten Schritt unternahmen die Gemeindevertretungen zum 400-jährigen Luther-Jubiläum (1883).

Die Gemeindemitglieder wurden zu Spenden zwecks eines neuen Kirchbaus als „bleibende Erinnerung an den 400-jährigen Gedenktag des großen Reformators“ aufgerufen. [1] Es wurden 61.000 Mark gesammelt. Diese Summe diente als Grundlage für den Erwerb eines passenden Grundstücks, was sich jedoch als äußerst langjährigen Prozess gestaltete. Der Bauplatz an der Gladbacherstr., der durch die Gemeinde ins Auge gefasst worden war, wurde von der Stadt nicht genehmigt. Stattdessen schlug die Stadt Köln das Grundstück an der Herwarthstr. vor. Dieses akzeptierte das Presbyterium. Der Entwurf des Kirchenbaus stammte von den Straßburger Dombaumeistern August Hartel und Skjöld Neckelmann. Die Ausführung 1891-1894 übernahm jedoch der Baumeister Heinrich Johann Wiethase, da die Ausführung des Entwurfs von Hartel und Neckelmann zu teuer geworden wäre. Nach dem Tod von Wiethase 1893, vollendete sein Schüler Arthur Eberhard die Kirche.

Am 02.12.1894 war es dann so weit, mit einem Festzug wurde die neue Christuskirche eingeweiht. Die beiden Archivalien zeigen das aufwendig gestaltete Cover des Festprogramms und zum anderen eine Vorlage der Einladungskarten. Zur Einweihung erschienen geistliche und weltliche Würdenträger wie der Präsident des evangelischen Obersten Kirchenrats Dr. Barkhausen, der Generalsuperintendent D. Baur, der Consistorialpräsident Grundschöttel, der Präses der Provinzialsynode Superintendent Umbeck, der Regierungspräsident von Richthofen, Eisenbahndirektionspräsident Offermann, Oberbürgermeister Becker und viele weitere.

Am 21.04.1944 zerstörte eine Luftmine sowie zwei Volltreffer die Kirche bis auf den Turm, die Orgelempore und das gewölbte, vierschiffige Souterrain. Unterhalb des nicht zerstörten Turmes wurde eine Notkirche eingerichtet, über die wir bereits im August berichteten. Auf den Fundamenten konnte nach den Entwürfen von den Architekten Eberlein, Dr. Schulze und Dr. Hesse der Neubau der Christuskirche gebaut werden.

Kirchturm, Orgelempore und Gewölbekeller wurden 1982 unter Denkmalschutz gestellt. Ihre heutige Gestalt erhielt die Christus Kirche von 2014-2016.

[1] Rebensburg: Festschrift zur Einweihung der Christuskirche, S.77.

 

Erinnerung an das Martha-Stift

Das Martha-Stift e.V. ist vielleicht manchen Kölnerinnen und Kölnern noch ein Begriff oder sogar in schwacher Erinnerung. Im Ferkulum 29 stand es. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude, sowie viele andere, durch Bombentreffer vollständig zerstört. Der Verein war nicht mehr in der Lage das Gebäude aufzubauen und der Vorstand beschloss daher das Grundstück an die katholische Kirchengemeinde St. Severin zu verkaufen. Vor dem Krieg diente es als Seniorenheim. Doch das war nicht sein
ursprünglicher Zweck.

Schutz vor mannigfaltigen Verführungen der Großstadt

Vor rund 130 Jahren erschien eine Festschrift zum 25-jährigen Jubiläum des evangelischen Mägdehauses, Martha-Stift. Gegründet wurde es 1864. 1887 wurde ihr der Status einer juristischen Person verliehen. Der Satzung kann man entnehmen, dass es „stellensuchenden und dienstsuchenden Mägden“ einen zeitweiligen Aufenthalt gewährte sowie heranwachsende Mädchen nach zurückgelegter Schulzeit in den praktischen Arbeiten des häuslichen Lebens unterrichtete und damit die Mädchen und jungen Frauen zu einem „selbstständigen Broterwerb“ befähigte. Die Mädchen und jungen Frauen sollten vor den mannigfaltigen Verführungen der Großstadt noch einige Zeit geschützt werden bzw. angeleitet werden diesen zu widerstehen und somit vor „sittlichen Verderben“ bewahrt werden. Für die Betreuung und für den Unterricht waren die Kaiserswerther Diakonissen verantwortlich.

