Archivalien des Monats

 

Christuskirche

Vor 126 Jahren, genau am 02.12.1894, wurde die Christuskirche eingeweiht. Damit besaß die ca. 30.000 Seelen umfassende Evangelische Gemeinde in Köln endlich eine dritte Kirche. Doch der Weg bis zur Einweihung war steinig.

Anfang der 1850er Jahre waren erste Planungen und Überlegungen zum Bau eines weiteren evangelischen Gotteshauses gemacht worden, um eine zukünftige Überlastung der bereits existieren Kirchen, Antoniter- und Trinitatiskirche, zu verhindern. Das Presbyterium entschied sich zunächst gegen einen Neubau. Im Jahr 1860 war die Trinitatiskirche erst eingeweiht worden, sodass zunächst kein erneuter Bedarf gesehen wurde.

Erst Anfang der 80er Jahre stieg das Interesse an einem weiteren Kirchbau wieder. Grund dafür waren Beschwerden über die zu vollen Gottesdienste. Einen ersten Schritt unternahmen die Gemeindevertretungen zum 400-jährigen Luther-Jubiläum (1883).

Die Gemeindemitglieder wurden zu Spenden zwecks eines neuen Kirchbaus als „bleibende Erinnerung an den 400-jährigen Gedenktag des großen Reformators“ aufgerufen. [1] Es wurden 61.000 Mark gesammelt. Diese Summe diente als Grundlage für den Erwerb eines passenden Grundstücks, was sich jedoch als äußerst langjährigen Prozess gestaltete. Der Bauplatz an der Gladbacherstr., der durch die Gemeinde ins Auge gefasst worden war, wurde von der Stadt nicht genehmigt. Stattdessen schlug die Stadt Köln das Grundstück an der Herwarthstr. vor. Dieses akzeptierte das Presbyterium. Der Entwurf des Kirchenbaus stammte von den Straßburger Dombaumeistern August Hartel und Skjöld Neckelmann. Die Ausführung 1891-1894 übernahm jedoch der Baumeister Heinrich Johann Wiethase, da die Ausführung des Entwurfs von Hartel und Neckelmann zu teuer geworden wäre. Nach dem Tod von Wiethase 1893, vollendete sein Schüler Arthur Eberhard die Kirche.

Am 02.12.1894 war es dann so weit, mit einem Festzug wurde die neue Christuskirche eingeweiht. Die beiden Archivalien zeigen das aufwendig gestaltete Cover des Festprogramms und zum anderen eine Vorlage der Einladungskarten. Zur Einweihung erschienen geistliche und weltliche Würdenträger wie der Präsident des evangelischen Obersten Kirchenrats Dr. Barkhausen, der Generalsuperintendent D. Baur, der Consistorialpräsident Grundschöttel, der Präses der Provinzialsynode Superintendent Umbeck, der Regierungspräsident von Richthofen, Eisenbahndirektionspräsident Offermann, Oberbürgermeister Becker und viele weitere.

Am 21.04.1944 zerstörte eine Luftmine sowie zwei Volltreffer die Kirche bis auf den Turm, die Orgelempore und das gewölbte, vierschiffige Souterrain. Unterhalb des nicht zerstörten Turmes wurde eine Notkirche eingerichtet, über die wir bereits im August berichteten. Auf den Fundamenten konnte nach den Entwürfen von den Architekten Eberlein, Dr. Schulze und Dr. Hesse der Neubau der Christuskirche gebaut werden.

Kirchturm, Orgelempore und Gewölbekeller wurden 1982 unter Denkmalschutz gestellt. Ihre heutige Gestalt erhielt die Christus Kirche von 2014-2016.

[1] Rebensburg: Festschrift zur Einweihung der Christuskirche, S.77.

