Der Turm der Trinitatiskirche in Köln



„Wider den Mythos vom deutsch-jüdischen Gespräch“ am 11. Februar in der Trinitatiskirche

Rabbiner Dr. Jehoschua Ahrens spricht am 11. Februar 2020 um 19 Uhr in der Trinitatiskirche Köln, Filzengraben 4, 50676 Köln über Gerschom Scholems Polemik gegen das „Wunschdenken der Nachkriegsdeutschen“.

Gerschom Scholem

1964 verfasste der jüdische Religionshistoriker und Mystiker Gerschom Scholem einen wegweisenden Essay über seine Haltung zur viel beschworenen deutsch-jüdischen Symbiose. Das Menschheitsverbrechen des Holocaust sei einzigartig und zugleich konsequent aus der deutschen Geschichte hervorgegangen, schrieb er darin. Der Versuch, die Juden zu vernichten, markiere eine historische Trennlinie, nach der beide Völker nicht weiterleben könnten wie bisher – die Deutschen noch weniger als die Juden.

Das „deutsch-jüdische Gespräch“ ist nach seiner Ansicht eine „Illusion“, weil „mit den Toten kein Gespräch mehr möglich ist“. Diese Schärfe stehe der heutigen deutschen Erinnerungskultur und dem christlich-jüdischen Verhältnis quer entgegen. Scholems Polemik kann aus Sicht der Veranstalter dazu dienen, das Wunschdenken von deutsch-jüdischer Harmonie skeptisch zu hinterfragen und nach den Motiven zu suchen.

Dr. Jehoschua Ahrens

Auf diese Gedanken wird der Rabbiner Dr. Jehoschua Ahrens aus heutiger Perspektive antworten. Ahrens ist orthodoxer Rabbiner und arbeitet in der jüdischen Gemeinde in Darmstadt. Er studierte Internationales Management und ließ sich dann in Israel zum Rabbiner ausbilden. Gleichzeitig setzte er seine Studien unter anderem in Tel Aviv und Cambridge fort. Am Institut für Jüdisch-Christliche Forschung der Uni Luzern promovierte er. Ahrens ist Mitglied der Fachgruppe Christen und Juden der Rheinischen Landeskirche und hat die wegweisende Erklärung orthodoxer Rabbiner „Den Willen des Vaters im Himmel tun …“ im Jahr 2015 mit initiiert, die ein neues Verhältnis zum Christentum anstoßen will.

Musikalisch begleitet wird der Abend von Philipp Limberger an der Posaune. Die Veranstaltung ist eine Kooperation zwischen der Melanchthon-Akademie Köln in Verbindung mit dem Katholischen Bildungswerk Köln, der Kölnischen Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und der Begegnungsstätte Alte Synagoge Wuppertal. Der Eintritt ist frei.

Weitere Informationen unter www.melanchthon-akademie.de

Text: APK
Foto(s): Körber-Leupold