Aufnahmebedingungen

Wie durch die Satzung bereits deutlich gemacht, sprach das Stift zwei Gruppen an. Zum einen war es eine Mädchenbildungsanstalt zur Ausbildung von Dienstmädchen und zum anderen eine Herberge für bereits ausgebildete Dienstmädchen, die Unterstützung bei der Erlangung einer Dienststelle benötigten. Für beide Gruppen gab es unterschiedliche
Aufnahmebedingungen. Die Schülerinnen mussten neben der Einverständniserklärung ihres Erziehungsberechtigten, ein Schulgeld von 160 Mark bezahlen, eine vorgegebene Anzahl an Kleidungs- und Wäschestücken mitbringen sowie eine Konfirmationsbescheinigung vorweisen.

Die arbeitssuchenden Dienstmädchen mussten einen guten Ruf besitzen, das Dienstbuch musste tadellos sein. Sie verpflichteten sich Aufgaben im Stiftshaus wie kochen, bügeln und Wäsche waschen zu übernehmen. Von dieser Bereitschaft war auch die Höhe der Summe, welche sie für die Aufnahme zu entrichten hatten, abhängig. Bspw. sollten Frauen, die sich nicht an der Hausarbeit beteiligen wollten 80 Pfennig bezahlen. Frauen hingegen, die solche Aufgaben übernahmen, mussten nur 20 Pfennig
bezahlen. Allen Bewohnerinnen jedoch stand es offen sich der kostenfreien, beruflichen Vermittlungstätigkeiten der Kaiserswerther Diakonissen zu bedienen.

Das Ende des Vereins

Im Zuge der Industrialisierung und der damit eingehenden neuen Arbeitsmöglichkeiten für Frauen ließen sich immer weniger junge Mädchen zu Dienstmädchen ausbilden. Ein Motiv lag darin, dass junge Frauen nicht mehr „dienen“ wollten. Sie zogen eine Beschäftigung in der Fabrik vor. Im Laufe der Jahre fiel es dem Vorstand immer schwerer neue Sponsoren zu finden sowie auch neue Schülerinnen für sich zu gewinnen, sodass sich der Verein nun der Seniorenbetreuung annahm. Dieses Tätigkeitsfeld wurde bis zur Zerstörung des Hauses im Zweiten Weltkrieg und etwas darüber hinaus beibehalten. Am 18.05.1956 verkündete der Vorsitzende des verbliebenen Kuratoriums, Alfred Vorster, dass der Verein „Martha-Stift e.V.“ aufgelöst werde. Das Restvermögen werde der evangelischen Gemeinde Köln übertragen unter der Bedingung gemeinnützige Projekte damit zu
unterstützen. Dies tat die Gemeinde Köln auch, indem sie mit dem Geld den Wiederaufbau des Clara-Elisenstiftes, welches vorher am Rothgerberbach stand, an neuer Stelle, auf dem Kartäuserwall, finanzierte.

Schulstart mit Hindernissen

Im letzten Monat sind die Schulferien in NRW zu Ende gegangen. Viel wurde darüber diskutiert, wie der Schulstart unter Corona-Bedingungen von Statten gehen soll, mit oder ohne Maske. Besonders bei so heißen Tagen wie wir sie im August erlebt haben, eine Qual für die Schüler/innen sowie für das Lehrpersonal. Glück gehabt, wenn Unterricht auch an der frischen Luft stattfinden kann, wie es für manche Unterrichtsstunden von Schülervertretungen vorgeschlagen wurde.

Was für Schüler/innen in der heutigen Zeit schon fast zum Alltag gehört, dass Unterricht auch im Freien stattfinden kann, war für Schüler/innen Anfang des 20. Jahrhunderts keine Selbstverständlichkeit. Zum Diskussionsthema wurde diese Form des Unterrichts beim Neubau der evangelischen Elementarschule am Großen Griechenmarkt, vorheriger Standort in den Antoniterstr. 27/29. Der Neubau der Schule wurde notwendig, da die Stadt Köln einen Straßendurchbruch von West nach Ost, also Neumarkt-Cäcilienstr, Blindgasse-Hohestr. geplant hatte. Das alte Schulgebäude, errichtet 1871, sollte abgerissen werden.
Stadtplan von Köln ca.1928/29. In die rot markierte Fläche ist die neue Schule eingezeichnet. Von links nach rechts Fuhrpark, Schulneubau, Elektrizitätswerke, gestrichelte Fläche potentielle Erweiterungsfläche für die Schule. Die gelb markierte Fläche symbolisiert das alte Schulareal.