 

Erinnerung an das Martha-Stift

Das Martha-Stift e.V. ist vielleicht manchen Kölnerinnen und Kölnern noch ein Begriff oder sogar in schwacher Erinnerung. Im Ferkulum 29 stand es. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude, sowie viele andere, durch Bombentreffer vollständig zerstört. Der Verein war nicht mehr in der Lage das Gebäude aufzubauen und der Vorstand beschloss daher das Grundstück an die katholische Kirchengemeinde St. Severin zu verkaufen. Vor dem Krieg diente es als Seniorenheim. Doch das war nicht sein
ursprünglicher Zweck.

Schutz vor mannigfaltigen Verführungen der Großstadt

Vor rund 130 Jahren erschien eine Festschrift zum 25-jährigen Jubiläum des evangelischen Mägdehauses, Martha-Stift. Gegründet wurde es 1864. 1887 wurde ihr der Status einer juristischen Person verliehen. Der Satzung kann man entnehmen, dass es „stellensuchenden und dienstsuchenden Mägden“ einen zeitweiligen Aufenthalt gewährte sowie heranwachsende Mädchen nach zurückgelegter Schulzeit in den praktischen Arbeiten des häuslichen Lebens unterrichtete und damit die Mädchen und jungen Frauen zu einem „selbstständigen Broterwerb“ befähigte. Die Mädchen und jungen Frauen sollten vor den mannigfaltigen Verführungen der Großstadt noch einige Zeit geschützt werden bzw. angeleitet werden diesen zu widerstehen und somit vor „sittlichen Verderben“ bewahrt werden. Für die Betreuung und für den Unterricht waren die Kaiserswerther Diakonissen verantwortlich.

Aufnahmebedingungen

Wie durch die Satzung bereits deutlich gemacht, sprach das Stift zwei Gruppen an. Zum einen war es eine Mädchenbildungsanstalt zur Ausbildung von Dienstmädchen und zum anderen eine Herberge für bereits ausgebildete Dienstmädchen, die Unterstützung bei der Erlangung einer Dienststelle benötigten. Für beide Gruppen gab es unterschiedliche
Aufnahmebedingungen. Die Schülerinnen mussten neben der Einverständniserklärung ihres Erziehungsberechtigten, ein Schulgeld von 160 Mark bezahlen, eine vorgegebene Anzahl an Kleidungs- und Wäschestücken mitbringen sowie eine Konfirmationsbescheinigung vorweisen.

Die arbeitssuchenden Dienstmädchen mussten einen guten Ruf besitzen, das Dienstbuch musste tadellos sein. Sie verpflichteten sich Aufgaben im Stiftshaus wie kochen, bügeln und Wäsche waschen zu übernehmen. Von dieser Bereitschaft war auch die Höhe der Summe, welche sie für die Aufnahme zu entrichten hatten, abhängig. Bspw. sollten Frauen, die sich nicht an der Hausarbeit beteiligen wollten 80 Pfennig bezahlen. Frauen hingegen, die solche Aufgaben übernahmen, mussten nur 20 Pfennig
bezahlen. Allen Bewohnerinnen jedoch stand es offen sich der kostenfreien, beruflichen Vermittlungstätigkeiten der Kaiserswerther Diakonissen zu bedienen.

Das Ende des Vereins

Im Zuge der Industrialisierung und der damit eingehenden neuen Arbeitsmöglichkeiten für Frauen ließen sich immer weniger junge Mädchen zu Dienstmädchen ausbilden. Ein Motiv lag darin, dass junge Frauen nicht mehr „dienen“ wollten. Sie zogen eine Beschäftigung in der Fabrik vor. Im Laufe der Jahre fiel es dem Vorstand immer schwerer neue Sponsoren zu finden sowie auch neue Schülerinnen für sich zu gewinnen, sodass sich der Verein nun der Seniorenbetreuung annahm. Dieses Tätigkeitsfeld wurde bis zur Zerstörung des Hauses im Zweiten Weltkrieg und etwas darüber hinaus beibehalten. Am 18.05.1956 verkündete der Vorsitzende des verbliebenen Kuratoriums, Alfred Vorster, dass der Verein „Martha-Stift e.V.“ aufgelöst werde. Das Restvermögen werde der evangelischen Gemeinde Köln übertragen unter der Bedingung gemeinnützige Projekte damit zu
unterstützen. Dies tat die Gemeinde Köln auch, indem sie mit dem Geld den Wiederaufbau des Clara-Elisenstiftes, welches vorher am Rothgerberbach stand, an neuer Stelle, auf dem Kartäuserwall, finanzierte.

