Baugrube am AntoniterQuartier

Bei Ausgrabungen vor der Kölner Antoniterkirche wurde die älteste nachweisbare Bibliothek Deutschlands entdeckt



Neues AntoniterQuartier mit „ältester Bibliothek nördlich der Alpen“ im Keller

Eine Sensation kam bei Ausgrabungen im Vorfeld der Bauarbeiten für das AntoniterQuartier Köln zum Vorschein: die Fundamente der ältesten nachweisbaren Bibliothek Deutschlands. Das Gebäude, das ein Ausmaß von 20 x 9 Meter plus Anbau hatte und vermutlich zweigeschossig war, wurde wohl im 2. Jahrhundert nach Christus im römischen Köln errichtet.

Die Fundamente der Bibliothek entdeckten Archäologen der Kölner Bodendenkmalpflege auf dem Baugrund des neu entstehenden Citykirchenzentrums an der evangelischen Antoniterkirche auf der Schildergasse. Ihren phänomenalen Fund machten die Archäologen während der Ausgrabungs- und Forschungsphase.

„Eigentümliche nischenartige Gliederungen“
Die Erkenntnisse zu diesem im 2. Jahrhundert im römischen Köln errichteten Großbau erläutert Dr. Marcus Trier, Leiter der Bodendenkmalpflege und Direktor des Römisch-Germanischen Museums: Bei dem Fund habe man zunächst an „Überreste eines öffentlichen Versammlungsraums“ gedacht. „Eigentümliche nischenartige Gliederungen“ hätten die Archäologen jedoch zu intensiven Nachforschungen angeregt. Nach Vergleichen mit anderen antiken Gebäuden in Ephesos, Pergamon, Alexandria oder Rom sei schließlich klar geworden, dass es sich bei dem Bau um eine öffentliche Bibliothek handle, so Trier.

Nischen der Bibliothek am AntoniterQuartier

In diesen Nischen lagerten nach den Erkenntnissen der Archäologen die antiken Schriftrollen in der ehemaligen römischen Bibliothek

„Das freut jedes kölsche Herz“
„Wenn man jetzt Köln mit Ephesus und Rom in einem Satz nennen kann, freut das natürlich jedes kölsche Herz“, bemerkt dazu augenzwinkernd Citykirchenfarrer Markus Herzberg. Wie Marcus Trier betont, ist dies die erste römische Bibliothek nördlich der Alpen, die sich nachweisen lässt. „Das Gebäude besaß zwei Meter breite Fundamente, wie man sie nur selten im römischen Köln findet“, erläutert Dr. Dirk Schmitz, Abteilungsleiter der Bodendenkmalpflege. Der repräsentative öffentliche Bau sei wahrscheinlich zweigeschossig gewesen, etwa sieben bis neun Meter hoch und habe gewiss eine eindrucksvolle Raumwirkung erzielt. Marcus Trier vermutet: „Da lagen bestimmt mehrere Tausend Schriftrollen zum Ausleihen drin.“

„In einer Zeit, als Köln in wirtschaftlicher Blüte stand, ließ die Stadt an ihrem zentralen Platz einen Kristallisationsort der antiken Bildung errichten“, würdigt Dirk Schmitz diesen Fund.

Planungen für eine attraktive Präsentation
Der historische herausragende Fundort soll in den Neubau des AntoniterQuartiers integriert werden und – mit weiteren wertvollen Exponaten von der Fundstelle – an Ort und Stelle für interessierte Bürger und Besucher Kölns zugänglich gemacht werden. Die Substanz der römischen Funde konnte in großen Teilen vor Ort erhalten bleiben. Nun beginnen die Planungen für die Gestaltung einer attraktiven Präsentation. Darin sollen die wertvollen Überreste der Geschichte der Colonia Claudia Ara Agrippinensium angemessen gewürdigt und den Besucherinnen und Besuchern in verständlicher Weise vorgestellt werden.

Eine ansprechende und sachgerechte Präsentation dieses Schatzes Kölner Geschichte fordert gemeinsame Anstrengungen. Förderer sind herzlich willkommen. Weitere Informationen dazu unter www.antoniterquartier.de

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Das AntoniterQuartier

Das Gelände an der evangelischen Antoniterkirche in Köln wird neu bebaut. Auf dem rund 3300 Quadratmeter großen Grundstück an der Schildergasse entsteht ein modernes Citykirchenzentrum mit einem Kirchplatz für die Antoniterkirche, einer Tiefgarage und vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten (Gastronomie, Dienstleistung, Wohnen und Handel). „AntoniterQuartier. Kirche. Platz. Leben in der Stadt“: so wird das Ensemble künftig firmieren.

Text: Manfred Loevenich
Foto(s): Römisch-Germanisches Museum