Stadtplan von Köln ca.1928/29. In die rot markierte Fläche ist die neue Schule eingezeichnet. Von links nach rechts Fuhrpark, Schulneubau, Elektrizitätswerke, gestrichelte Fläche potentielle Erweiterungsfläche für die Schule. Die gelb markierte Fläche symbolisiert das alte Schulareal.

Das städtische Vorgehen sorgte innerhalb der evangelischen Gemeinde und besonders bei der Elternschaft für Widerstand. Sie forderten einen Ersatzbau bzw. Neubau für das abzureißende Schulgebäude, welches sehr zentral lag und damit gut sowie schnell für Schüler/innen zu erreichen war. Dieser Ersatzbau sollte modernen Anforderungen genüge tun und vor allem viel Licht und genügend frische Luft während des Unterrichts ermöglichen. Besonders da der überwiegende Teil der Kinder aus armen Familien stammte, deren Wohnungen meist kein Fenster noch Tageslicht besaßen. Diese Forderungen sollten darüber hinwegsehen lassen, dass dieser Abriss die evangelische Schülerschaft gegenüber ihren katholischen Schülern benachteiligte. Es gab in Köln mehr katholische Schulen als evangelische Konfessionsschulen und damit auch mehr Möglichkeiten für Eltern ihre Kinder in eine für sie örtlich besser gelegene Schule zu schicken. Der weite Schulweg zum gr. Griechenmarkt barg auch die Sorge der evangelischen Gemeinde, dass viele Eltern ihre Kinder auf andere näher gelegene von der Konfession unabhängige Schulen schicken würden und somit ein Bestehen der evangelischen Konfessionsschule in Gefahr wäre. Diese Sorge basierte auch auf dem kurz zuvor stark diskutierten Reichsschulgesetz 1928, welches dem Gemeinschaftsschulwesen einen höheren Stellenwert beimaß als den Konfessionsschulen. Die Umsetzung des Gesetzes scheiterte. Nichtsdestotrotz sorgte sich die evangelische Elternschaft um das Fortbestehen dieser Schulform.

Es gelang letztlich eine Einigung zwischen der evangelischen Gemeinde, der Elternschaft sowie der Stadt Köln zu erzielen. Die Stadt plante ein neues Schulgebäude für 16 Klassen. Begonnen wurde mit dem Mädchentrakt, der sechs Klassenräume, einen Handarbeits- und einem Hauswirtschaftsraum sowie Frühstücksraum enthielt. Hinzu kamen noch ein Kinderhort, ein Arztzimmer sowie einige andere Nebenräume und die Rektorwohnung. Ein Trakt für die Unterrichtung der Jungen sollte auch folgen. Alle Räume besaßen eine große Fensterfront, die die Zufuhr von frischer Luft sowie Tageslicht garantierte.

Geplant war zudem eine Spielfläche für die Schulkinder auf dem Dach der Gebäude, da der innen liegende Schulhof zu wenig Platz für die Vielzahl der Schüler/innen bot. Heute kaum noch vorstellbar, ein Schulhof auf dem Dach des Schulgebäudes. Auf eben jenem Dach sollte auch die Möglichkeit geschaffen werden durch Abtrennung einer bestimmten Fläche Unterricht im Freien stattfinden zu lassen.

Nach einigen Verzögerungen konnte das neue Schulgebäude als Unterrichtsort ab Dezember 1930 benutzt werden.

Darstellungen stammen aus dem Bestand ev. Gemeinde Köln 34-4-1,5 bis,7

 

Notkirche

Postkarten stammen aus der Fotosammlung der Ev. Gemeinde Köln

In diesem Jahr erinnern wir uns an das Ende des Zweiten Weltkrieges zum 75. Mal. Köln erlitt in den Jahren 1942 bis 1945 starke Zerstörungen durch Bombentreffer. Viele Kölnerinnen und Kölner verloren dabei ihr Leben oder wurden obdachlos. Besonders schwer traf es Köln bei Angriffen im Herbst 1944 und 1945. Die Stadt glich einer Trümmerlandschaft.

