Pfarrer Samuel Dörr: Im Bergischen Wurzeln schlagen

Pfarrer Samuel Dörr: Im Bergischen Wurzeln schlagen

Dass es in der Kirche um die existenziellen Fragen des Lebens geht, ist Pfarrer Samuel Dörr wichtig. Auch das starke Gemeinschaftsgefühl schätzt der 33-Jährige sehr. Mit diesem Mai hat der Theologe seinen Dienst in der Pfarrstelle in Bensberg angetreten. Damit folgt er auf Pfarrer Wolfgang Graf, der, nach 30 Jahren in Bensberg, gerade von Superintendentin Andrea Vogel entpflichtet wurde.

Der Willkommensgottesdienst für Samuel Dörr fand an Christi Himmelfahrt auf dem Gelände des Gemeindezentrums Herkenrath statt – mit viel Musik und einer Predigt, die daran erinnerte, dass Gott sich den Menschen nähert, wenn sie offen für ihn sind. Dass auch das neuerliche Entschwinden Jesu am Himmelfahrtstag die Menschen nicht von Gott entfernt. Immerhin, so rief Pfarrer Samuel Dörr den Gottesdienstbesucherinnen und -besuchern in Erinnerung, offenbarte Gott seine Nähe ja schon Jakob im Buch Genesis – mit dem Traum von der Himmelsleiter, die die Distanz zu Gott überbrückt. Kontakte aufbauen und pflegen, Distanz gar nicht erst aufkommen lassen: Das sind Ziele, die auch Samuel Dörr für seine erste Zeit in der neuen Gemeinde definiert hat. „Ich biete den Mitgliedern der Gemeinde gerade Spaziergänge mit mir an. So lerne ich Bensberg kennen, und die Bensberger kommen mit mir ins Gespräch, können mir erzählen, wofür ihre Herzen schlagen.“

Aufgewachsen ist der Theologe in Andernach am Rhein. Er berichtet, dass er in einem christlich-freikirchlichen Kontext aufwuchs, sich dann aber, als der Berufswunsch Pfarrer feststand, der Landeskirche zuwandte. „Ich absolvierte Gemeindepraktika, und dann war schnell klar, wo ich meinen Platz sehe.“ Sein Studium führte ihn nach Heidelberg, Greifswald und Mainz, das Vikariat dann nach Emmelshausen-Pfalzberg. Ab Oktober 2018 unterstütze er die Pfarrer der Auferstehungsgemeinde in Duisburg Süd, Rainer Kaspers und Bodo Kaiser. In Duisburg legte der Theologe einen Schwerpunkt auf die Arbeit mit Jugendlichen. Er etablierte Formate wie „Pray and Play“, eine Verbindung von Spielen mit kurzen Andachten, bot Jugendgottesdienste als Live-Stream an und probierte Neues aus. „Auch das schätze ich an unserer Kirche so sehr. Ich bin in ihren Traditionen verwurzelt, vor allem die vertraute Liturgie gibt mir in ihrer Beständigkeit Halt, aber ich kann mich auch immer wieder neu ausprobieren.“

Genau das möchte er nun in Bensberg auch. „Ich habe tatsächlich schon so einige Pläne, um der Jugendarbeit Impulse zu geben.“ So könnte der 33-Jährige sich vorstellen, ein Filmstudio aufzubauen, um den jüngeren Mitgliedern der Gemeinde Gelegenheit zu geben, Podcasts oder Andachten aufzunehmen. Auch ein eigener Youtube-Kanal könnte demnächst die Bensberger Gemeindejugend mit der Welt verbinden. Außerdem könne man mit den neuen Formaten alle Generationen ansprechen. „In Duisburg habe ich beobachtet, dass viele ältere Menschen sehr froh über die digitalen Angebote, wie Zoom-Gottesdienste, waren. Wir haben in dieser Zeit mit all ihren Veränderungen eine Chance gesehen, neue Zielgruppen anzusprechen, Jung und Alt zusammenbringen, und es hat funktioniert.“

Im hügeligen Bergischen hofft Samuel Dörr nun, mit Ehefrau Anna und den beiden Töchtern ganz anzukommen. „Wir würden hier gerne heimisch werden. Die Umgebung ist wunderschön, das Willkommen der Gemeindeglieder hat uns sehr gefreut, und der weite Ausblick aus meinem Arbeitszimmer in Richtung Köln ist einfach spektakulär.“

Text: Katja Pohl
Foto(s): Matthias Pohl