Buckunst der Anna Laudenberg

Bücher wegwerfen? Niemals, sagt Anna Laudenberg und gestaltet wundervolle Kunstwerke aus ihnen



Eselsohren als Buch-Schmuck: Aus alten Büchern in Bergisch Gladbach entstehen filigrane Kunstwerke

Origami: Die Kunst, Papier zu falten macht auch vor Büchern nicht Halt. In öffentlichen Bücherschranken und unter ausrangiertem Lesestoff der Gemeindebücherei findet Anna Laudenberg die Bücher, in die sie so lange Eselsohren knickt, bis filigrane Kunstwerke vor ihr liegen. Es ist eine Kunst, Buchseiten zu falten – so sorgfältig und auf den Millimeter genau, dass Worte und Formen in 3D erkennbar werden. Aus alten Büchern werden kleine Designerstücke. Wieso Anna Laudenberg mit ausgelesenen Erzählungen arbeitet? „Ich kann Bücher einfach nicht wegwerfen“, sagt sie. Zum Glück!

Ehrenamtlich betreut sie die Bücherei der evangelischen Heilig-Geist-Kirche in Bergisch Gladbach und verwaltet und pflegt damit knapp 3.000 Bücher, CDs und DVDs im Gemeinschaftsraum der Gemeinde. Ein großer Teil ihres Einsatzes hier gilt demnach der Aufgabe, darauf zu achten, dass die Bücher der Ausleihe nicht beschädigt werden. Der andere Teil gilt ihrer Leidenschaft, sie mit kunstvollen Eselsohren zu versehen.

Mit kunstvollen Eselsohren Spenden sammeln
„Die Idee ist aus der Notwendigkeit entstanden, die finanziellen Mittel für unsere Bibliothek aufzustocken“, erzählt die gelernte Bauzeichnerin, die heute im Anschluss an die Erziehungszeit ihrer drei Kinder außerdem als Alltags- und Haushaltshilfe tätig ist: „Wir benötigen unbedingt Zuschüsse zur Pflege und Aktualisierung unseres Bestandes. Also biete ich unseren Besuchern auch Bücher an, die als Schmuckstücke bei ihnen daheim einen Platz finden können.“

Nachschub für ihre Origami-Projekte ist ihr sicher. „Jedes Jahr werden 200 neue Bücher in unseren Bestand eingepflegt. Damit müssen automatisch 200 andere, alte gehen“, erklärt Anna Laudenberg. Geeignet für die Falt-Kunst sind gebundene Werke mit 350 bis 450 Seiten. Taschenbücher sind aufgrund ihres Einbandes nicht stabil genug und nicht haltbar genug gearbeitet. Um Worte, Formen oder Muster zu „erknicken“ sind mindestens 350 Blatt Papier erforderlich, mehr als 450 dürfen es wiederum nicht sein, damit das Modell den meist genormten Vorlagen entsprechen kann. Die übernimmt sie von anderen Buch-Faltern oder entwirft sie selbst. „Im Endeffekt ist das Erstellen einer Vorlage nur Mathematik“, sagt Anna Laudenberg augenzwinkernd. Geduld und die Liebe zur Genauigkeit sind vermutlich hilfreiche und notwendige Gaben, die sie außerdem besitzt.

Kunst-Stücke in der Bücherei – für die Bücherei
Zustand und Farbe des Buches sind nicht entscheidend für ein gutes Ergebnis. Wenn Anna Laudenberg (je nach gewünschtem Falt-Design) zwei bis zehn Stunden an einem Werk gefaltet hat, sind millimetergenau geformte Tiere, Worte oder Namen zu sehen. Als persönliches Geschenk sind ihre „Kunst-Stücke“ demnach ebenso geeignet wie als Accessoires für das eigene Regal. Mindestens 10 Euro möchte sie pro Exponat einnehmen, wobei natürlich jede Spende für die Bücherei gern angenommen wird.

Ihre öffentliche Ausstellungspremiere außerhalb der Bücherei war der 2. Frauentag des Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch im Juni. Dort waren ihre „Kunst-Bücher“ jedoch nur schmückendes Beiwerk des Tagesprogramms. Künftig möchte Laudenberg mehr von ihren Papierwundern verkaufen – vor Ort in der Bücherei, gern aber auch über andere Gemeinden. Feste und ähnliche Veranstaltungen würden sich sicher anbieten, und der Zweck ist ein guter: Aller Erlös kommt der Gemeindebibliothek Heilig-Geist in Bergisch Gladbach zu Gute.

Buch-Origami
Origami entstand zwar im 14. Jahrhundert in Japan, eine europäische Papierfaltkunst entwickelte sich aber unabhängig davon im 16. Jahrhundert. In den 1960er Jahren erlebte das Origami mit der Entwicklung neuer Diagrammvorlagen und Faltmodelle eine Art Modernisierung und gewann viele begeisterte Anhänger. Heute gibt es eine Vielzahl verschiedene Falttechniken und Grundformen, und das Papierfalten wird neben dem reinen Freizeitvergnüngen sowohl in Technik und Mathematik als auch im pädagogischen und therapeutischen Bereich eingesetzt.

Das Falten von Büchern ist eine Sonderform des Origami und stammt – so Laudenberg – nicht aus Asien, sondern hat seinen Ursprung in Deutschland.

Text: Claudia Keller
Foto(s): Claudia Keller