Kirche2go fragt sich diesmal: muss ich jeden Tag beten?



Kirche2go fragt sich diesmal: muss ich jeden Tag beten?

Diesmal geht Pfarrer Sebastian Baer-Henney einer ganz speziellen Frage nach: Muss ich  wirklich jeden Tag beten? Gibt es Regeln, wie oft ich beten muss und wieso bete ich überhaupt? „Das wäre ja ungefähr so, „sagt Sebastian Baer-Henney“ als würde ich fragen: muss ich eigentlich jeden Tag meine Freunde anrufen? Dass wäre doch eine komische Freundschaft wenn ich mich verpflichtet fühlen würde, da anrufen zu müssen…“ Aber was genau ist das „Beten“ überhaupt? Wie versteht er den Dialog mit Gott und wann genau sollte dieser stattfinden? Baer-Henney hat eine sehr klare Meinung zum Thema und teilt diese gern mit bei #Kirche2go.

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Der gesamten Text zum Nachlesen:

Ob ich jeden Tag beten muss? Das ist wieder so eine Muss-Frage: Nein ich muss gar nichts!

Das ist ungefähr so als würde ich fragen: muss ich eigentlich jeden Tag meine Freunde anrufen? Dass wäre doch eine komische Freundschaft, wenn ich mich verpflichtet fühlen würde, da anrufen zu müssen.  Es ist erstmal eine Beziehungsfrage. Wenn ich bete, trete ich in Beziehung zu Gott. Wenn ich meinen Freund in München anrufe, dann trete ich in Beziehung zu meinem Freund und wenn ich meine Frau bei der Arbeit anrufe, dann trete ich in Beziehung zu meiner Frau.

Das heißt: beten ist für mich erst einmal in Beziehung gehen! Und wenn ich in Beziehung treten, dann hilft das, trägt das eine Beziehung. Aber eine Beziehung, die daraus auch nur wieder eine Bedingung macht, die ist wenig intakt. Ganz viele Religionen haben so ritualisierte Gebete. Muslime haben bestimmte Gebetszeiten, im Judentum gibt es feste Morgengebete und Martin Luther hat das auch gemacht. Er hat ein Morgen- und ein Abendgebet gemacht. Und ich glaube, dass das helfen kann, sich selber immer wieder in diese Beziehung zu versetzen.

Aber wenn ich mir dann Druck draus mache, dann wird diese Beziehungen irgendwie gestört. Dann wird es eine lästige Verpflichtung und das ist das Gegenteil von Freiwilligkeit.

Insofern muss man nicht beten aber es hilft. Es hilft da, wo ich Lust habe Gott nach seiner Meinung zu fragen, es hilft da wo ich was loswerden muss, wenn ich selber irgendwas erlebt habe, was mir nach geht. Dann rufe ich doch auch jemanden an, um mit demjenigen das zu teilen.

Gestern habe ich mit einer Freundin gesprochen. Sie rief an: „Sorry aber ich muss das jetzt kurz mal loswerden…“ Also total gut, wenn sie sich dann bei mir meldet – und total gut wenn ich mich bei Gott melden kann, wenn ich was loswerden will. „Warum passiert das eigentlich, Gott? Oh Gott – was soll das? Danke Gott!“ – So in die Richtung.

Das ist auf jeden Fall dienlich. Und das ist das was ich denke, denn dass lebt nicht von einem „Müssen“, sondern von einem „Dürfen“. Ich darf mich an Gott wenden und das ist gut so!

 

 

 

Text: APK
Foto(s): APK/Thorsten Levin