Schulstart mit Hindernissen

Im letzten Monat sind die Schulferien in NRW zu Ende gegangen. Viel wurde darüber diskutiert, wie der Schulstart unter Corona-Bedingungen von Statten gehen soll, mit oder ohne Maske. Besonders bei so heißen Tagen wie wir sie im August erlebt haben, eine Qual für die Schüler/innen sowie für das Lehrpersonal. Glück gehabt, wenn Unterricht auch an der frischen Luft stattfinden kann, wie es für manche Unterrichtsstunden von Schülervertretungen vorgeschlagen wurde.

Was für Schüler/innen in der heutigen Zeit schon fast zum Alltag gehört, dass Unterricht auch im Freien stattfinden kann, war für Schüler/innen Anfang des 20. Jahrhunderts keine Selbstverständlichkeit. Zum Diskussionsthema wurde diese Form des Unterrichts beim Neubau der evangelischen Elementarschule am Großen Griechenmarkt, vorheriger Standort in den Antoniterstr. 27/29. Der Neubau der Schule wurde notwendig, da die Stadt Köln einen Straßendurchbruch von West nach Ost, also Neumarkt-Cäcilienstr, Blindgasse-Hohestr. geplant hatte. Das alte Schulgebäude, errichtet 1871, sollte abgerissen werden.
Stadtplan von Köln ca.1928/29. In die rot markierte Fläche ist die neue Schule eingezeichnet. Von links nach rechts Fuhrpark, Schulneubau, Elektrizitätswerke, gestrichelte Fläche potentielle Erweiterungsfläche für die Schule. Die gelb markierte Fläche symbolisiert das alte Schulareal.

Stadtplan von Köln ca.1928/29. In die rot markierte Fläche ist die neue Schule eingezeichnet. Von links nach rechts Fuhrpark, Schulneubau, Elektrizitätswerke, gestrichelte Fläche potentielle Erweiterungsfläche für die Schule. Die gelb markierte Fläche symbolisiert das alte Schulareal.

Das städtische Vorgehen sorgte innerhalb der evangelischen Gemeinde und besonders bei der Elternschaft für Widerstand. Sie forderten einen Ersatzbau bzw. Neubau für das abzureißende Schulgebäude, welches sehr zentral lag und damit gut sowie schnell für Schüler/innen zu erreichen war. Dieser Ersatzbau sollte modernen Anforderungen genüge tun und vor allem viel Licht und genügend frische Luft während des Unterrichts ermöglichen. Besonders da der überwiegende Teil der Kinder aus armen Familien stammte, deren Wohnungen meist kein Fenster noch Tageslicht besaßen. Diese Forderungen sollten darüber hinwegsehen lassen, dass dieser Abriss die evangelische Schülerschaft gegenüber ihren katholischen Schülern benachteiligte. Es gab in Köln mehr katholische Schulen als evangelische Konfessionsschulen und damit auch mehr Möglichkeiten für Eltern ihre Kinder in eine für sie örtlich besser gelegene Schule zu schicken. Der weite Schulweg zum gr. Griechenmarkt barg auch die Sorge der evangelischen Gemeinde, dass viele Eltern ihre Kinder auf andere näher gelegene von der Konfession unabhängige Schulen schicken würden und somit ein Bestehen der evangelischen Konfessionsschule in Gefahr wäre. Diese Sorge basierte auch auf dem kurz zuvor stark diskutierten Reichsschulgesetz 1928, welches dem Gemeinschaftsschulwesen einen höheren Stellenwert beimaß als den Konfessionsschulen. Die Umsetzung des Gesetzes scheiterte. Nichtsdestotrotz sorgte sich die evangelische Elternschaft um das Fortbestehen dieser Schulform.