Die Auswirkungen des Krieges für die Zivilbevölkerungen waren verheerend. Angst vor weiteren Angriffen, die Sorge um Verwandte, der tägliche Kampf ums Überleben, bestimmten den Alltag der Kölnerinnen und Kölner.
Das Leid und die Not waren groß. Viele Kölnerinnen und Kölner, aber auch viele Flüchtlinge und Ausgebombte suchten nach Schutz, Halt und seelischem Beistand. Doch auch das evangelische Gemeindeleben war durch die schweren Kriegsfolgen durcheinandergeraten. Die Mitgliederanzahl war von 52.000 Mitgliedern auf 20.000 gesunken. Alle evangelischen Gotteshäuser in Köln- die Trinitatiskirche am Filsengraben, die Lutherkirche am Martin- Luther-Platz, die Kreuzkapelle in der Machabäerstraße, die Christuskirche in der Herwarthstraße sowie die Antoniterkirche in der Schildergasse und die Kartäuserkirche in der Kartäusergasse- lagen in Schutt und Asche. Das Zelebrieren von Gottesdiensten, Hochzeiten, Taufen oder Beerdigungen in den Kirchen war somit nicht möglich. Es fehlte auch an Geistlichen, die die verbliebenen und neu zugezogenen Gemeindemitglieder, seelsorgerisch betreuen konnten. Von den ehemals neun Pfarrstellen waren nach den Kriegshandlungen nur noch zwei besetzt. Der aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrte Pfarrer Ulrich Bergfried schilderte die schlechte Lage wie folgt:
„Als ich im Juli 1945, aus der Gefangenschaft entlassen, wiederkam, traf ich von unserem vor dem Krieg neun Köpfe zählenden Kollegenkreis noch glücklich einen Ganzen an: den Pfarrer Rost. Die anderen waren buchstäblich verstreut in alle Winde, gefangen, krank, an einem anderen Ort verpflichtet usw.“

Pfarrer Bergfrieds Worte verdeutlichen wie schwierig die Erfüllung der Sehnsüchte der Gläubigen nach Trost und intensiver sowie angemessener seelsorgerlichen Betreuung war. Um den Halt- und Trostsuchenden jedoch einen Ort zu schaffen, an dem sie Gemeinschaft und einen gewissen Trost und auch Unterstützung erfahren konnten, wurden sogenannte Notkirchenräume eingerichtet. Bei diesen Räumlichkeiten konnte es sich um unversehrte Räume in bspw. Gemeindehäusern, in Schulen, in Wohnhäusern oder unversehrt gebliebenen Teilen des Kirchraumes handeln.
Die Archivale des Monats zeigt einen dieser Notkirchenräume in der Christuskirche (Format 10x15cm). In der Nacht vom 20. auf den 21.04.1944 wurde die Christuskirche durch eine Luftmine und zwei Volltreffer bis auf den Turm, die Orgelempore und das gewölbte vierschiffige Souterrain zerstört. Pfarrer Rost und Pfarrer Dr. Bergfried richteten diesen Ort mit Unterstützung des Küsters durch das Aufstellen von Bänken und Herrichtung eines Altars zu einem gottesdienstlichen Behelfsraum ein. Es war daher möglich unter dem Turm am 19.08.1945 einen der ersten evangelischen Gottesdienste nach dem Zweiten Weltkrieg in Köln abzuhalten.
Der Notkirchenraum bot ca. 60 Menschen Platz. Auf Grund des hohen und schnellen Zuwachses von Flüchtlingen und Ausgebombten stellte sich recht schnell heraus, dass der Platz nicht ausreichte. Pfarrer Wilhelm Rost trat daher 1949 für eine Erweiterung des Notkirchenraumes der Christuskirche vor dem Presbyterium der ev. Gemeinde Köln ein. Nach Absicherung der finanziellen Kosten und Abtransportes des Schuttes wurde eine Erweiterung vorgenommen, so dass ca. 240 Personen Platz fanden.
In seiner Sitzung vom 31.03.1950 beschloss das Presbyterium der evangelischen Gemeinde Köln den Wiederaufbau der Christuskirche und beauftragte das Architekturbüro Dr. Schulze und Dr. Hesse mit dem Bau, der 1951 feierlich eingeweiht wurde. Der Turm wurde dabei nicht abgerissen.
1982 wurde der Turm der Christuskirche unter Denkmalschutz gestellt. Er schließt sich heute an einen neuen Gebäudekomplex an, der sowohl das Kirchenschiff, die Gemeinderäume als auch Mietwohnungen, Büroflächen, eine Tiefgarage und einen Gemeindegarten enthält.

