„Zum Beispiel Farben in Beziehung setzen …“: Segment der von Alois Plum entworfenen Fenster in den Seitenschiffen der Antoniterkirche in Köln



„Wenn Steine erzählen…!“: Informationsveranstaltung zur Ausbildung zur Kirchenführerin/ zum Kirchenführer nach kirchenpädagogischen Richtlinien in der Melanchthon-Akademie

Sie haben schon einmal an einer Kirchenführung teilgenommen? Auch an einer Führung, in der Ihnen der „Sinngehalt christlicher Kirchen“ und deren spirituelle Dimension „mit Kopf, Herz und Hand“ erschlossen und vermittelt worden ist? Sie möchten an einer solchen nicht nur mitmachen, sondern lernen, wie man sie selbst erarbeitet und hält? Dann sind sie genau richtig im Lehrgang „Wenn Steine erzählen…!“ der Melanchthon-Akademie Köln (MAK).

Lehrgang zum Kirchenführer

Unter diesem Titel startet im März 2020 eine weitere Ausbildung zur Kirchenführerin/zum Kirchenführer nach kirchenpädagogischen Richtlinien. Kooperationspartner der MAK ist das Evangelische Erwachsenenbildungswerk Westfalen und Lippe e. V. Zuletzt fand in Köln eine Informationsveranstaltung mit der MAK-Studienleiterin Pfarrerin Dorothee Schaper statt. Sie gehört zum Leitungsteam des Ausbildungsprojekts.

Schaper widmete sich den Fragen und Stellungnahmen, erläuterte grob Konzept und Inhalt der Ausbildung. Ebenso ging sie ein auf Geschichte, Didaktik sowie methodische Vielfalt der Kirchenraumpädagogik. Spannend ist dabei, dass für ein ganzheitliches Entdecken von Kirchenräumen auf „ästhetische, dramaturgische, körperbezogene, musikalische und meditative Vermittlungsansätze“ zurückgegriffen wird. Schaper selbst leitet mit dem Choreographen und Tänzer Andreas Simon in der Trinitatiskirche einen experimenteller Tanzworkshop: „´Bewegung im leeren Kirchenraum´ – Kirchraumerfahrung mit allen Sinnen“.

Das Ziel

Es gehe in erster Linie nicht darum, einen Bau oder Raum in seiner historischen, kirchen- und kunstgeschichtlichen Dimension vorzustellen, verdeutlichte die Theologin. Vielmehr sollten mit dem kirchenpädagogischen Angebot Kirchenräume auf verschiedenen Ebenen für unterschiedliche Zielgruppen vermittelt und erlebbar werden. Selbstverständlich werde in der Ausbildung auf kunsthistorische Epochen und Baustile eingegangen, auf die Ausstattung von Kirchen als „heilige“ Räume und die Bedeutung christlicher Symbole.

Aber im Vordergrund stehe, dass sich die angeleiteten Menschen den Kirchenraum mit all ihren Sinnen „selbst erschließen“. Dass im Kirchenraum Kinder, Jugendliche und Erwachsene, kirchennahe oder -ferne eine Lernerfahrung machten. Und ihn als lebendigen spirituellen Ort erlebten. Das könne auch zu „einer vertieften Begegnung mit dem eigenen Glauben und dem Glauben anderer zu führen“.

Gut zwanzig Personen soll der Lehrgang insgesamt umfassen. Er beginnt Ende März 2020 und endet Mitte Juni 2021. Die 120 Unterrichtsstunden verteilen sich auf fünf Treffen der Gesamtgruppe, darunter zwei Wochenendseminare in Soest und Wuppertal, jeweils vier Treffen in der westfälischen bzw. rheinischen Regionalgruppe in Köln und Dortmund sowie zwei Tageskurse nach Wahl. Die Kosten betragen 495 Euro für Ehrenamtliche und 695 Euro für Hauptamtliche in Kirche und Tourismus.

