WiederSprechen: „Künstler sind kreativ mit der Krise umgegangen“
Zwei der Gäste auf der Bühne: Wolf-Rüdiger Spieler, Leiter der Trinitatiskirche, Musiker und Hochschullehrer und Pit Hupperten, Sänger, Gitarrist und Songschreiber bei den Bläck Fööss (r.).

WiederSprechen: „Künstler sind kreativ mit der Krise umgegangen“

„Es gibt in unserer Branche viele, denen es schlecht geht“, berichtet Pit Hupperten, Sänger, Gitarrist und Songschreiber bei den Bläck Fööss, bei der Reihe „WiederSprechen: Meine Erfahrungen mit der Pandemie“. Viele Künstler seien auch durch das Raster der Anträge gefallen. Mitte Juni lautete das Thema: „Abgesagt – Corona und die Kunst“. Interessierte Gäste konnten sich per Zoom zuschalten und mitdiskutieren: über die vergangenen anderthalb Pandemiejahre, die Gegenwart – und die Zukunft.

Moderator, Journalist und Buchautor Arnd Henze sagt bei der Begrüßung der 15 Zoom-Teilnehmer in der Melanchthon-Akademie erfreut: „Wir hätten beim letzten Mal nicht damit gerechnet, dass die Inzidenzen so schnell herunter gehen würde – als wir vor wenigen Wochen über Corona und die Jugend geredet haben, sind wir einer fast menschenleeren Stadt nach Hause gefahren.“ Nach den Sommerferien werde es sogar face-to-face weiter gehen – wenn sich die Situation nicht verschlechtert.

Große Auswirkungen auf die Kunst

Die Pandemie hat sehr große Auswirkungen auf die Künstler gehabt: Viele Künstler seien aufgrund der schwierigen Situation in andere Berufe gegangen, berichtet Barbara Förster, Leiterin des Kulturamts der Stadt Köln: „Es war anfangs vom Staat wenig Verständnis für die kreativen Solo-Selbstständige da.“ Da sei aber viel nachgearbeitet worden. „Viele Künstler sind sehr kreativ mit der Krise umgegangen. Es gab Künstler, die sehr gut organsiert waren, die schneller mit digitalen Formaten reagieren konnten.“ Es sei generell erstaunlich, was digital von Künstlern geschaffen worden sei. Für die Zukunft wäre es gut, wenn es – so oder so – mehr Open-Air-Spielstätten geben würde.

Das Publikum ist ausgehungert

Wolf-Rüdiger Spieler, Leiter der Trinitatiskirche, Musiker und Hochschullehrer, berichtet: „Wenn ich auf Gottesdienste blicke, gehört auch ganz stark die Kirchenmusik dazu. Orgelmusik war ja möglich. Aber viele Menschen, die in Chören singen, sind auch verloren gegangen. Wir werden sehen, was davon übrig geblieben ist. Mit dem ersten Online-Gottesdienst wurde auch schnell deutlich, was uns fehlt.“ Wie es nun weitergeht? „Das wird man sehen – viele Chören hat die Zeit vielleicht das Genick gebrochen, aber es gibt sicher auch ganz viele, die mit den Hufen scharren und starten wollen.“ Das Publikum sei aber ausgesprochen ausgehungert. Die Gemeinden haben sich gute Gedanken gemacht und es hätte schon viele Open-Air-Gottesdienste gegeben. Das sei auch richtig so: „Denn Kirche muss auch dahin, wo die Menschen sind.“

Kutlu Yurtseven, Rapper bei Microphone Mafia, Lehrkraft und Sozialarbeiter, erzählt: „Wir haben jetzt kürzlich unter Corona-Auflagen unsere ersten beiden Konzerte gehabt. Ich habe noch nie Konzerte so genossen und habe gemerkt, was die anderthalb Jahre gefehlt hat. Viele Kollegen aus der Musikbranche habe ich leiden sehen – und ich habe versucht, Solidarität zu zeigen.“ Wenn man nur durch die Kunst lebe, sei es besonders schwierig, da die Lebensgrundlage als Künstler komplett weggebrochen sei. „Niemand von uns hätte damit in der Form gerechnet.“ Was schätzt er, wie es weitergeht? „Es kann ja auch passieren, dass die Menschen nun mehr Konzerte besuchen als früher.“

Ein Teilnehmer schreibt im Chat: „Danke für diese tolle Reihe. Wir brauchen dringend Gesprächsräume für unsere Demokratie.“

Weitere Termine:

Termine im Herbst 2021: 31. August, 14. September, 26. Oktober, 23. November

Text: APK
Foto(s): APK