Totengräber des evangelischen Kirchhofes

Der Geusenfriedhof in Köln-Lindenthal nahe der Universität ist vielen Kölnerinnen und Kölnern bekannt. Er ist der älteste Friedhof für Protestanten im Rheinland. Die ältesten Gräber stammen aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Viele Gräber tragen die Namen niederländischer Protestanten, die als Geusen bezeichnet wurden, daher auch der Name des Friedhofs. Im 16. Jahrhundert war es der protestantischen Bevölkerung verboten ihre Toten innerhalb der Stadtmauern zu begraben. 1576 erhielten sie am Weyertor durch eine Schenkung von Frau Ursula von Goer zu Kaldenbroek ein Grundstück, auf dem sie ihre Toten begraben konnten. Ratsbeschlüsse aus den Jahre 1583 sowie 1586 legten zudem fest, dass an Beerdigungen von Protestanten max. 6 Personen teilnehmen durften, um ein großes Aufsehen zu vermeiden.

Der Geusenfriedhof

Der Friedhof wurde bis 1829 als evangelische Ruhestätte genutzt. 1829 durften Protestanten zusammen mit katholischen Mitbürgern auf dem Zentralfriedhof Melaten innerhalb der Stadt beerdigt werden, so dass nur noch vereinzelt auf dem Geusenfriedhof bis 1875 Beerdigungen stattfanden. Es handelte sich dabei vorrangig um Personen, die ihre letzte Ruhestätte nahe ihren Verwandten haben wollten, die auf dem Geusenfriedhof bereits beerdigt waren. Von einigen dieser Personen sind Beschwerden bzgl. Verwüstungen und Zerstörungen der Gräber an den Kirchenrat der reformierten Gemeinde überliefert. Als Konsequenz entwickelte der Kirchenrat einen Plan zur Erhaltung und Verschönerung des evangelischen Kirchhofs. Darunter fiel auch die Einstellung einer Person, die sowohl für die Aufsicht über den Friedhof als auch für die Pflege der Gräber, Wege und Bäume zuständig sein sollte und das Anlegen eines Fonds zur Verschönerung des Friedhofs.

Der Totengräber

Die Archivale des Monats gibt in 22 Artikeln Aufschluss über die Person des Totengräbers, seine Aufgaben sowie über geltende Verhaltensregeln für ihn und auch für die Besucher des Friedhofs. Der Totengräber war sowohl für die Verwaltung (Nummerierung der Gräber sowie Register über Verstorbene mit Namen- und Standesangaben) als auch für die Pflege des Friedhofes verantwortlich. Er übte demnach die Funktion eines heutigen Friedhofamtes und eines Friedhofgärtners aus. Er lebte direkt neben dem Friedhof in einem Haus mit Garten und Kuhstall, welches die reformierte Gemeinde für dieses Amt errichtete.

Totengräber als Gärtner

Interessant an der Arbeitsbeschreibung ist die Erwähnung, dass „[…] der ganz Kirchhof als ein Garten zu betrachten ist, worin alles geordnet seyn muß […]“. Dazu gehören das Anlegen von Wegen, das Pflanzen von Hecken und Blumen sowie die Beschneidung und Säuberung derselben. Für die Gestaltung und Pflege der Gräber waren die Hinterbliebenen des Verstorbenen verantwortlich, genauso wie heute. Es gab jedoch Regeln, was gepflanzt werden durfte. Neben Blumen durften auch Obstbäume gepflanzt werden, die jedoch nicht tief wurzeln durften. Der alte Friedhof sollte demnach eher einer Parkanlage gleichen. Dementsprechend war es notwendig, dass der Totengräber eine Ausbildung als Gärtner absolviert hatte. Sein Arbeitswerkzeug wurde ihm teilweise durch die reformierte Gemeinde gestellt, zum Teil musste er sich selbst darum kümmern. Des Weiteren war es seine Pflicht auf das Aussehen der Gräber zu achten. War ein Grabstein beschädigt, lag es in seiner Verantwortung die Hinterbliebenen ausfindig zu machen und dazu zu veranlassen den Schaden zu beheben. Waren Hinterbliebene nicht mehr zu finden beziehungsweise nicht in der Lage oder gewillt den Grabstein zu reparieren, musste der Totengräber dies dem Kirchenrat melden. Dieser entschied dann über das weitere Vorgehen.