Es gelang letztlich eine Einigung zwischen der evangelischen Gemeinde, der Elternschaft sowie der Stadt Köln zu erzielen. Die Stadt plante ein neues Schulgebäude für 16 Klassen. Begonnen wurde mit dem Mädchentrakt, der sechs Klassenräume, einen Handarbeits- und einem Hauswirtschaftsraum sowie Frühstücksraum enthielt. Hinzu kamen noch ein Kinderhort, ein Arztzimmer sowie einige andere Nebenräume und die Rektorwohnung. Ein Trakt für die Unterrichtung der Jungen sollte auch folgen. Alle Räume besaßen eine große Fensterfront, die die Zufuhr von frischer Luft sowie Tageslicht garantierte.

Geplant war zudem eine Spielfläche für die Schulkinder auf dem Dach der Gebäude, da der innen liegende Schulhof zu wenig Platz für die Vielzahl der Schüler/innen bot. Heute kaum noch vorstellbar, ein Schulhof auf dem Dach des Schulgebäudes. Auf eben jenem Dach sollte auch die Möglichkeit geschaffen werden durch Abtrennung einer bestimmten Fläche Unterricht im Freien stattfinden zu lassen.

Nach einigen Verzögerungen konnte das neue Schulgebäude als Unterrichtsort ab Dezember 1930 benutzt werden.

Darstellungen stammen aus dem Bestand ev. Gemeinde Köln 34-4-1,5 bis,7

 

Notkirche

Postkarten stammen aus der Fotosammlung der Ev. Gemeinde Köln

In diesem Jahr erinnern wir uns an das Ende des Zweiten Weltkrieges zum 75. Mal. Köln erlitt in den Jahren 1942 bis 1945 starke Zerstörungen durch Bombentreffer. Viele Kölnerinnen und Kölner verloren dabei ihr Leben oder wurden obdachlos. Besonders schwer traf es Köln bei Angriffen im Herbst 1944 und 1945. Die Stadt glich einer Trümmerlandschaft.

Die Auswirkungen des Krieges für die Zivilbevölkerungen waren verheerend. Angst vor weiteren Angriffen, die Sorge um Verwandte, der tägliche Kampf ums Überleben, bestimmten den Alltag der Kölnerinnen und Kölner.
Das Leid und die Not waren groß. Viele Kölnerinnen und Kölner, aber auch viele Flüchtlinge und Ausgebombte suchten nach Schutz, Halt und seelischem Beistand. Doch auch das evangelische Gemeindeleben war durch die schweren Kriegsfolgen durcheinandergeraten. Die Mitgliederanzahl war von 52.000 Mitgliedern auf 20.000 gesunken. Alle evangelischen Gotteshäuser in Köln- die Trinitatiskirche am Filsengraben, die Lutherkirche am Martin- Luther-Platz, die Kreuzkapelle in der Machabäerstraße, die Christuskirche in der Herwarthstraße sowie die Antoniterkirche in der Schildergasse und die Kartäuserkirche in der Kartäusergasse- lagen in Schutt und Asche. Das Zelebrieren von Gottesdiensten, Hochzeiten, Taufen oder Beerdigungen in den Kirchen war somit nicht möglich. Es fehlte auch an Geistlichen, die die verbliebenen und neu zugezogenen Gemeindemitglieder, seelsorgerisch betreuen konnten. Von den ehemals neun Pfarrstellen waren nach den Kriegshandlungen nur noch zwei besetzt. Der aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrte Pfarrer Ulrich Bergfried schilderte die schlechte Lage wie folgt:
„Als ich im Juli 1945, aus der Gefangenschaft entlassen, wiederkam, traf ich von unserem vor dem Krieg neun Köpfe zählenden Kollegenkreis noch glücklich einen Ganzen an: den Pfarrer Rost. Die anderen waren buchstäblich verstreut in alle Winde, gefangen, krank, an einem anderen Ort verpflichtet usw.“

