Superintendentin und Vorsitzende der ACK Köln, Susanne Beuth



Vergesst die Gastfreundschaft nicht – Ökumenischer Gottesdienst in der Antoniter-Kirche

Zum Beginn des Jahres 2020 hatte die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Köln (ACK) zu einem ökumenischen Gottesdienst mit anschließendem Neujahrsempfang in die voll besetzte Antoniter-Kirche in der Kölner City eingeladen. Die Predigt hielt der alt-katholische Theologe Professor Dr. Andreas Krebs. Musikalisch wurde der Gottesdienst vom Jugendchor der Neuapostolischen Kirche gestaltet. Kernthema des Gottesdienstes war die gelebte Gastfreundschaft. Der Gottesdienst begann mit dem gemeinsamen Einzug aller ACK-Mitglieder sowie der am Gottesdienst beteiligten Personen.

Susanne Beuth: „Vergesst die Gastfreundschaft nicht.“

Superintendentin Susanne Beuth brachte es in ihrer Begrüßung auf den Punkt. „Vergesst die Gastfreundschaft nicht – dieses Motto stellen wir in den Mittelpunkt unseres ökumenischen Gottesdienstes. Diese Gastfreundschaft erleben wir heute.“ Eigentlich habe man sich schon im neuen Antoniterquartier treffen wollen, aber der Neubau sei erst zu Ostern fertig. „Deshalb gibt es den kompletten Empfang einschließlich Verpflegung hier in der Kirche. Wir feiern heute einen ökumenischen Gottesdienst, Gastfreundschaft und Mahlzeit sind konfessionsübergreifend.“

Dr. Martin Bock: Gemeinsam gegen Hass gegenüber Fremden

Melanchthon Akademieleiter Dr. Martin Bock lud zu einem gemeinsamen Gebet gegen den Hass gegenüber Fremden ein. Im Wechsel beteten Männer und Frauen Auszüge aus Psalm 145: „Der Herr ist gut zu allen Menschen. Der Herr stützt alle, die fallen können.“ Auch im Kyriengebet wurde um den Beistand des Herrn gegen den Fremdenhass gebetet. „Leisten wir der Menschenfreundlichkeit genug Widerstand? Vergib uns, wenn wir mutlos sind, statt den Weg des Vertrauens zu dir zu suchen.“ Im Tagesgebet wurde um den heiligen Geist für diesen Gottesdienst gebeten. „Wir bitten, dass wir durch dich unsere Gastfreundschaft erneuern.“

Lesung und Predigt im Zeichen der Gastfreundschaft

In der Lesung wurde ein Hebräer-Text zitiert: „Vergesst die Gastfreundschaft nicht. Denkt an die Gefangenen und Missachteten. Seid zufrieden mit dem was ihr habt. Gott hat gesagt, ich gebe dich nie auf.“ Auch in der anschließenden Predigt wurde das Thema Gastfreundschaft aufgegriffen, es wurde die Geschichte von Abraham erzählt, der Besuch von drei Männern bekam. Er bot ihnen Wasser, Brot und Ruhe an. Die fragten ihn nach seiner Frau Sara. Einer der Männer sagte Sara die Geburt eines Sohnes voraus. Abraham und Sara waren allerdings in sehr fortgeschrittenem Alter, dieses Ereignis erschien schier unmöglich. Doch der Mann behielt recht, ein Jahr später wurde der Sohn geboren. „Durch den Mann wurden Worte eines Engels gesprochen. Die Gastfreundschaft Abrahams hat den Engel beherbergt.“

Andreas Krebs: „Das Geschehen zwischen Gastgeber und Gast ist heikel.“

Auch die Predigt von Professor Dr. Andreas Krebs drehte sich um das Thema Gastfreundschaft. „Fühlen sie sich wie zuhause“, so begrüße man seine Gäste gerne. Doch dieser Satz sei abgründig, eigentlich wolle man das als Gastgeber gar nicht. „Man gibt dem Gast Zugang zu seinem Raum. Vielleicht findet er vieles nicht schön. Ein Gast der sich bei mir zuhause fühlt, würde alles umkrempeln und mich schließlich mit hinauswerfen, dann wird mein Zuhause seins. Das ist die Angst des Gastgebers.“ Daraus schließt Andreas Krebs, dass Gastfreundschaft nicht unbedingt sei. Im Gegenteil: „Das Geschehen zwischen Gastgeber und Gast ist heikel, potentiell schön, aber auch gefährlich.“ Auch er erinnert an den Hebräerbrief, der mahnt: „Vergesst die Gastfreundschaft nicht“ und nimmt Bezug auf die Geschichte mit Abraham und den drei Männern. „Abraham hat seinen Gästen alles gegeben. Er verhält sich nicht wie ein Hausherr, sondern wie ein Diener. Wir erwarten, allerdings, dass sich der Gast unterordnet.“ Es verwundere noch mehr, dass Abraham nicht die Namen und Hintergründe der Gäste erfragt. Seine Gastfreundschaft erscheine bedingungslos. Das wiederum bedeute, ich öffne dem Unbekannten mein Zuhause, ohne den Fremden irgendetwas zu fragen. Der Professor stellt klar: „Man muss sagen, das kann auch schiefgehen, bei Abraham ging das gut.“

Andreas Krebs stellt hier die Frage: „Ist unbedingte Gastfreundschaft eine Utopie? Der Sommer 2015 hatte etwas von unbedingter Gastfreundschaft. Viele haben die Neuankömmlinge mit Jubel empfangen, das werden die nie vergessen. Wir wissen allerdings, dass es am Ende nicht so einfach war. Es gibt auch Menschen, die Gastfreundschaft missbrauchen.“ Europa habe leider die Grenzen wieder zugemacht. Als Christ hat Andreas Krebs allerdings eine eindeutige Position: „Massensterben und Massenlager dürfen nicht normal sein.“

Zum Schluss gab Professor Krebs den Christen aller Konfessionen noch eine Botschaft mit auf den Weg: „Das Zeugnis der Christen wird durch Uneinigkeit und Zwietracht beeinträchtigt. Da kann Gastfreundschaft helfen.“ So gebe es ein Abkommen zwischen seiner altkatholischer und der evangelischen Kirche zum gegenseitigem Abendmahl, das er ausdrücklich gegen Kritik verteidigt. „Ich wünsche uns weniger Angst, auch wenn sie begründet ist. Am Ende soll uns die Angst nicht bestimmen, denn sie wird die unverhofften Engel nicht erkennen.“

Zum Abschluss wird Gastfreundschaft gelebt

Nach dem Glaubensbekenntnis wurde um Versöhnung gebetet: „Wir bitten um deine Fürsorge. Verwandle Streit in Eintracht und reiße Barrieren nieder, die uns daran hindern, unsere Brüder willkommen zu heißen.“

Die anschließende Kollekte kam dem WiNHaus, einer Einrichtung zur Flüchtlingshilfe in Köln-Nippes, zu Gute. Auch dort werde gelebte Gastfreundschaft praktiziert. Eingesammelt wurde die Kollekte mit einem Gang zum Altar, auf dem Weg wurde an die Gläubigen Brot ausgegeben, was nach dem Segen gemeinsam verzehrt wurde. „Uns geht es um das gemeinsame Mahl, um die gelebte Gastfreundschaft“, betonte Superintendentin Susanne Beuth in ihrem Schlusswort. Anschließend wurde konfessionsübergreifend gemeinsam gegessen, getrunken und geredet.

 

Text: Dr. Klemens Surmann
Foto(s): Dr. Klemens Surmann