Motivationsgründe

„Ich bin längst entschlossen. Ich wollte mich über Theorie, Praxis und Ablauf informieren“, äußerte sich eine Teilnehmerin. Ihr Interesse für sakrale Räume führe sie nicht nur in Kölner Kirchen, sondern auch ins Ausland. Sie berichtete von einer schönen Erfahrung in Südeuropa, wo sie eine Führung richtig „bei der Seele gepackt“ habe, weil die spirituellen und baugeschichtlichen Komponenten gut miteinander verbunden worden seien. Außerdem: „In der Gemeinschaft lernt es sich viel besser.“

Die Ausbildung, griff Schaper das Stichwort auf, sei darauf angelegt, dass man miteinander und voneinander lerne. So auch bei den Erkundungen, die jeder Teilnehmende absolvieren müsse. Den Schwerpunkt seiner Führung könne man selbst wählen. Anschließend werde der Verlauf im vertrauten Kreis besprochen. Generell sei eine enge Begleitung der Teilnehmenden obligatorisch. Es gehe darum, in den Führungen aus der Fülle auf die Fokussierung zu kommen, betonte Schaper. Es sei die große Kunst, sich auf ein Thema, ein Symbol zu konzentrieren. Beispielsweise die farbliche Gestaltung von Fenstern in Bezug setzen.

Kirchenpädagogik

„Kirchenpädagogen und -pädagoginnen sind Vermittler“, stellte sie fest. Kirchenpädagogik werde immer wichtiger, weil sie eine Möglichkeit biete, dass sich ganz verschiedene Menschen angesprochen fühlten. Vor allem sei Kirchenpädagogik ein zutiefst demokratischer, von unten her aufblühender Prozess. Sein Ziel: Menschen mündig machen, sich Kirchenräume zu erschließen.

Zudem schätzt Schaper an der Kirchenpädagogik, „dass sie ohne dogmatische Schwierigkeiten ökumenisch geht, für alle Kirchen- und Sakralräume“. Die Theologin beließ es nicht bei der Theorie. Die Teilnehmenden sollten jede(r) für sich eine Rangliste von vorgegebenen Einschätzungen für einen Kirchenraum erstellen. Ist er beispielsweise ein Raum für mich und Gott, …für Gebet, … für geistliche Erfahrung, …emotionaler Befindlichkeit oder …biographischer Stationen?

Das Ergebnis fiel unterschiedlich aus. Das habe mit der jeweiligen Biographie, der sozialen Prägung wie des kulturellen Hintergrundes zu tun, war man sich rasch einig. Zwar könne jeder mit den Aspekten etwas anfangen, aber jeder habe einen anderen Zugang, fasste Schaper zusammen. So schlug eine Teilnehmerin vor, statt von einer emotionalen/religiösen Befindlichkeit von einem Raum für Gefühle zu sprechen. Ein anderer schüttelte mit dem Kopf bei der Formulierung „Raum biographischer Stationen“. Ein weiterer erklärte, er habe an „meine Kirche“ gedacht. Die Vierte sagte, sie habe nicht eine einzelne Kirche im Blick gehabt. In Führungen komme diese Vielfalt an Prägungen und Interessen zu uns, so Schaper. Es seien immer sehr persönliche Ausgangssituationen.

Zertifikat des Bundesverbandes für Kirchenpädagogik

Für die erfolgreiche Teilnahme am Kurs sei es notwendig, eine Kirchenführung nicht nur zu entwickeln und durchzuführen, sondern schriftlich auszuarbeiten, informierte Schaper. Was in diese Dokumentation hinein müsse, werde gemeinsam erarbeitet, versuchte sie Gedanken an eine „Examensarbeit“ zu verscheuchen. Den Absolventen winkt am Schluss das deutschlandweit anerkannte Zertifikat des Bundesverbandes für Kirchenpädagogik.

Noch ist der Kurs nicht ausgebaucht. Wer sich für eine Teilnahme interessiert und sich weiter informieren möchte, kann sich wenden an Dorothee Schaper: schaper@melanchthon-akademie.de oder 0221/93180322. Eine zweite Informationsveranstaltung findet statt am 4. Februar 2020, 19 Uhr, in der Melanchthon-Akademie, Kartäuserwall 24b, 51069 Köln.

Flyer

Kirchenführer

 

Text: Engelbert Broich
Foto(s): Engelbert Broich