Pfarrer Bergfrieds Worte verdeutlichen wie schwierig die Erfüllung der Sehnsüchte der Gläubigen nach Trost und intensiver sowie angemessener seelsorgerlichen Betreuung war. Um den Halt- und Trostsuchenden jedoch einen Ort zu schaffen, an dem sie Gemeinschaft und einen gewissen Trost und auch Unterstützung erfahren konnten, wurden sogenannte Notkirchenräume eingerichtet. Bei diesen Räumlichkeiten konnte es sich um unversehrte Räume in bspw. Gemeindehäusern, in Schulen, in Wohnhäusern oder unversehrt gebliebenen Teilen des Kirchraumes handeln.
Die Archivale des Monats zeigt einen dieser Notkirchenräume in der Christuskirche (Format 10x15cm). In der Nacht vom 20. auf den 21.04.1944 wurde die Christuskirche durch eine Luftmine und zwei Volltreffer bis auf den Turm, die Orgelempore und das gewölbte vierschiffige Souterrain zerstört. Pfarrer Rost und Pfarrer Dr. Bergfried richteten diesen Ort mit Unterstützung des Küsters durch das Aufstellen von Bänken und Herrichtung eines Altars zu einem gottesdienstlichen Behelfsraum ein. Es war daher möglich unter dem Turm am 19.08.1945 einen der ersten evangelischen Gottesdienste nach dem Zweiten Weltkrieg in Köln abzuhalten.
Der Notkirchenraum bot ca. 60 Menschen Platz. Auf Grund des hohen und schnellen Zuwachses von Flüchtlingen und Ausgebombten stellte sich recht schnell heraus, dass der Platz nicht ausreichte. Pfarrer Wilhelm Rost trat daher 1949 für eine Erweiterung des Notkirchenraumes der Christuskirche vor dem Presbyterium der ev. Gemeinde Köln ein. Nach Absicherung der finanziellen Kosten und Abtransportes des Schuttes wurde eine Erweiterung vorgenommen, so dass ca. 240 Personen Platz fanden.
In seiner Sitzung vom 31.03.1950 beschloss das Presbyterium der evangelischen Gemeinde Köln den Wiederaufbau der Christuskirche und beauftragte das Architekturbüro Dr. Schulze und Dr. Hesse mit dem Bau, der 1951 feierlich eingeweiht wurde. Der Turm wurde dabei nicht abgerissen.
1982 wurde der Turm der Christuskirche unter Denkmalschutz gestellt. Er schließt sich heute an einen neuen Gebäudekomplex an, der sowohl das Kirchenschiff, die Gemeinderäume als auch Mietwohnungen, Büroflächen, eine Tiefgarage und einen Gemeindegarten enthält.

Totengräber des evangelischen Kirchhofes

Der Geusenfriedhof in Köln-Lindenthal nahe der Universität ist vielen Kölnerinnen und Kölnern bekannt. Er ist der älteste Friedhof für Protestanten im Rheinland. Die ältesten Gräber stammen aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Viele Gräber tragen die Namen niederländischer Protestanten, die als Geusen bezeichnet wurden, daher auch der Name des Friedhofs. Im 16. Jahrhundert war es der protestantischen Bevölkerung verboten ihre Toten innerhalb der Stadtmauern zu begraben. 1576 erhielten sie am Weyertor durch eine Schenkung von Frau Ursula von Goer zu Kaldenbroek ein Grundstück, auf dem sie ihre Toten begraben konnten. Ratsbeschlüsse aus den Jahre 1583 sowie 1586 legten zudem fest, dass an Beerdigungen von Protestanten max. 6 Personen teilnehmen durften, um ein großes Aufsehen zu vermeiden.