Wächteraufgaben

Zu seinen Aufgaben als Wächter gehörte zudem, darauf zu achten, dass keine Kaffeekränzchen noch Spiele auf dem Friedhofsgelände abgehalten wurden, um die stille Andacht und das stille Gedenken nicht zu stören. Ihm war es auch untersagt solche Unternehmungen durch den Ausschank von Bier, Wein oder Brandtwein zu unterstützen. Trotz der Einstellung eines Totengräbers ist es immer wieder im Laufe der Jahre zu Verwüstungen und Zerstörungen gekommen. Auch die Pflege der Gräber geriet immer mehr in den Hintergrund, so dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts viele Grabdenkmäler mit Unkraut überwuchert oder gänzlich durch Witterungen zerstört waren. Im Zuge des Baus des Krankenhauses Weyertal sind erste Instandsetzungsarbeiten an Gräbern vollzogen worden, da der alte Friedhof als Parkanlage zum Erholen für die Patienten genutzt wurde.

Der Friedhof Heute

In den 30er Jahren wurde der alte evangelische Friedhof durch den Stadtkonservator Hans Vogts wiederentdeckt. Er beklagte den schlechten Zustand des Friedhofs und hielt alle noch vorhandenen Gräber mit Inschriften in einem Register fest. Durch den Krieg und seine Folgen kam der Friedhof und seine Bedeutung für die Geschichte der Protestanten in Köln erst wieder in den 1980er Jahren in den Blick. Die evangelische Gemeinde Köln und das Land NRW engagierten sich gemeinsam für die Instandsetzung des Friedhofs, der nun zu Kölns bekanntesten Denkmälern zählt.

Diese Archivale stammt aus dem Bestand der ev. Gemeinde Köln 66,1,1.

 

Kirchenpass

Wenn man das Wort liest, fragt man sich was soll das bedeuten? Ist ein Ausweisdokument gemeint oder ein Reiseführer über Kirchen oder gar eine Art Eintrittskarte ähnlich einem Museumspass? All diese Assoziationen treten dem Forschenden entgegen, wenn er nach dem Begriff googelt.

In diesem Fall handelt es sich um ein Dokument, das wahrscheinlich aus dem Jahr 1908 stammt. Es sollte jedem Gemeindemitglied nach der Konfirmation ausgestellt werden, so die Idee. Darin enthalten kurze Texte zur Taufe, Konfirmation und zum Abendmahl sowie ein Konfirmationszeugnis. Zudem bestand die Möglichkeit weitere pfarramtliche Bescheinigungen eintragen zu lassen.

Dieser kleine handliche Pass sollte als Ersatz für die illustrierte Konfirmationsbescheinigung, die oftmals im Haus als Erinnerungsstück aufgehängt wurde, dienen. Sie war auf Grund ihres Formats (DIN A4) zur Mitnahme auf bspw. Reisen ungeeignet war. Diese Bescheinigung war (und ist es heute noch) besonders wichtig bei Zuzug oder Aufenthalt in einer anderen Gemeinde, um dort am Abendmahl teilnehmen, sich kirchlich trauen lassen oder auch eine Patenschaft übernehmen zu können.

Neben dieser Funktion sollte dieses Dokument auch eine Art Hilfestellung für eine christliche Lebensführung sein. Es enthielt eine „kurze Anweisung zum christlichen Wandel“. Dazu gehörte das tägliche Gebet, das Lesen und Hören des Wortes Gottes sowie die Teilnahme am Gottesdienst und am gemeinschaftlichen Abendmahl. Des Weiteren sollte der Gläubige auf eine kirchliche Trauung und ein christliches Begräbnis Wert legen.

