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„Viel mehr Vertrauen als Kontrolle“

Markus Zimmermann, stellvertretender Stadtsuperintendent des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region, hat den Pfarrrinnen und Pfarrern des Schulreferats und Pfarramts für Berufskollegs die zentralen Themen und Ergebnisse der Landessynode im Haus der Evangelischen Kirche in Köln vorgestellt. Wichtige Themen waren dabei unter anderem Sonntagsschutz, Christlich-muslimischer Dialog, die Wahl Henrike Tetz zur Oberkirchenrätin für Erziehung und Bildung, das Friedenswort sowie die erstmals geplante Jugendsynode 2019. Von besonderer Relevanz für die kirchlichen und staatlichen Lehrkräfte war das Thema „Verhältnis Christen-Muslime“, das seit Jahren auch die tägliche Realität im berufsbildenden System bestimmt. Die 70. Landessynode hatte vom 7. bis zum 12. Januar 2018 in Bad Neuenahr stattgefunden.

Das Thema „Verhältnis Christen-Muslime“ beschäftigt so viele Menschen in unterschiedlicher Weise, dass hierzu Stellung genommen werden sollte, berichtete Zimmermann. Herausgekommen ist eine theologische Positionsbestimmung für die Begegnung mit Muslimen, in der ausdrücklich das Bekenntnis zu Jesus Christus vorkommt. Insgesamt verständigte sich die Synode auf sechs Punkte. Die Landessynode ermutigt Christinnen und Christen, ihren Glauben freimütig zum Ausdruck zu bringen. Der christlich-muslimische Dialog ziele dabei „auf das gegenseitige Kennenlernen, das gemeinsame Handeln, das Aushalten von Differenzen sowie eine vertiefte Wahrnehmung der je eigenen Tradition, nicht aber auf eine Konversion zur jeweils anderen Religion“. Weiter formulierte die Landessynode, dass sie den Glauben muslimischer Menschen als Bindung an den einen Gott wahrnimmt. Die Grundlage des theologischen Gesprächs mit Musliminnen und Muslimen sieht die Landessynode im Bezug beider Religionen auf die „biblischen Traditionen, in der Wertschätzung der Muslime für Jesus als besonderen Propheten und im Leben vor Gottes Gerechtigkeit und Barmherzigkeit.“ Der Baseler Theologieprofessor Reinhold Bernhardt, der auf der Landessynode einen beeindruckenden Vortrag hielt, appellierte an die evangelischen Christinnen und Christen, Andersglaubenden mit kritischer Offenheit zu begegnen.

Pfarrer Jost Klausmeier-Saß, Bezirksbeauftragter für Berufskollegs im Evangelischen Kirchenverband Köln und Region, begrüßte das theologische Positionspapier für die im Schuldienst und im Berufskolleg tätigen Lehrerinnen und Lehrer. „Evangelischer Religionsunterricht wird in Köln und Region seit Jahrzehnten an den meisten Berufskollegs im Klassenverband unterrichtet – d.h. die Lerngruppen bieten unterschiedlichste Bekenntnisse und religiöse oder nicht-religiöse Positionen auf Seiten der Schülerinnen und Schüler.“ Dies erfordere Dialogbereitschaft und Bemühungen um Verständigung und Verständnis für Andersdenkende und –glaubende, so Klausmeier-Saß. „Deshalb begrüßen die kirchlichen und staatlichen Lehrkräfte das Positionspapier, weil es u.a. zur erneuten Reflexion der eigenen Arbeit als Unterrichtende im Fach Evangelische Religionslehre anregt“, erzählt Klausmeier-Saß.

Ausdrücklich nahm die Landessynode auch zum Recht auf Religionsfreiheit Stellung: „Als Christen und Christinnen treten wir für Religionsfreiheit als ein universales Menschenrecht ein. Die Religionsfreiheit beinhaltet zu glauben, nicht zu glauben und seinen Glauben zu wechseln sowie ihn öffentlich zu leben und zu bekennen.“ Zimmermann fasste das theologische Positionspapier wie folgt zusammen: „Den Dialog vertiefen, die eigene Tradition wertschätzen und auch davon sprechen, durchaus auch die Differenzen wahrnehmen, nicht so zu missionieren, dass das eigentliche oberste Ziel die Konversion des und der Anderen ist, und eben für die Religionsfreiheit einzutreten.“

Außer diesem theologischen Papier beschloss die Synode auch viele andere Punkte. So wurde Henrike Tetz zur Oberkirchenrätin gewählt. Die Landessynode hat die Düsseldorfer Superintendentin mit 104 Stimmen zur Oberkirchenrätin für Erziehung und Bildung gewählt. Ihre Gegenkandidatin, Studienleiterin Dr. Sabine Federmann aus Hattingen, erhielt 70 Stimmen. Henrike Tetz wird hauptamtliches Mitglied der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche im Rheinland und damit neue Leiterin der Abteilung Erziehung und Bildung im Landeskirchenamt. Tetz tritt die Nachfolge von Oberkirchenrat Klaus Eberl an, der aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig in den Ruhestand geht. Die neue Oberkirchenrätin wird am 4. März in ihr Amt eingeführt.

Die Evangelische Kirche im Rheinland hat sich für den Abzug der letzten US-amerikanischen Atomwaffen aus Deutschland ausgesprochen, die derzeit noch im rheinland-pfälzischen Büchel lagern. Das ist ein Aspekt eines Friedenswortes, das die Landessynode anlässlich des Endes des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren als Diskussionsimpuls beschlossen hat. Darüber hinaus soll das Friedenswort auf allen Ebenen der rheinischen Kirche mit dem Ziel diskutiert werden, Kirche des gerechten Friedens zu werden. Das Leitbild vom gerechten Frieden stellt einen Paradigmenwechsel gegenüber der Lehre vom gerechten Krieg dar. Zimmermann fasste die konkreten Handlungsempfehlungen, die in dem Friedenswort stehen, zusammen. Hierzu gehören u.a. die Verstärkung der Friedensbildung für Gewaltfreiheit und der Einsatz von Konfliktlösungsstrategien in Schule und Jugendarbeit. Hierzu gibt es z. B. die Ausstellung „Frieden geht anders – aber wie?“, die im September nach Köln kommt und vier Wochen lang in den Räumlichkeiten des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region zu sehen sein wird.

Superintendent Markus Zimmermann berichtete auch über die neue und innovative Darstellung des Haushaltes der Evangelischen Kirche im Rheinland. Das neue Haushaltsbuch ist nach Handlungsgruppen geordnet, so dass die Prioritäten der Evangelischen Kirche 2018 transparent dargestellt werden. Es handele sich um eine radikale Veränderung dahingehend, dass man weg von Abteilungen hin zu Aufgabenfeldern komme. Ziel des neuen Haushaltsbuches sei es, eine größere Transparenz im Hinblick auf die Kirchenmittel zu erzielen, so Zimmermann. Neben diesen Themen sprachen die Besucher des Schulreferates und des Berufskollegs auch über den Sonntagsschutz, die Arbeitsgruppe (AG) „Leichtes Gepäck“, die „viel mehr Vertrauen als Kontrolle“ in den Kirchen umsetzen möchte, und die Jugendsynode 2019. Diese soll erstmals in der Geschichte der Evangelische Kirche im Rheinland ins Leben gerufen werden und unmittelbar vor der Landessynode 2019 tagen.

Text: Sarala Hackenberg
Foto(s): Sarala Hackenberg