Der Geusenfriedhof

Der Friedhof wurde bis 1829 als evangelische Ruhestätte genutzt. 1829 durften Protestanten zusammen mit katholischen Mitbürgern auf dem Zentralfriedhof Melaten innerhalb der Stadt beerdigt werden, so dass nur noch vereinzelt auf dem Geusenfriedhof bis 1875 Beerdigungen stattfanden. Es handelte sich dabei vorrangig um Personen, die ihre letzte Ruhestätte nahe ihren Verwandten haben wollten, die auf dem Geusenfriedhof bereits beerdigt waren. Von einigen dieser Personen sind Beschwerden bzgl. Verwüstungen und Zerstörungen der Gräber an den Kirchenrat der reformierten Gemeinde überliefert. Als Konsequenz entwickelte der Kirchenrat einen Plan zur Erhaltung und Verschönerung des evangelischen Kirchhofs. Darunter fiel auch die Einstellung einer Person, die sowohl für die Aufsicht über den Friedhof als auch für die Pflege der Gräber, Wege und Bäume zuständig sein sollte und das Anlegen eines Fonds zur Verschönerung des Friedhofs.

Der Totengräber

Die Archivale des Monats gibt in 22 Artikeln Aufschluss über die Person des Totengräbers, seine Aufgaben sowie über geltende Verhaltensregeln für ihn und auch für die Besucher des Friedhofs. Der Totengräber war sowohl für die Verwaltung (Nummerierung der Gräber sowie Register über Verstorbene mit Namen- und Standesangaben) als auch für die Pflege des Friedhofes verantwortlich. Er übte demnach die Funktion eines heutigen Friedhofamtes und eines Friedhofgärtners aus. Er lebte direkt neben dem Friedhof in einem Haus mit Garten und Kuhstall, welches die reformierte Gemeinde für dieses Amt errichtete.

Totengräber als Gärtner

Interessant an der Arbeitsbeschreibung ist die Erwähnung, dass „[…] der ganz Kirchhof als ein Garten zu betrachten ist, worin alles geordnet seyn muß […]“. Dazu gehören das Anlegen von Wegen, das Pflanzen von Hecken und Blumen sowie die Beschneidung und Säuberung derselben. Für die Gestaltung und Pflege der Gräber waren die Hinterbliebenen des Verstorbenen verantwortlich, genauso wie heute. Es gab jedoch Regeln, was gepflanzt werden durfte. Neben Blumen durften auch Obstbäume gepflanzt werden, die jedoch nicht tief wurzeln durften. Der alte Friedhof sollte demnach eher einer Parkanlage gleichen. Dementsprechend war es notwendig, dass der Totengräber eine Ausbildung als Gärtner absolviert hatte. Sein Arbeitswerkzeug wurde ihm teilweise durch die reformierte Gemeinde gestellt, zum Teil musste er sich selbst darum kümmern. Des Weiteren war es seine Pflicht auf das Aussehen der Gräber zu achten. War ein Grabstein beschädigt, lag es in seiner Verantwortung die Hinterbliebenen ausfindig zu machen und dazu zu veranlassen den Schaden zu beheben. Waren Hinterbliebene nicht mehr zu finden beziehungsweise nicht in der Lage oder gewillt den Grabstein zu reparieren, musste der Totengräber dies dem Kirchenrat melden. Dieser entschied dann über das weitere Vorgehen.

