Kirchenmusikalische Arbeit in Zeiten der Pandemie
v.l. Thomas Pehlken, Barbara Mulack, Thomas Wegst und Johannes Quack

Kirchenmusikalische Arbeit in Zeiten der Pandemie

Ein Gespräch mit der Kreiskantorin und den Kreiskantoren der vier Kirchenkreise in Köln und Region

Wie funktioniert eigentlich kirchenmusikalische Arbeit in den Zeiten der Corona-Pandemie? Um das herauszufinden, haben die Kreiskantorin Barbara Mulack (Köln-Süd) und die drei Kreiskantoren Johannes Quack (Köln-Mitte), Thomas Pehlken (Köln-Nord), Thomas Wegst (Köln-Rechtsrheinisch) einen Fragebogen entwickelt und ihn an die haupt- und nebenamtlichen Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker der 56 Gemeinden des Kirchenverbandes geschickt. 40 Gemeinden haben diese Gelegenheit genutzt und sich an der Umfrage beteiligt.

Aus den angegebenen Antworten wurde deutlich, dass die von allen Gemeinden eingehaltene Corona-Schutzverordnung des Landes NRW zwar deutliche Veränderungen mit sich brachte, aber auch viele kreative Ideen in Gang setzte. Dass die Bedingungen vor Ort in jeder Gemeinde sehr individuell sind, war den Fragenden klar. „Im Ergebnis bildet der Fragebogen eine rheinische Vielfalt im Umgang mit der aktuellen Situation ab“, sind die Kantoren sich daher einig. Ergänzend sagt Barbara Mulack: „Jeder tut das, was er in seiner Kirchengemeinde tun kann. Sei es die Andacht vor dem Seniorenheim oder die Probe in Kleingruppen, damit das Chorleben nicht zum Erliegen kommt. Das Singen fehlt den Kindern wie den Erwachsenen. Vielleicht schätzen wir es darum zukünftig ja tatsächlich mehr wert.“

Was den Menschen fehlt

Denn das ist etwas, das sich bei der Auswertung der Fragebögen zur Situation der Chöre aller Generationen, zur Lage der Posaunenchöre und zur Umsetzung von Gottesdiensten und Konzerten, schnell zeigte: Den Menschen fehlt das Miteinander beim Singen, Proben und bei Auftritten. So erläutert Thomas Pehlken, es sei schwierig, die Motivation zur Probenarbeit aufrecht zu erhalten, wenn nicht zielorientiert, zum Beispiel auf ein Konzert hin, gearbeitet werde.

Auch der Umgang mit der Situation sei bei den Erwachsenen sehr individuell. Manche fieberten der ersten Probe nach der Zwangspause entgegen, andere sind weiterhin zurückhaltend. Hygienekonzepte gab es nach den Sommerferien in allen Gemeinden, wie Barbara Mulack bestätigt. Darum haben fast alle Chöre ihre Proben wieder aufgenommen. Aber eben unter neuen Bedingungen.

Neue Ansätze

„Kleine Gruppen – große Gebäude“ scheint neben der Alternative, im Freien zu üben, eine sehr oft genutzte Möglichkeit zu sein. Denn wie es sich gezeigt hat, sind digitale Proben via Videokonferenz kaum möglich. Zu sehr behindern kleinste Verzögerungen in den Übertragungen das Miteinander der Stimmen. Auch Freiluft-Proben erwiesen sich durch die schlechte Akustik als wenig praktikabel. Proben in Teilgruppen wurden hingegen vielerorts angesetzt. So zum Beispiel im Altenberger Dom, wie Thomas Wegst berichtet.

Dort proben nun nicht die einzelnen Stimmen der Domkantorei miteinander, sondern Kleingruppen mit jeweils allen vier Stimmen. Eine spannende Herausforderung für die Sängerinnen und Sänger, die jetzt stets absolut präsent sein müssen. Ein neuer logistischer und zeitlicher Aufwand für Kirchenmusikdirektor Andreas Meisner.
Die Leiterinnen und Leiter der Kinderchöre haben mit dem Nachwuchs Bewegungslieder einstudiert, Instrumente ausprobieren lassen und Geschichten verklanglicht. Als einigermaßen entspannt beurteilten die vier Kirchenmusiker die Situation der Posaunenchöre und Instrumentalisten. Denn Aerosole setzen sie deutlich weniger frei als Chöre. Demnach konnten auch sie mit dem gebotenen Abstand ihre Arbeit wieder aufnehmen. Ähnlich gehe es den Flötenkreisen, so die Kantoren.

Schattenseiten

Bedenken äußerte die Gesprächsrunde im Hinblick auf die kommende kalte Jahreszeit. Trockene Heizungsluft in den Kirchen fördere vermutlich die Ausbreitung der Aerosole. Singen sei dann wieder ein Problem. Wie diese Problematik die Weihnachtsgottesdienste betreffe, sei noch gar nicht abzusehen, betonen die Kirchenmusiker. Freiluft-Gottesdienste sind in Planung, ebenso wie kleinere Gottesdienste mit weniger Menschen. Schwierig für die Gemeinden, existenziell bedrohlich für freiberufliche Musiker, deren Auftritte weiterhin wegfallen könnten. „Wir wissen um deren Situation und versuchen sie, so gut es uns möglich ist, zum Beispiel mit solistischen Aufgaben, zu unterstützen“, sagt Johannes Quack.

In der Kölner Antoniter-Kirche, wo er als Kantor tätig ist, werden seit einigen Wochen Formate wie der Jazzgottesdienst und die Orgelvesper regelmäßiger als üblich angeboten. „Statt des Gemeindegesangs, laden wir zum Zuhören ein.“ Das sei ein – immerhin teilweise – positiver Aspekt der Corona-Zeit.

„Die Orgel hat gerade einen ganz neuen Stellenwert. Sie verleiht dem Gottesdienst Festlichkeit, wenn der Gesang fehlt. Natürlich bedeutet das für uns Kantoren einen Mehraufwand, der sich aber lohnt.“ Am Ende des Gesprächs wurde klar, dass das Singen und Musizieren vielen Menschen gefehlt hat und immer noch fehlt, dass aber ebenso viele Menschen kreative Lösungen erarbeiten und immer neue Ideen entwickeln, um die Kirchenmusik über die Corona-Pandemie hinweg lebendig zu halten.