Zwölf Stationen evangelischer Geschichte – Via Reformata in der Kölner Innenstadt eröffnet – Spaziergang auf den Spuren der Protestanten
v.l. Brigitta von Bülow, Msgr. Robert Kleine, Stadtsuperintendent Bernhard Seiger und Mathias Bonhoeffer

Zwölf Stationen evangelischer Geschichte – Via Reformata in der Kölner Innenstadt eröffnet – Spaziergang auf den Spuren der Protestanten

Kaiserwetter herrschte an diesem lauen Herbsttag: Das perfekte Wetter für einen Spaziergang. Und zwei Männer wussten, wo es lang gehen könnte. Einen Geschichtspfad zur Reformation und ihren Folgen in der Kölner Innenstadt stellten Stadtsuperintendent Bernhard Seiger und Stadtdechant Monsignore Robert Kleine im Schatten der Antoniterkirche vor.

Evangelischer Stadtweg

Vier Jahre nachdem sich der Thesenanschlag von Martin Luther an der Wittenberger Schlosskirche zum 500. Mal gejährt hat, werden auf der „Via Reformata“ Orte und Persönlichkeiten der evangelischen Geschichte erlebbar. „Bei den Feiern zum Reformationsjubiläum entstand die Idee eines evangelischen Stadtweges mitten im über Jahrhunderte katholisch geprägten Köln, das durch manche Verwerfungen hindurch seinen Weg zu Toleranz und Vielfalt gefunden hat“, sagte Bernhard Seiger bei der Eröffnung.

Zwölf Stationen hat der Weg. Auf Stelen, Wand- und Bodenplatten kann man lesen, welche Bedeutung die Orte für die Geschichte des Protestantismus in Köln hatten. Eine Broschüre, die in den Gemeinden ausliegen wird, bietet erhellende Informationen zu den Stationen. Und man kann mit einem Smartphone über einen QR-Code weitere Auskünfte zu den einzelnen Standorten im Internet aufrufen. „Das ist der Hauptgrund für die Via Reformata: Menschen sichtbar und dauerhaft vor Augen zu stellen, welchen Weg unsere Stadt  gegangen ist und wie es mit den religiösen Minderheiten vor 500 oder 250 Jahren war. Und wo wir heute stehen“, beschrieb Seiger die Idee, Vergangenheit zu verknüpfen. Neben den historischen Passagen in der Broschüre gibt es immer wieder aktuelle Querverweise.

4,5 Kilometer Weg

Die endgültige Errichtung des Weges wird zwar noch noch ein bisschen dauern. Genehmigungen für die Nutzung des öffentlichen Raums können dauern. Seiger rechnet mit der Fertigstellung im kommenden Jahr. „Es stehen zwei Stelen an der Kartause in der Südstadt und einer hier an der Antoniterkirche. Es folgt die Stele an der Trinitatiskirche. Und bald folgen die Domplatte, der Rathausplatz, der Gürzenich und der Heumarkt“, so Seiger. Am Ende steht ein 4,5 Kilometer langer Weg mit einer reinen Laufzeit von gut einer Stunde. Die verdoppelt sich, wenn man an jeder Station fünf Minuten verweilt.

Stationen sind die Alte Universität, an der bedeutende evangelische Theologen wie Adolf Clarenbach und Theoder Fabricius studierten. Weiter geht es zum Roncalliplatz, wo 1520 die Schriften Luthers verbrannt wurden. Im Rathaus wurden zwischen 1523 und 1530 16 Beschlüsse gegen den Besitz und Verkauf lutherischer Schriften gefasst. In der Antoniterkirche feierten die Protestanten am 23. Mai 1802 ihren ersten erlaubten Gottesdienst auf Kölner Stadtgebiet. Martin Luther hat in Köln 1512 das Generalkapitel des Augustiner-Eremiten-Ordens besucht. Die Eremiten waren ein Hort der „Lutherei“, der erst 1533 „gezähmt“ wurde. Aus dem Gürzenich, der „guten Stube der Stadt“, wurde zum Beginn des 20. Jahrhunderts ein Ort öffentlicher protestantischer Streitkultur. Dort wird an den liberalen Theologen Carl Jatho erinnert, der dort mitreißende Reden gehalten hat.

Station ist auch die Trinitatiskirche, der evangelische Dom von Köln. Sie ist die erste eigens für die Evangelische Gemeinde Köln erbaute Kirche. Heute dient sie dem Evangelischen Kirchenverband Köln und Region als überregionale Kulturkirche. Sie ist Ort für besondere Gottesdienste, Konzerte, Inszenierungen, Bildungsangebote und viele Kulturveranstaltungen. Der Weg endet an der Kartäuserkirche und dem Haus der Evangelischen Kirche in Köln. Auf dem ehemaligen Gelände des Kartäuserordens sind seit den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts Ämter und Einrichtungen des Evangelischen Kirchenverbands angesiedelt.

Auf unterschiedlichen Wegen zum selben Ziel – Ökumene

Uns ist wichtig, dass dieser Weg zur Reformation aus ökumenischer Perspektive gestaltet wird. Die Kontroversen früherer Jahrhunderte sind an vielen Stellen überwunden, und es gibt inzwischen einen gemeinsamen wertschätzenden Blick auf den Beitrag der reformatorischen Gedanken und Initiativen in Mitteleuropa und der Protestanten zum Gedeihen unserer Stadt“, erklärte Stadtsuperintendent Seiger.

Monsignore Kleine sagte, dass die Kirchen seit der Reformation auf unterschiedlichen Wegen unterwegs seien, das Ziel aber das gleiche sei. „Und das Fundament der Wege ist auch das gleiche: Die Heilige Schrift.“ Und überhaupt sei der Weg ein Bild, das in den Konfessionen immer wieder auftauche. „Schon Jesus Christus hat gesagt: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“

Die Stadt Köln ist dankbar

Brigitta von Bülow, Bürgermeisterin der Stadt, würdigte den ökumenischen Ansatz: „In diesem Geist, so verstehe ich das, ist die Idee zur Via Reformata entstanden. Nicht um zu spalten, sondern um zusammenzuführen. Daher blickt die Stadt Köln dankbar auf diesen neuen Geschichtspfad. Es ist  gut, dass der Protestantismus über 200 Jahre nach seiner Anerkennung in Köln sichtbar und erkennbar wird als gestaltender Akteur in der Stadt.“

Die Bürgermeisterin kennt sich aus in der Geschichte der Stadt: „Auch Martin Luther kannte Köln. In einer Tischrede von 1538 kritisierte er den Dom aufgrund der Akustik als zum Predigen ungeeignet. Und auch der Dom stellt letztlich, was vielen Kölnerinnen und Kölnern nicht so klar ist, ein Symbol gelebter Ökumene dar. Wurde er doch nach vier Jahrhunderten des Stillstands durch das evangelische Preußen fertiggestellt. Vor allem Friedrich Wilhelm IV. unterstützte die Fertigstellung des Kölner Doms. Die große Begeisterung des Preußenkönigs ließ in katholischen Kreisen die Befürchtung entstehen, er könnte als Bauherr das Recht beanspruchen, den Dom zur Simultankirche umzuwandeln.“ Die Geschichte verlief anders.

www.via-reformata.de

Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann/APK