Wächteraufgaben

Zu seinen Aufgaben als Wächter gehörte zudem, darauf zu achten, dass keine Kaffeekränzchen noch Spiele auf dem Friedhofsgelände abgehalten wurden, um die stille Andacht und das stille Gedenken nicht zu stören. Ihm war es auch untersagt solche Unternehmungen durch den Ausschank von Bier, Wein oder Brandtwein zu unterstützen. Trotz der Einstellung eines Totengräbers ist es immer wieder im Laufe der Jahre zu Verwüstungen und Zerstörungen gekommen. Auch die Pflege der Gräber geriet immer mehr in den Hintergrund, so dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts viele Grabdenkmäler mit Unkraut überwuchert oder gänzlich durch Witterungen zerstört waren. Im Zuge des Baus des Krankenhauses Weyertal sind erste Instandsetzungsarbeiten an Gräbern vollzogen worden, da der alte Friedhof als Parkanlage zum Erholen für die Patienten genutzt wurde.

Der Friedhof Heute

In den 30er Jahren wurde der alte evangelische Friedhof durch den Stadtkonservator Hans Vogts wiederentdeckt. Er beklagte den schlechten Zustand des Friedhofs und hielt alle noch vorhandenen Gräber mit Inschriften in einem Register fest. Durch den Krieg und seine Folgen kam der Friedhof und seine Bedeutung für die Geschichte der Protestanten in Köln erst wieder in den 1980er Jahren in den Blick. Die evangelische Gemeinde Köln und das Land NRW engagierten sich gemeinsam für die Instandsetzung des Friedhofs, der nun zu Kölns bekanntesten Denkmälern zählt.

Diese Archivale stammt aus dem Bestand der ev. Gemeinde Köln 66,1,1.

 

Kirchenpass

Wenn man das Wort liest, fragt man sich was soll das bedeuten? Ist ein Ausweisdokument gemeint oder ein Reiseführer über Kirchen oder gar eine Art Eintrittskarte ähnlich einem Museumspass? All diese Assoziationen treten dem Forschenden entgegen, wenn er nach dem Begriff googelt.

In diesem Fall handelt es sich um ein Dokument, das wahrscheinlich aus dem Jahr 1908 stammt. Es sollte jedem Gemeindemitglied nach der Konfirmation ausgestellt werden, so die Idee. Darin enthalten kurze Texte zur Taufe, Konfirmation und zum Abendmahl sowie ein Konfirmationszeugnis. Zudem bestand die Möglichkeit weitere pfarramtliche Bescheinigungen eintragen zu lassen.

Dieser kleine handliche Pass sollte als Ersatz für die illustrierte Konfirmationsbescheinigung, die oftmals im Haus als Erinnerungsstück aufgehängt wurde, dienen. Sie war auf Grund ihres Formats (DIN A4) zur Mitnahme auf bspw. Reisen ungeeignet war. Diese Bescheinigung war (und ist es heute noch) besonders wichtig bei Zuzug oder Aufenthalt in einer anderen Gemeinde, um dort am Abendmahl teilnehmen, sich kirchlich trauen lassen oder auch eine Patenschaft übernehmen zu können.

Neben dieser Funktion sollte dieses Dokument auch eine Art Hilfestellung für eine christliche Lebensführung sein. Es enthielt eine „kurze Anweisung zum christlichen Wandel“. Dazu gehörte das tägliche Gebet, das Lesen und Hören des Wortes Gottes sowie die Teilnahme am Gottesdienst und am gemeinschaftlichen Abendmahl. Des Weiteren sollte der Gläubige auf eine kirchliche Trauung und ein christliches Begräbnis Wert legen.

Der Kirchenpass kam in Köln nie zur Ausführung. Das Presbyterium der evangelischen Gemeinde sah keinen Mehrwert für die bis dato übliche Ausstellung und Handhabung der Konfirmationsbescheinigung und entschied sich somit gegen die Einführung.

Diese Archivale stammt aus dem Bestand der ev. Gemeinde Köln 04-0,2.