Der Kirchenpass kam in Köln nie zur Ausführung. Das Presbyterium der evangelischen Gemeinde sah keinen Mehrwert für die bis dato übliche Ausstellung und Handhabung der Konfirmationsbescheinigung und entschied sich somit gegen die Einführung.

Diese Archivale stammt aus dem Bestand der ev. Gemeinde Köln 04-0,2.

 

Tonkrug vom Kirchentag 2007 in Köln

Der 31. Evangelische Kirchentag mit der Losung „lebendig und kräftig und schärfer (Hebräer 4,12)“ mit 103.726 Teilnehmern in Köln im Jahr 2007, stand unter den Eindrücken der Zusammenkunft der G8-Staaten im Ostseebad Heiligendamm. Zentrale Themen waren Globalisierung, Ökumene und Spiritualität.

Neben den bekannten orange farbenen Schals, dem Erkennungszeichen der Teilnehmer, legen auch andere Erinnerungsstücke Zeugnis vom 31. Evangelischen Kirchentag ab. Ein Beispiel ist dieser Tonkrug. Schön zu erkennen, sind die Jerusalemkreuze, die als Symbol für den evangelischen Kirchentag stehen. Die vier kleinen Kreuze verdeutlichen die vier Himmelrichtungen. Sie sollen die Verbundenheit und gelebte Ökumene verdeutlichen.

 

 

 

Auch der Evangelische Kirchenverband engagierte sich. Auf dem Gelände der Kartause fanden sich immer wieder Menschen ein, denen ein vielfältiges Programm geboten wurde. Unter anderem wurde die Blaukopp-Ausstellung -200 Jahre Protestanten in Köln- den Besuchern gezeigt.

 

 

 

 

 

 

Kirchstuhlordnung 1805

Die Ausübung des evangelischen Glaubens konnte in Köln bis ins 19. Jahrhundert hinein nur im Geheimen stattfinden. Eine Änderung brachten erst die 1802 formulierten Organischen Artikel. Durch dieses Gesetz wurde die öffentliche Religionsausübung für Protestanten erlaubt sowie eine rechtliche Gleichstellung der christlichen Konfessionen (katholisch, lutherisch, reformiert) festgeschrieben. In Folge dessen erhielten 1802die lutherische und die reformierte Gemeinde die Antoniterkirche auf der Schildergasse als Gottesdiensthaus. Der erste Gottesdienst fand dort jedoch erst am 19.Mai 1805 statt.

Die Kirchstuhlordnung vermittelt einen Eindruck von der inneren Ordnung der evangelischen Gemeinde. Es wird darin die Vergabe der Sitzplätze geregelt. Jedem Gemeindemitglied war es möglich, sich einen Kirchstuhl durch ein Kirchgeld zu mieten. Das Gemeindemitglied erwarb sich dadurch befristete Nutzungsrechte. Die Kirche blieb Eigentümerin. Durch diese Regelung sollte vermieden werden, dass erworbene Kirchstühle verschenkt oder weiterverkauft wurden. Außerdem durfte ein Stuhl ohne die Erlaubnis des Kirchenvorstehers weder verliehen noch getauscht werden. Eine Vererbung innerhalb der Familie war möglich, jedoch nur unter bestimmten Voraussetzungen. Väter durften nur an männliche Nachkommen ihren Sitzplatz vererben und Frauen nur an weibliche Verwandte.

Die Mieteinnahmen wurden durch einen Kirchendiener schriftlich festgehalten. Das Geld diente dem Zweck, Bedürfnisse der Gemeinde in der Seelsorge oder auch in der Verwaltung zu befriedigen.

Gemäß den gesellschaftlichen Konventionen saßen Männer und Frauen getrennt voneinander. Männer saßen im Mittelschiff rechts der Kanzel, rechts neben der Orgel und auf den Galerien. Frauen hingegen hatten ihre Plätze links neben der Kanzel und an den beiden Seitenwänden unter den Galerien. Gesellschaftlich höher gestellte Personen besaßen einen separaten, abgeschlossenen Bereich unterhalb der Orgel. Von dort hatten sie einen ungestörten Blick auf Altar und Kanzel. Auch der Kirchenvorstand nahm an einem gesonderten Bereich auf dem Chor Platz.

Diese Archivale stammt aus dem Archiv der evangelischen Gemeinde Köln 71/0-3-4