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Verschwendung! „Weil Menschen dringend einen Frühling der Herzen brauchen“ steht die evangelische Fastenzeit 2008 unter einem Motto, das dem „Geiz“ Paroli bietet

Statt des klassischen Verzichts auf Schlemmerei könnte es diesmal in der Fastenzeit viele üppige Dinner geben. Denn die Fastenaktion der evangelischen Kirche „Sieben Wochen ohne Geiz“ ruft zur Verschwendung auf: Verschwende deine Menschlichkeit – mehr Zeit und Liebe geben, mehr Lob und Zuneigung schenken!
Rund zwei Millionen Menschen nehmen jedes Jahr an der Fastenaktion „7 Wochen Ohne“ teil. 2008 feiert die Aktion, die vom 6. Februar bis zum 23. März läuft, ihr 25-jähriges Bestehen. Der Auftaktgottesdienst findet an Aschermittwoch, dem 6. Februar 2008, in der Münchner St. Lukas Kirche statt. Die Predigt wird der Präsident des Deutschen Städtetags und Münchens Oberbürgermeister Christian Ude halten. Somit wird erstmalig in Deutschland eine zentrale evangelische Veranstaltung zum Aschermittwoch stattfinden.
Auch für die Evangelische Kirche im Rheinland gibt es einen zentralen Gottesdienst zu Beginn der Fastenzeit – un der ist ökumenisch: Präses Nikolaus Schneider und der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner feiern am Samstag, 9. Februar 2008, den Beginn der Passionszeit mit einer ökumenischen Andacht. Die Andacht findet am Vorabend des 1. Sonntags in der Passionszeit („Invokavit“) um 19 Uhr in der Düsseldorfer Johanneskirche, Martin-Luther-Platz, 40212 Düsseldorf, statt.


„Seien Sie verschwenderisch!“
Wie in den vergangenen Jahren wird „7 Wochen Ohne“ von einem Projektbüro im Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (gep) koordiniert. Das Team bietet Begleitung an, beantwortet Fragen und betreut die Internetseite. Die Seite lädt alle an der Fastenaktion Teilnehmenden zum Austausch ein und bietet einzelnen Interessierten Kontakt zu Fastengruppen in der Nähe. Das Kuratorium des Projektbüros habe sich für das Thema „Verschwendung“ entschieden, „weil die Menschen in unserer Welt dringend einen Frühling der Herzen brauchen“, so Arnd Brummer, der im Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) für die Aktion zuständig ist. Das ständige Kalkül einer gewinnorientierten Gesellschaft töte jede spontane Geste. Niemand sollte mit seinen materiellen, seelischen und geistigen Gaben geizen. „Dann taut das Eis in den Herzen“, hofft Brummer. Ziel der Aktion sei es, eingefahrene Gewohnheiten zu durchbrechen und großzügig mit den eigenen Ressourcen zu sein. „Seien Sie verschwenderisch mit Ihrer Gastfreundschaft, mit Einladungen, dem Angebot Ihrer eigenen Fähigkeiten und Ihrer Barmherzigkeit“, empfehlen die Initiatoren. Bis zum Ostersonntag sind die Teilnehmer aufgerufen, verschwenderisch zu sein – mit ihrer Zeit für Freunde, mit ihrem Geld für eine gute Sache, mit ihrer Liebe für die Nächsten.

„Konzentration auf das Wesentliche“
Dass die Fastenaktion der evangelischen Kirche zur Verschwendung innerhalb der Passionszeit aufruft, irritiert zunächst. Doch die Unterzeile „7 Wochen ohne Geiz“ verdeutlicht die Idee, in der Fastenzeit nicht nur den traditionellen Regeln des Verzichts und der Entsagung zu folgen. In einer gewinn- und nutzenorientierten Gesellschaft stellt die Aktion die menschlichen Ressourcen in den Mittelpunkt.
Fasten in klassischer Manier bedeutet für viele Christen, während der 40 Tage bis zum Osterfest auf Alkohol, Zigaretten oder Fernsehen zu verzichten. Eine Forsa-Umfrage 2006 ergab, dass jeder fünfte Deutsche sich in der Passionszeit bei Genussmitteln einschränkt. „Das sollte man auch ruhig in diesem Jahr machen“, so Frauke Grothe von „Sieben Wochen Ohne“. Doch nach reformatorischem Verständnis könne die Passionszeit mehr als nur periodischer Genuss-Verzicht bedeuten. Das Ziel der Fastenaktion sei die Konzentration auf das Wesentliche, meint Grothe. Sie rät, die Veränderung des Lebensstils über die Fastenzeit hinaus auszudehnen: „Was man erst mal sieben Wochen geschafft hat, kann man auch weiterhin tun.“ Zwei Millionen Menschen nahmen 2007 an „Sieben Wochen Ohne“ teil.

Unterstützung im Internet, per Brief oder mit dem Fastenkalender
Um den Teilnehmern das Durchhalten zu erleichtern, bieten viele Kirchengemeinden Fastengruppen an. Im Internet-Forum der Aktion haben sich bereits 38 Gruppen eingetragen. Auch können Fastende in dem Forum ihre Erfahrungen austauschen.
Der Einzelne kann Unterstützung auch per Post beziehen: Drei Briefe wird „Sieben Wochen Ohne“ an Programm-Teilnehmer verschicken.
Für die tägliche Reflexion bietet der Fastenkalender Texte zum Nachdenken an. Prominente Autoren haben diese Denkanstöße zum Thema „Geiz“ verfasst, unter anderen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU). Die Kalenderfotos von Silke Wernet und ausgewählte Bibelzitate laden zu meditativen Momenten ein. Gleich auf dem ersten Kalenderblatt findet sich das Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lukas-Evangelium 10, 29-37). Es ruft dazu auf, mildtätig zu handeln – in Nächstenliebe selbstlos den Bedürftigen zu helfen

Andachten, Unterrichtsstoff oder Materialpakete
Traditionell greifen viele Gemeinden das aktuelle Fastenthema von „7 Wochen Ohne“ auf und eröffnen so den Dialog über die Fastenandachten in ihren Gemeinden. Zusätzlich zum Fastenkalender, der ein zentrales Element der Aktion ist, können drei Fastenbriefe begleitend zur Fastenzeit bestellt werden. Das auf Gemeinden zugeschnittene Materialpaket besteht aus einer Arbeitshilfe mit CD-ROM und einem Plakatset. Die Arbeitshilfe liefert vor allem Material zur intensiven Beschäftigung mit dem Fasten, Impulse für Gottesdienste und Gesprächsgruppen sowie Unterrichtseinheiten. Auf der CD-ROM sind sieben Bilder sowie das Aktionsmotiv. Das Aktionsmotiv und vier Nachdruckgrafiken für Gemeindebriefe stehen im Internet zum Download.

Weitere Infos im Internet: http://www.7wochenohne.de/index.html

Text: EKD/gep
Foto(s): EKD