„Wie soll es denn jetzt weitergehen…“ – Einblicke in die Notaufnahme der evangelischen Diakonie Michaelshoven für Frauen, das Elisabeth-Fry-Haus

„Wie soll es denn jetzt weitergehen…“ – Einblicke in die Notaufnahme der evangelischen Diakonie Michaelshoven für Frauen, das Elisabeth-Fry-Haus

Ein warmer Sommerabend in Köln. Eine junge Frau steht mit einer Reisetasche vor der Tür des Elisabeth-Fry-Hauses (EFH), dem Notaufnahme- und Wohnheim für Frauen der Diakonie Michaelshoven. Sie wirkt ängstlich, erschöpft und verschwitzt. Als sich das Pfortenfenster öffnet, gibt sie sich einen Ruck und bittet um Einlass… Das Elisabeth-Fry-Haus in Köln-Raderthal (Albert-Schweitzer-Straße 2) ist Anlaufstelle für Frauen in Notsituationen: Ob Gewalterfahrung, seelische oder sozialen Schwierigkeiten, hier finden sie (und ihre Kinder) zu jeder Tages- und Nachtzeit Aufnahme und Hilfe, auch am Wochenende.



Wohin jetzt?!
Beim Aufnahmegespräch erfährt Elke Zimmer, die diensthabende Sozialarbeiterin, dann die Geschichte der jungen Frau: 19 Jahre jung ist Frau B., seit einigen Tagen unterwegs, nachdem ihre Mutter sie nach einem heftigen Streit vor die Türe gesetzt hat. Dies ist nicht das erste Mal, aber dieses Mal gibt es für sie kein Zurück mehr, wie sie selbst sagt. Sie kam kurzfristig bei einer Freundin unter, konnte dort jedoch nicht länger bleiben. Ein entfernter, wesentlich älterer Bekannter bot ihr eine Unterkunft an, dort stellte sich jedoch schnell heraus, dass er sexuelle Gegenleistungen forderte. Panisch verließ sie die Wohnung und fuhr zum Bahnhof. Eine Mitarbeiterin der Bahnhofsmission gab ihr schließlich die Adresse des Elisabeth-Fry-Hauses. Die Informationsflyer über das Haus sind in Köln an vielen Stellen ausgelegt, bei verschiedensten Beratungsstellen, Ämtern der Stadt, Krankenhäusern, der Polizei, beim Sozialdienst der Justizvollzugsanstalt.

Hílfe für Frauen, die „unten angekommen“ sind
Frau Zimmer erfährt weiter, dass Frau B. aus sehr zerrütteten familiären Verhältnissen kommt, zwar den Hauptschulabschluss geschafft, aber bisher keine Lehrstelle gefunden hat. Sie hat hier und da mal gejobbt, es aber nirgendwo lange ausgehalten, da sie immer schnell Schwierigkeiten mit ihren Vorgesetzten bekam. Über sich selbst sagt die junge Frau selbstkritisch, sie sei sehr empfindlich und „rastet oft zu schnell aus“. Wie so viele Frauen die in die Notaufnahme des Elisabeth-Fry-Hauses kommen, fühlt sich auch Frau B. jetzt „unten angekommen“. Und sie bewegt wie die meisten anderen die bange Frage, wie es denn jetzt wohl für sie weitergehen soll.

Hilfe in Not oder nach Gewalt
1.210 Frauen mit 324 Kindern haben im Jahr 2005 in Not oder nach Gewalt das Elisabeth-Fry-Haus aufgesucht zur Beratung. In den Wohngruppen wurden 140 Frauen aufgenommen, die Notaufnahme nahmen 742 Frauen in Anspruch. Eine von Ihnen ist Frau B. Frau Zimmer erklärt ihr, dass sie bis zu drei Tage in der Notaufnahme bleiben kann, sie hat also erst mal ein Dach über dem Kopf, ein Bett und Verpflegung. Eine Sozialarbeiterin wird mit ihr über ihre persönliche Situation sprechen und dann wird gemeinsam überlegt, welche Unterstützungsmöglichkeiten in der nächsten Zeit nötig und möglich sind.

Frauen werden nicht allein gelassen
Zur Palette der praktischen Hilfeangebote des EFH gehören insbesondere die Unterstützung bei der Wohnungssuche, Schuldenregulierung, Geldmitverwaltung, Hilfestellung im Umgang mit Behörden sowie Unterstützung bei der Arbeitsaufnahme. In den Wohngruppen können Frauen durch Alltagstraining lernen, verlorene oder bestehende Fähigkeiten auf- oder auszubauen. Sollte sich beispielsweise herausstellen, dass Frau B. aufgrund besonderer sozialer oder auch psychischer Schwierigkeiten eine zeitlang intensivere Unterstützung braucht, ist ein Wechsel in eine der pädagogisch betreuten Wohngruppen des Elisabeth-Fry-Hauses möglich. Nach dem Gespräch wirkt Frau B. erleichtert. Ihre Eingangsfrage nach ihrer Zukunft wird morgen wieder Thema sein – aber sie muss sich dann nicht mehr alleine um neue Lebensperspektiven bemühen. 
 
Kontakt
Elisabeth-Fry-Haus, Albert-Schweitzer-Straße 2, 50968 Köln
Telefon 022 /37 64 9-0 , Fax 0221/37 64 9-32
Mail: efh@diakonie-michaelshoven.de
Das Elisabeth-Fry-Haus im Internet: http://www.diakonie-michaelshoven.de/s_ub4/ub4_einfry.htm

                

Text: Diakonie Michaelshoven
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