Am Anfang des Evangelischen Glaubens steht der einzelne Mensch vor Gott mit der Bibel als einziger anerkannter Autorität. Darum ist die Evangelische Kirche als Organisation auf allen Ebenen basisdemokratisch strukturiert. Die Gemeinschaft der Glaubenden organisiert sich in den Kirchengemeinden – den Zentren des evangelischen Lebens. Geleitet wird jede Kirchengemeinde evangelischen Glaubens von einem Presbyterium, das alle vier Jahre von den Mitgliedern der Gemeinde gewählt wird. Im Presbyterium sind zwar üblicherweise auch Pfarrerinnen und Pfarrer vertreten. Die so genannten Laien sind jedoch stets in der Überzahl, so dass sich die Gemeinde als eine Gemeinschaft von Getauften selbst leitet. Die Kirche wird also nicht von Theologen „regiert“, sondern von engagierten, demokratisch gewählten, in aller Regel ehrenamtlich arbeitenden Gemeindegliedern. Dieses Prinzip macht auch vor der Wahl der Pfarrerin oder des Pfarrers nicht Halt – auch dabei hat das Presbyterium ein entscheidendes Mitspracherecht.

 

Die einzelne Kirchengemeinde ist souverän. Um aber aufwendigere übergemeindliche Aufgaben organisieren zu können, schließen sich mehrere Gemeinden zu Kirchenkreisen zusammen. Über die Belange des Kirchenkreises entscheidet die Kreissynode, zu der die einzelnen Gemeinden Abgeordnete entsenden. Diese wählt einen Kreissynodalvorstand, für dessen Leitung unter den Gemeindepfarrerinnen und -pfarrern eine Superintendentin oder ein Superintendent gewählt wird.

Im Fall des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region haben sich 1964 aus dem damaligen „Gesamtverband der Evangelischen Kirchengemeinden im Kirchenkreis Köln“ vier Kirchenkreise zu einem Kirchenverband formiert, um im Zusammenschluss Aufgaben besser bewerkstelligen zu können, die das Vermögen des einzelnen Kirchenkreises überschreiten. Dem Kirchenverband steht die Stadtsuperintendentin oder der Stadtsuperintendent vor, der das höchste Gremium des Kirchenverbands, die Verbandsvertretung, leitet. Die Verbandsvertretung tagt zweimal im Jahr und besteht aus Abgeordneten der Kirchengemeinden – sowohl aus Theologinnen und Theologen als auch aus „Laien“.

Die Kirchenkreise wiederum arbeiten in der Landeskirche zusammen, für Köln und Region ist das die Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR), wobei der Evangelische Kirchenverband Köln und Region dort die mitgliederstärkste Einheit ist – und mittlerweile den einzigen Verband aus Kirchenkreisen bildet. Höchstes Gremium der EKiR ist die Landessynode, die üblicherweise jährlich eine Woche lang tagt. Während der restlichen 51 Wochen lenkt die Kirchenleitung als Präsidium der Landessynode das rheinische Kirchenschiff durch das Jahr. Vorsitzender der Kirchenleitung ist der oder die Präses.

Die 22 Landeskirchen Deutschlands haben sich zur Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zusammengeschlossen, die vom Rat der EKD geleitet wird.

Presbyterial-synodal: Das Ordnungsprinzip der EKiR und ihrer Gemeinden

Die Grundordnung der Evangelischen Kirche im Rheinland – und damit all ihrer Mitglieder – ist presbyterial-synodal. Das bedeutet auch für den Evangelischen Kirchenverband Köln und Region – der zur EKiR gehört -, dass sich seine Leitungsorgane grundsätzlich aus gewählten Vertretern der Gemeinden und Kirchenkreise zusammen setzen. Sie treffen alle wichtigen Entscheidungen in ihren Parlamenten. Presbyterien sind die Leitungsorgane der Kirchengemeinden. Diese entsenden ihre Vertreter in das Leitungsorgan des Kirchenkreises, die Kreissynode. Die Kreissynode entsendet wiederum Vertreter in das Leitungsorgan der Landeskirche, die Landessynode. Die Leitung der Evangelischen Kirche baut sich demnach von unten auf. Beschlüsse werden grundsätzlich gemeinschaftlich geschlossen. Das bedeutet, dss ausdrücklich nicht nur Geistliche befugt sind, eine Gemeinde zu leiten, sondern grundsätzlich alle Getauften, denn in den Leitungsorganen darf die Zahl der Theolog/innen die Zahl der Nicht-Theolog/innen nicht überschreiten.

Rheinische und westfälische Gemeinden haben ein starkes regionales Selbstbewusstsein. Laienbeteiligung und Selbstverwaltung werden großgeschrieben. Das spiegelt sich auch in der Kirchenverfassung, die die Verantwortung der Presbyterien und Synoden besonders betont. Die Evangelischen Kirchen im Rheinland und in Westfalen sind „presbyterial-synodal“ geordnet. Das heißt: Die Leitung liegt auf allen Ebenen bei gewählten Mitgliedern und geschieht grundsätzlich in Gemeinschaft. So geordnete evangelische Kirchen bauen sich also „von unten nach oben“ auf, in allen Leitungsorganen darf die Zahl der Theolog/innen die Zahl der Nicht-Theolog/innen nicht überschreiten. Dahinter steht die Überzeugung, dass jeder Mensch mit eigenen Begabungen, Erfahrungen und Ideen dazu beitragen kann, dass alle Menschen hoffnungsvoll und friedlich miteinander leben und die Grundlagen des Lebens erhalten können. Außerdem die Überzeugung, dass sich nur in der Beratung und Zusammenarbeit vieler Menschen mit- und untereinander gangbare Wege für alle herauskristallisieren.

 

Rechts- und Ordnungsgrundlagen