„Wo gibt es das heute noch, dass eine Kirche gebaut wird?“

„Wo gibt es das heute noch, dass eine Kirche gebaut wird?“

Der Kölner Stadtplanungsdezernent Bernd Streitberger wusste schon früh um die Bedeutung dieses „Leuchturm-Projektes – nach Begutachtung des Entwurfs sagte er: „Diese Kirche wird den Stadtteil architektonisch aufwerten.“

Die Evangelische Brückenschlag-Gemeinde Köln-Flittard/Stammheim nimmt damit ein ambitioniertes Projekt in Angriff. Sie wird für 3,4 Millionen Euro eine neue Kirche bauen. Am 5. Februar 2012 wird das Dietrich-Bonhoeffer-Haus, in dem die Gemeinde in 42 Jahren fast 4.000 Gottesdienste gefeiert hat, entwidmet. Der Gottesdienst beginnt um 10.30 Uhr. Nach dem Abriss des maroden Gebäudes beginnt man mit dem Neubau, der im ersten Quartal des kommenden Jahres fertig sein soll. Das renommierte Berliner Architektenbüro Sauerbruch Hutton hat den Holzbau geplant. Gebaut werden eine Kirche, eine kleine Kapelle und ein Kolumbarium. In der Kirche werden alte Kirchbautraditionen wie die Basilika-Form mit Kreuzgrundriss verknüpft mit modernen Vorstellungen von vielfältigen Raumnutzungen. Platz für die Gemeindegruppen entsteht in den Seitenschiffen. Die Kirche bietet 160 Besuchern Platz. 60 können darüber hinaus auf der Empore sitzen.

Name ist Symbol des gemeinsamen Neuanfangs
„Weltweit einzigartig wird der „halbtransparente Holzvorhang“ sein, der die Orgel an der Rückwand der Kirche teilweise verdeckt“, erklärt der Stammheimer Pfarrer Gerold Vorländer. „Wir wissen selbst noch nicht, wie das aussieht, wenn es fertig ist. Aber wir vertrauen den Architekten, mit denen wir während der gesamten Planung sehr gut zusammengearbeitet haben.“ Vorländer wies noch darauf hin, dass man sich in einer Gemeindeversammlung für den Namen „Immanuelkirche“ entschieden habe. „Der Name erinnert daran, dass Jesus Christus im Evangelium auch ,Immanuel‘ genannt wird, das heißt ,Gott mit uns'“. Die Gemeinde habe sich bewusst dafür entschieden, die neue Kirche nicht nach Dietrich Bonhoeffer zu benennen, weil der Name „Immanuelkirche“ auch als Symbol des gemeinsamen Neuanfangs für die Evangelischen in Stammheim und Flittard zu verstehen sei.

Im neuen Glockenturm an der Straßenfront schlagen die alten Glocken der abgerissenen Lukaskirche.
2004 fusionierten die Evangelischen Kirchengemeinden Köln-Flittard und Köln-Stammheim. In der Folge wurde die Flittarder Lukaskirche abgerissen, das Gelände an die Johanniter verkauft, die dort ein Seniorenstift errichteten. Den Verkaufserlös in Höhe von 1,3 Millionen sowie Rücklagen der Brückenschlag-Gemeinde bildeten den Grundstock für die Finanzierung der neuen Kirche. Der Evangelische Kirchenverband Köln und Region beteiligt sich mit 1,1 Millionen Euro. 200 000 Euro sollen durch Spenden erbracht werden, 110 000 Euro hat man bereits gesammelt. Aber die Lukaskirche ist nicht vergessen. Deren 23-Register-Orgel wird in der Immanuelkirche mit neuer Technik zum Einsatz kommen. Die Glocken der Lukaskirche werden in dem frei stehenden, asymmetrischen Glockenturm an der Bonhoefferstraße zu hören sein.

Klare Zustimmung für diskrete Kirchraumverschmälerung
„Wenn man eine Gemeinde zukunftsfähig machen will, braucht man sorgfältige Klärungsprozesse, mutige Entscheidungen und viel Gottvertrauen. Das ist uns bis heute geschenkt gewesen“, sagt Pfarrer Vorländer und verweist darauf, dass es für die Gemeinde nicht einfach gewesen sei, innerhalb von drei Jahren von zwei lang vertrauten Gebäuden, der Lukaskirche und dem Dietrich-Bonhoeffer-Haus, Abschied zu nehmen. „Andererseits ist der Abschied vom viel zu engen und unfunktionalen Dietrich-Bonhoeffer-Haus durch den bevorstehenden Neubau natürlich auch ein sehr erfreulicher Schritt, weil es jetzt nach langer Planungszeit endlich losgeht“, so der Pfarrer. Voll des Lobes für die Architekten ist Dr. Wilfried Klimkait, Baukirchmeister der Brückenschlag-Gemeinde: „,Das Bessere ist der Feind des Guten.‘ Wir waren oft schon sehr zufrieden mit dem Planungsstand, um dann von Detailverbesserungen überrascht zu werden. Die Architektur des Kirchraums stand längere Zeit, da fand ein leicht veränderter Entwurf mit diskreter Kirchraumverschmälerung bei gleichzeitiger Erhöhung der Kirche klare Zustimmung: Noch schöner, erhabener, und das bei gleichen Kosten!“
Auch Projektsteuerer Volker Langenbach ist begeistert. „Sauerbruch und Hutton machen sich auf die Suche nach der Typologie des modernen evangelischen Gemeindezentrums. In den vergangenen Jahrzehnten waren evangelische Kirchen nicht mehr als solche erkennbar. Sie hätten auch Bürgerzentren sein können. Das ist hier anders, und insofern haben wir es bei der Immanuelkirche mit einem echten Leuchtturm-Projekt zu tun.“

Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Sauerbruch Hutton, Berlin