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„Wir dürfen nicht da aufhören, wo unsere Mitgliederlisten enden“

Zwischen Shopping und Kaffeetrinken mal eben in die evangelische Kirche eintreten? In Köln ist das seit zehn Jahren möglich: Im Dezember 2003 rief der Evangelische Kirchenverband Köln und Region mitten auf der Schildergasse im Pavillon an der AntoniterCitykirche die Kircheneintrittsstelle ins Leben. Im Pavillon befindet sich – neben dem Café Stanton und der evangelischen Informationsstelle – auch das Kircheneintritts-Büro. Zwar habe es auch schon spontane Eintritte gegeben, erinnert sich Eckart Schubert, Superintendent im Ruhestand und ehrenamtlicher Leiter der Eintrittstelle, "aber die meisten haben sich das gut überlegt und sich vorher telefonisch oder über das Internet angemeldet." Einzige Voraussetzung für die Aufnahme ist die christliche Taufe und eine Bescheinigung, keiner anderen Kirche anzugehören.

Erfolgsmodell Kircheneintrittsstellte
Knapp 2500 Menschen nutzten die zentrale Kircheneintrittsstelle in Köln in den vergangenen zehn Jahren. Etwa nochmal so viele traten in dieser Zeit in den übrigen mehr als 50 Gemeinden des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region ein. Er freue sich, dass sich die Kircheneintrittsstelle zu solch einem Erfolgsmodell entwickelt habe, sagt Stadtsuperintendent Rolf Domning. „Wir wollen allen, die unserer Kirche mal den Rücken gekehrt haben, die Türe offen halten.“

Geschulte Ehrenamtliche
Mal sind es familiäre Gründe wie der Wunsch nach einer kirchlichen Heirat oder die Übernahme einer Patenschaft, manchmal auch ganz persönliche, „weil die Menschen gemerkt haben, dass ihnen etwas fehlt, wenn sie nicht mehr Mitglied der Kirche sind“, erläutert Schubert, der selbst auch Eintrittsgespräche führt. Er hat die Eintrittstelle mitinitiiert und von Beginn an organisiert, ihm ist wichtig, „dass diejenigen, die die Gespräche führen, seelsorgerlich geschult sind, denn manchmal steht hinter dem Wunsch, in die Kirche einzutreten, auch ein persönliches Problem, das dann zur Sprache kommt." Etwa ein Dutzend, meist pensionierte Pfarrerinnen und Pfarrer wechseln sich in der Kircheneintrittstelle ehrenamtlich ab.

"Viele zweifeln oder haben resigniert"
Sie alle waren – ebenso wie die Eingetretenen des zurückliegenden Jahres – zur Jubiläumsfeier eingeladen. Im Festgottesdienst in der Antoniterkirche erinnerte Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, an die Anfänge der Christenheit in Korinth: "Das war eine Stadt im Umbruch, mit allen möglichen religiösen Kuriositäten und den Begleiterscheinungen einer Hafenstadt." Auch in "der pulsierenden Großstadt Köln sind viele, die die Kirche aufsuchen, zweifelnd und resigniert," so der Präses. "Aber wir dürfen nicht da aufhören zu denken, wo unsere Mitgliederlisten enden." Es sein eine "verrückte Idee" gewesen, eine Eintrittstelle einzurichten, "wo die Medien doch vor allem über Austritte berichteten."

Gesetz wurde auf Betreiben der Kölner geändert
Stadtsuperintendent Domning erinnerte in seinem Grußwort während des Gottesdienstes daran, dass diese Idee damals von den Kölner Kirchenkreisen ausging. Die Synode der Evangelischen Kirche im Rheinland musste zunächst ein Gesetz ändern, um einen Eintritt auch außerhalb der Kirchengemeinde am Wohnort zu ermöglichen. Im Rheinland war Köln die zehnte Eintrittstelle, die 2003 eröffnet wurde.

"Wir engagieren uns für andere"
Der Präses räumte ein, dass es die Kirche den Menschen oft nicht leicht mache: "Viele erleben uns als Amtskirche oder als eine Art Selbshilfegruppe zu der Frage, wie kann man als große Institution trotz Finanzkrise überleben?" Es gebe aber auch immer wieder positive Erfahrungen: "Wir engagieren uns für andere, wir teilen unseren Glauben miteinander und jeder kann so sein, wie er ist."


Weitere Informationen unter www.eintritt.kirche-koeln.de

Text: Martina Schönhals
Foto(s): Martina Schönhals