Superintendent Markus Zimmermann mit Pfarrerin Ronja Voldrich



Von Zweifeln zum Felsen in der Brandung

Den Gottesdienst zur Amtseinführung von Pfarrerin Ronja Voldrich nutzte Superintendent Markus Zimmermann für einen umfangreichen Dank. In einem feierlichen Gottesdienst führte der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Nord die Pfarrerin in ihre Stelle in der Kirchengemeinde an der Erft ein.

„Zunächst gilt unser Dank Gott, dass wir hier zusammen sind. Aber dann möchte ich mich persönlich und im Namen des Kreissynodalvorstandes bei Ihnen als Gemeinde bedanken, dass Sie die Gemeinde am Leben erhalten haben während der zweijährigen Vakanz.“ Vor ziemlich genau zwei Jahren hatte das Pfarrerehepaar Eva und Jürgen Manderla die Gemeinde in Quadrath-Ichendorf in Richtung Altenberg/Schildgen verlassen. „Ich danke Ihnen für Ihre Zuversicht, Ihren Einsatz und Ihren Mut“, wandte sich Zimmermann weiter an die Gemeinde in der voll besetzten Petrikirche. „Sie haben viele Predigerinnen und Prediger in den vergangenen beiden Jahren erlebt. Mancher hat gesagt, das sei ganz schön, wenn man auch mal ein wenig Abwechslung erlebt. Aber das muss natürlich irgendwann ein Ende haben. Dankbar bin ich auch Pfarrerin Siegrid Geiger, die hier die Vakanzvertretung übernommen hat.“

Zimmermann warf auch noch einmal einen Blick zurück auf das Zusammengehen der Kirchengemeinden aus Berghein-Zieverich-Elsdorf und Quadrath-Ichendorf zur Evangelischen Kirchengemeinde an der Erft. Der kleinere Partner Quadrath-Ichendorf habe den Mut besessen, sich mit dem größeren Bergheim einzulassen. Und der größere Partner sei niemals arrogant aufgetreten. „Es hat einen geistlichen Zusammenschluss gegeben. Man hat sich gegenseitig als Bereicherung empfungen.“

Die neue Pfarrerin hat Erfahrungen gesammelt im Kirchenkreis Köln-Nord. Sie war Vikarin in Köln-Bickendorf, wurde in der Emmaus-Kirche in Köln-Vogelsang von Superintendent Zimmermann zur Pfarrerin ordiniert, kennt die Gemeinde in Köln-Niehl und hat auch schon in Quadrath-Ichendorf gearbeitet.

Einen „ganzen Reigen“ von Urkunden überreichte Zimmermann der 1985 in Essen geborenen neuen Pfarrerin. Darunter die Berufungsurkunde zur Pfarrerin und die Urkunde zur Übertragung der Pfarrstelle.

“Jetzt liegt es an Ihnen, die Gemeinde immer wieder neu zu stärken. Mit dem Geist, der in Ihnen wirkt und der heraus will in die Gemeinde“, wandte sich der Superintendent an die neue Stelleninhaberin. Eine Pfarrerin, die auch Mutter sei, ziehe automatisch junge Familien in die Gemeinde. Aber: „Sie müssen und Sie dürfen sich nicht überfordern“, gab Zimmermann der Pfarrerin mit auf den Weg. „Gehen Sie sorgsam miteinander um“, bat er die Gemeinde und die Pfarrerin gleichermaßen.

Ronja Voldrich warf in ihrer Predigt einen Blick zurück auf ihren bisherigen Lebensweg. Ihre erste Erinnerung an Kirche sind Kindergartengottesdienste in einer Kirche, die nach dem Jünger Thomas benannt war. „Das ist eine spannende, interessante und nicht ganz einfache Person. Denken wir an das Johannes-Evangelium. Thomas möchte die Nägelmale von Jesus Christus sehen, um sicher zu sein, dass er dem Herrn begegnet. Thomas möchte Beweise.“ Jesus habe den Wunsch und die Zweifel des Thomas akzeptiert und ihn aufgefordert, ihn zu berühren. Thomas habe augenblicklich mit einem umfassenden Bekenntnis reagiert. „Durch alle Zweifel hindurch kann sich eine tragende Gewissheit entwickeln“, sagte die Pfarrerin wohl auch mit einem Blick auf sich selbst.

Nach der Thomaskirche galt ihre zweite Erinnerung einer Kirche, die nach den Emmaus-Jüngern benannt wurde, zwei Jüngern ohne Namen im Neuen Testament. Voldrich erzählte die Geschichte der beiden, die sich nach Jesu Tod auf den Weg nach Emmaus machten. Resigniert und verzweifelt. Dann begegneten sie dem Herrn, der sich zunächst noch vor ihnen verbarg und nur zuhörte. Doch den Jüngern wurde klar, mit wem sie es zu tun hatten und kehrten völlig begeistert nach Jerusalem zurück. „War ich auch schon mal auf dem Weg nach Emmaus? Und was hat mich von Emmaus zurück nach Jerusalem gebracht?“, fragte sich Pfarrerin Voldrich in ihrer Predigt.

Nach der Emmauskirche  folgte die Petrikirche. Petrus, habe eigentlich Simon geheißen und bedeutet „der Hörende“. Der sei, so Voldrich, einer der ersten gewesen, der aus dem Alltagsleben als Fischer Jesu nachgefolgt und schließlich zu einer Art „Klassensprecher“ unter den Jüngern geworden sei. Simon sei hin- und hergerissen gewesen und habe auch gezweifelt: „Herr, bist Du es? Wohin sollen wir gehen? Hilf mir! Du bist der Christus!“. Aber während Simon als „der Hörende“ übersetzt werde, sei Petrus eben der Felsen, der Stein und in manchen Übersetzungen auch der Edelstein. „Aber ein alleinstehender Felsen ist nicht stabil. Felsen, die zusammen stehen, halten lange. Jeder von uns ist ein Fels in der Brandung, ein Juwel. Und wir stehen zusammen. Jesus Christus sieht in jedem von uns den lebendigen Stein.“

Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann