„Am Rande des Wahnsinns“ – Johannes Metzdorf bot Hanns Dieter Hüsch während des DEKT eine Hommage

„Am Rande des Wahnsinns“ – Johannes Metzdorf bot Hanns Dieter Hüsch während des DEKT eine Hommage

Plötzlich ist die schwarze Pappnase da. Der Mann in der letzten Reihe hat sie sich schnell aufgesetzt, keiner hat’s gesehen. Da sitzt er und poltert los: „Ein Gänseblümchen habe ich ihm aufs Grab gelegt, dem Hanns Dieter Hüsch.“

Am Rande…
… des Publikums hat Johannes Metzdorf sich niedergelassen, in der letzten Reihe. Nicht auf der Bühne. Jetzt steht er auf, um auf, um nach vorn zu eilen und seinerseits das Publikum an den „Rande des Wahnsinns“ zu treiben. So lautete der Titel von Metzdorfs Hommage an den Altmeister des deutschen Kabaretts, die er am Freitagabend im Saal der Evangelischen Studierendengemeinde Köln aufführte. Eine Homamge an den 2005 verstorbenen Ausnahme-Clown und Eulenspiegel Hanns Dieter Hüsch, der der Gesellschaft des Nachkriegsdeutschlands jahrzehntelang den unbequemen Spiegel vorgehalten hat. Aber die evangelische Kirche, die war ihm immer nah, in den Beatmessen der Evangelischen Gemeinde Klettenberg etwa, oder sieben Jahre vor seinem Tod, 1998: etwa, als er bekannte: „Ich kann mir ein Leben ohne Taufe und ohne Beerdigung nicht vorstellen.“

Hüschs Nachlass, liebevoll bis ins Detail
„Mein Programm ist eine Ehrerbietung, kein Bückling, schon gar kein Kratzfuß“, betont Metzdorf. Und das setzt er dann von der Bühne aus um: Redefluss, Gestik und Mimik erinnern stark an Hüsch, hier ist kein Neuinterpret am Werk, sondern ein Aufgreifer. Metzdorf pflegt Hüschs Nachlass liebevoll bis ins Detail. Bereichert hat er ihn um das Cellospiel von Sonja Lehrke. Wenn Metzdorf den Hüsch’schen Hagenbuch, das Alter-Ego des Kabarettisten, wild rezitiert, dann unterstützt Lehrke das Gesagte mit Musik. „Es sind keine besonderen Stücke, vielmehr habe ich populäre Melodien aufgenommen und variiert“, erklärt die Cellistin. Ein Pizzicato, wenn Hagenbuchs Hund – eine Mischung aus Reh und Polarfuchs – dem noblen Herrn Botschafter das seegrüne Beinkleid ruiniert. Ein Adagio, wenn Hagenbuch in Venedig sein vertontes Schweigen als Modus vivendi in die feine Gesellschaft einführt. Und als Hagenbuch sich über den Wahnsinn des alltäglichen Ankleidens auslässt, denn – je höher der Strumpf, desto größer der Wahnsinn -, dann spielt Sonja Lehrke heiteren Swing, ganz diskret im Hintergrund.

Aber: „ohne Bückling und Kratzfuß“
Metzdorf, im Normalberuf Hochschulpfarrer, hat sich mit seiner Hommage an Hüsch keine leichte Aufgabe gestellt, denn den Hüsch’schen Parforceritt durch endlose Assoziationsketten und Aneinanderreihungen („Sagt der Venezianer, so der Genuese, dass der Hagenbuch“) sind eine Kunst für sich. Doch an diesem Abend war „der Hüsch“ wieder da, ganz still gekommen und furios interpretiert, ganz ohne Bückling und Kratzfuß.