 

Tonkrug vom Kirchentag 2007 in Köln

Der 31. Evangelische Kirchentag mit der Losung „lebendig und kräftig und schärfer (Hebräer 4,12)“ mit 103.726 Teilnehmern in Köln im Jahr 2007, stand unter den Eindrücken der Zusammenkunft der G8-Staaten im Ostseebad Heiligendamm. Zentrale Themen waren Globalisierung, Ökumene und Spiritualität.

Neben den bekannten orange farbenen Schals, dem Erkennungszeichen der Teilnehmer, legen auch andere Erinnerungsstücke Zeugnis vom 31. Evangelischen Kirchentag ab. Ein Beispiel ist dieser Tonkrug. Schön zu erkennen, sind die Jerusalemkreuze, die als Symbol für den evangelischen Kirchentag stehen. Die vier kleinen Kreuze verdeutlichen die vier Himmelrichtungen. Sie sollen die Verbundenheit und gelebte Ökumene verdeutlichen.

 

 

 

Auch der Evangelische Kirchenverband engagierte sich. Auf dem Gelände der Kartause fanden sich immer wieder Menschen ein, denen ein vielfältiges Programm geboten wurde. Unter anderem wurde die Blaukopp-Ausstellung -200 Jahre Protestanten in Köln- den Besuchern gezeigt.

 

 

 

 

 

 

Kirchstuhlordnung 1805

Die Ausübung des evangelischen Glaubens konnte in Köln bis ins 19. Jahrhundert hinein nur im Geheimen stattfinden. Eine Änderung brachten erst die 1802 formulierten Organischen Artikel. Durch dieses Gesetz wurde die öffentliche Religionsausübung für Protestanten erlaubt sowie eine rechtliche Gleichstellung der christlichen Konfessionen (katholisch, lutherisch, reformiert) festgeschrieben. In Folge dessen erhielten 1802die lutherische und die reformierte Gemeinde die Antoniterkirche auf der Schildergasse als Gottesdiensthaus. Der erste Gottesdienst fand dort jedoch erst am 19.Mai 1805 statt.

Die Kirchstuhlordnung vermittelt einen Eindruck von der inneren Ordnung der evangelischen Gemeinde. Es wird darin die Vergabe der Sitzplätze geregelt. Jedem Gemeindemitglied war es möglich, sich einen Kirchstuhl durch ein Kirchgeld zu mieten. Das Gemeindemitglied erwarb sich dadurch befristete Nutzungsrechte. Die Kirche blieb Eigentümerin. Durch diese Regelung sollte vermieden werden, dass erworbene Kirchstühle verschenkt oder weiterverkauft wurden. Außerdem durfte ein Stuhl ohne die Erlaubnis des Kirchenvorstehers weder verliehen noch getauscht werden. Eine Vererbung innerhalb der Familie war möglich, jedoch nur unter bestimmten Voraussetzungen. Väter durften nur an männliche Nachkommen ihren Sitzplatz vererben und Frauen nur an weibliche Verwandte.

Die Mieteinnahmen wurden durch einen Kirchendiener schriftlich festgehalten. Das Geld diente dem Zweck, Bedürfnisse der Gemeinde in der Seelsorge oder auch in der Verwaltung zu befriedigen.

Gemäß den gesellschaftlichen Konventionen saßen Männer und Frauen getrennt voneinander. Männer saßen im Mittelschiff rechts der Kanzel, rechts neben der Orgel und auf den Galerien. Frauen hingegen hatten ihre Plätze links neben der Kanzel und an den beiden Seitenwänden unter den Galerien. Gesellschaftlich höher gestellte Personen besaßen einen separaten, abgeschlossenen Bereich unterhalb der Orgel. Von dort hatten sie einen ungestörten Blick auf Altar und Kanzel. Auch der Kirchenvorstand nahm an einem gesonderten Bereich auf dem Chor Platz.

Diese Archivale stammt aus dem Archiv der evangelischen Gemeinde Köln 71/0-3-4